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Jagdszenen auf Fussballplatz : Schiedsrichter denken an Streik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Platzverweise im Kreisfußball steigen rapide. Besonders bei den Schiedsrichtern ist die Stimmung auf dem Nullpunkt.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Flensburg | Der Kreisfußballverband Schleswig-Flensburg musste schnell handeln. „Der Spielbetrieb der neuen Saison läuft erst seit wenigen Wochen, doch wir müssen bereits drei überaus unsportliche Vergehen, in zwei Fällen brutale Körperverletzungen beklagen“, schreibt Vorsitzender Bernd Bleitzhofer in einem Appell an die Vereine. „Insbesondere bei den Schiedsrichtern ist die Stimmung auf dem Nullpunkt. Das Maß der tolerierbaren Meckereien ist bei einigen Aktiven längst überschritten. Darüber hinaus zeigen die Sonderberichte über Schiedsrichter-Beleidigungen ein Verhalten auf, das wir so nicht weiter hinnehmen werden.“

Christopher Polster, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, stellt fest: „Wir haben in dieser Saison bislang viel mehr Feldverweise als in den Vorjahren. Und jeder zweite Fall beschäftigt sich mit Schiedsrichter-Beleidigungen.“ Dabei gehen die Urteile quer durch alle Klassen bis hinunter in den Jugendbereich. „Auch schon in der C- und B-Jugend werden die Unparteiischen von den Spielern übel beschimpft.“

Das Fass zum Überlaufen brachten aber Vorfälle auf Fußball-Plätzen, die mit Körperverletzungen und Handgreiflichkeiten gegen Schiedsrichter endeten. Es begann mit einem Spiel im Förde-Schlei-Pokal. Der Unparteiische wurde von einem Spieler des TSV Rabenkirchen-Faulück am Trikot gezogen und übel beschimpft, zuvor hatte ein Spieler einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. „Leider hat der Schiri das Spiel nicht abgebrochen. Aber er war so perplex. Das hatte er noch nie erlebt“, erzählt Christopher Polster. Fall zwei fand vor gut einer Woche statt: Schiedsrichter Marcus Meyer wurde von einem Spieler des TSV Rabenkirchen-Faulück nach Spielschluss in der Kreisklasse A II mit einer Kopfnuss zu Boden gestreckt und musste später vom Notarzt versorgt werden. Am vergangenen Wochenende brach dann Schiri Steffen Johannsen die Partie der Kreisklasse A I zwischen Stern Flensburg II und FC Wiesharde III nach 80 Minuten ab. Der 19-Jährige hatte bereits vier Feldverweise ausgesprochen. Er habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, das Spiel ordentlich zu leiten und „er wollte die Stern-Spieler schützen“, so Polster. Nach dem Abbruch mussten Offizielle vom Gastgeberverein den von Wiesharder Spielern bedrohten Unparteiischen in die Kabine begleiten und hinterher zum Auto führen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

„Ich fordere alle Vereinsverantwortlichen dazu auf, Trainer und Spieler ausnahmslos dazu anzuhalten, sich insbesondere gegenüber Schiedsrichtern stets fair zu verhalten“, appelliert Bernd Bleitzhofer. Der Schiedsrichterausschuss hatte schon ernsthaft über einen Streik nachgedacht. Aber nach Gesprächen mit Holger Wohlers, dem Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV), „haben wir uns dagegen ausgesprochen“, sagt Christopher Polster, der bereits seit 19 Jahren Spiele pfeift. „Wir wollen nicht die Fußballer in Mitleidenschaft ziehen, die Woche für Woche ihrem Hobby nachgehen und Spaß dabei haben.“

Was jetzt passiert, ist kein Spaß. „Wir vom Schiedsrichterausschuss sind so weit, dass wir unsere 14- bis 16-jährigen Unparteiischen begleiten, damit sie in Ruhe erste Erfahrungen auf dem Platz sammeln können“, erklärt Polster. In Zusammenarbeit mit Tim Cassel, dem Fairplay-Beauftragten des SHFV, soll jetzt nach Möglichkeiten gesucht werden, um im Kreis Schleswig-Flensburg das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Spielern zu verbessern. „Aber wir sind erst am Anfang und wollen nichts über das Knie brechen“, betont Polster. Angedacht ist unter anderem ein Runder Tisch mit den Trainern.

Die unschönen Szenen auf den Plätzen wirken sich auch negativ auf den Nachwuchs aus. Obwohl viele Vereine in dieser Saison erstmals wegen fehlender Schiedsrichter mit Minuspunkten in die Saison starteten, gab es bei dem am vergangenen Wochenende gestarteten Anwärter-Lehrgang nur 20 Teilnehmer. „Viel weniger als sonst“, meint der 33-jährige Polster, der den Kreisschiedsrichterausschuss seit 2008 leitet. „Die Vereine finden auch auf Grund der Vorfälle keine Freiwilligen mehr, die pfeifen wollen.“

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