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Landgericht Flensburg : Scherben-Attacke in der Gefängniszelle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Ich bring dich um, ich will hier raus“: Ein 32-jähriger Flensburger ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er soll probiert haben, einem JVA-Beamten eine Glasscherbe ins Gesicht zu drücken.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 07:30 Uhr

Flensburg | Man sieht es ihm an: Mit dem Mann ist nicht zu spaßen. Mit Fußfesseln und Handschellen gesichert, wird Thies W. (32) vorgeführt. Bullige Erscheinung, kurz geschoren, grau-gelbes Adidas-T-Shirt.

Mit gesenktem Blick hört er sich an, was die Staatsanwaltschaft ihm vorzuwerfen hat. Und das ist eine ganze Menge: Raub, räuberischer sowie gewerbsmäßiger Diebstahl in mehreren Fällen, Körperverletzung.

Doch diese Delikte allein reichen für einen Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer nicht aus. Dort sieht sich der Angeklagte nunmehr mit dem Vorwurf des versuchten Totschlags konfrontiert.

Es war höchste Zeit für die Eröffnung der Hauptverhandlung: Thies W. sitzt exakt ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Dort soll er die Tat auch begangen haben. Länger als sechs Monate aber darf eine U-Haft nur bei besonderem Umfang der Ermittlungen oder bei einem anderen relevanten Gründen dauern. So blieb es gestern zunächst bei der Verlesung der Anklageschrift, um die rechtlichen Fristen zu wahren.

Sönke Mühlfeld von der Flensburger Staatsanwaltschaft hatte einen ansehnlichen Stapel an Akten vor sich und arbeitete sich langsam vor. So soll Thies M. am 15. November 2012 an der Löhmannschule einen Mann „körperlich misshandelt und geschädigt“ haben. Grund für den gewaltsamen Übergriff: Ein Laptop, den er im Anschluss entwendete.

In den Jahren 2012 und 2013 gab es laut Anklage eine Reihe von Diebstählen; hauptsächlich Supermärkte, etwa in der Neustadt, Angelburger Straße, am Neumarkt oder in der Flensburg-Galerie suchte W. heim. Objekt der Begierde: Bohnenkaffee, egal welchen Fabrikats. Paketeweise schmuggelte er seine Beute in einer Sporttasche durch die Kassen – oder es blieb beim Versuch. Denn ein ums andere Mal wurde der Hartz-IV-Empfänger ertappt.

In einem Fall fasste eine Mitarbeiterin sich ein Herz, sie wollte ihn stoppen. Der Täter riss sich jedoch los und versetzte ihr einen Faustschlag. Gewalttätig wurde er auch gegen andere Personen, er erpresste dabei ein Handy, einen Tablet-PC und andere Gegenstände. Eigenbedarf stand dabei nicht im Vordergrund, Thies W. finanzierte von dem Erlös seinen Drogenkonsum.

Dann der 10. Juli 2013. Der Untersuchungshäftling verlangt über die Sprechanlage nach einem JVA-Beamten. K. erscheint und wird massiv von der Zellentür getroffen, der 32-Jährige hält die Scherbe eines Porzellantellers in seiner linken Hand, versucht, sie dem Vollzugsbeamten ins Gesicht zu drücken. „Ich bring dich um, ich will hier raus“, schreit er dabei. K. wird an Gesicht und Hals verletzt, ruft um Hilfe. Ein Kollege eilt herbei, versucht die Kontrahenten zu trennen. Auch er wird unmittelbar attackiert. „Es war ein gezielter Schlag an den Hals“, führt Sönke Mühlfeld aus. Der Täter ist außer sich: „Ich bring dich um, ich mach euch kalt.“

Glücklicherweise kann der Angegriffene den mit der Scherbe ausgeführten Schlag abblocken, gemeinsam mit mehreren Kollegen gelingt es, den Häftling zu Boden zu drücken und zu fixieren.

Die Verteidigung des Angeklagten kündigt an, dass ihr Mandant beabsichtigt, bei der Fortsetzung des Prozesses am Freitag (9.15 Uhr) Angaben zur Person und Sache machen zu wollen. „Er wird nicht viel sagen“, so Rechtsanwalt Jan Gärtner – „nur das, was ihm auf der Seele brennt.“

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