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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 21:41 Uhr

Scheren-Einsatz bei der "Hair Force"

vom

Ein kleiner privat betriebener Friseursalon ist auf dem Jageler Luftwaffen-Stützpunkt ein Exot

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Jagel | Die Zeiten sind vorbei, in denen man Bundeswehrsoldaten auch in zivil gleich auf den ersten Blick erkannt hat. Denn der Frisuren-Einheits-Look, Hauptsache kurz und praktisch, ist längst passé. Im Gegenteil: "Dieses Klischee kann man getrost beiseite legen, die Ansprüche an Haarschnitte werden auch bei Soldaten immer größer", sagt Andrea Storm voller Überzeugung. Und sie weiß ganz genau, wovon sie spricht. Schließlich betreibt sie seit 13 Jahren auf dem Jageler Fliegerhorst ihren eigenen Friseursalon, mit dem passenden Namen "Hair Force".

Auf dem mit Zäunen abgeschirmten Militärgelände ist der kleine Salon durchaus ein Exot. Denn Läden oder Einrichtungen, die in Städten und Dörfern ganz selbstverständlich sind, findet man innerhalb der Bundeswehr-Welt eher selten. Allerdings ist auch die "Hair Force" mit der zivilen Konkurrenz nicht unbedingt zu vergleichen. Denn wo sonst Poster mit den neuesten Trendfrisuren an den Wänden hängen, blickt man hier auf Bilder von Kampfflugzeugen im Einsatz oder eine Uhr, die in das Bugrad eines Tornados eingebaut wurde. Auch sucht man bei der "Hair Force" vergebens die neusten Ausgaben von "Gala" und "Bunte". Stattdessen setzt man auf echte Luftwaffen-Literatur wie etwa Bildbände der jüngsten Nato-Übung. Und gleich neben der Eingangstür hängen etliche Grüße von Stammgästen in Form von Postkarten. Nicht aber aus Mallorca oder Rom, sondern aus dem Kosovo und Masar-i-Scharif.

Unter dem Strich aber ist der kleine Laden doch ein Friseursalon. Und da wird nun einmal gerne gequatscht, auch aus dem Nähkästchen. Andrea Storm hatte deswegen schon Besuch von Mitarbeitern des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), dem Nachrichtendienst der Bundeswehr. "Wir mussten unterschreiben, dass wir keine Geheimnisse weitergeben. Aber es bleibt ohnehin alles bei uns, was die Soldaten so auf dem Herzen haben", sagt die Friseurin, die mit ihrer Angestellten Rebekka Görner montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr im Salon steht. Im Mittelpunkt steht aber das Haareschneiden. Und da Kurzhaarschnitt nun längst nicht mehr Kurzhaarschnitt ist, wird den beiden Friseurinnen bei ihrer Arbeit eine Menge abverlangt. "Einige Soldaten bringen Fotos auf ihren Handys mit, von Mario Gomez oder anderen Promis, und wollen die Haare auch so haben", erzählt Andrea Storm und listet auf: Bart schneiden, Augenbrauen zupfen, Kopfmassage, Haare auf den Ohren abflammen. Ihre Kunden wollen das volle Programm.

Ganz frei allerdings sind insbesondere die Männer in ihrer Frisuren-Wahl am Ende dann doch nicht. Denn wie es sich für die Bundeswehr gehört, gibt es auch eine Verordnung für "die Haar- und Barttracht der Soldaten". Dort heißt es unter anderem: "Modische Frisuren sind erlaubt; ausgenommen sind Frisuren, die in Farbe, Schnitt und Form besonders auffällig sind (zum Beispiel Punkerfrisuren, Irokesenschnitte, grell gefärbte Haarsträhnen)". Und weiter: "Das Haar männlicher Soldaten muss am Kopf anliegen oder so kurz geschnitten sein, dass Ohren und Augen nicht bedeckt werden. Es ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden." Da bleibt am Ende zwar Interpretationsspielraum. "Aber hin und wieder frage ich einen Kunden schon, ob er sich dies oder jenes genau überlegt hat. Am Ende aber sind es erwachsene Menschen - und ich empfinde es als Körperverletzung, die Haare gegen den Willen des Kunden zu schneiden", sagt Storm.

Es ist übrigens auch schon vorgekommen, dass Kunden mitten beim Haareschneiden zu einer Notfall-Übung gerufen wurden. Dann wurde die Frisur zwei Stunden später oder gar am nächsten Tag fertig gestellt. "Wir nehmen uns halt viel Zeit für unsere Kunden", betont Andrea Storm.

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