Schelte für den Masterplan Mobilität

Seltener Anblick? Beide E-Ladesäulen am Zob waren gestern gegen Mittag belegt.
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Seltener Anblick? Beide E-Ladesäulen am Zob waren gestern gegen Mittag belegt.

Flensburger Wirtschaft kritisiert einseitiges Zurückdrängen des Autoverkehrs – und macht konstruktive Vorschläge

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22. August 2018, 21:33 Uhr

Parkplatzfreie Schiffbrücke, Tempo 40 in der Innenstadt und ein generelles Zurückdrängen des Autoverkehrs in der City zugunsten von Bus, Rad und Fußgängern: Flensburgs geballter Wirtschaftssachverstand hat gestern seine Sorge darüber formuliert, was die Stadt Flensburg mit dem städtischen Verkehr im Zuge des „Masterplans Mobilität“ vorhat. Als Signal, dass sie sich konstruktiv in die Diskussion einmischen wollen, traten gestern in der Industrie- und Handelskammer die Spitzen von IHK, Handwerkskammer, Arbeitgeberverband, Dehoga sowie die Kreishandwerkerschaft und die in der IG City Flensburg zusammengeschlossenen Innenstadtkaufleute vor die Presse.

„Wir erwarten mehr Dialog mit der Stadt“, erklärte IHK-Präsident Rolf-Ejvind Sörensen gestern das verkehrspolitische Signal aus der Wirtschaft. Man wolle sich der Weiterentwicklung in wichtigen Verkehrsfragen nicht verschließen: „Aber wir brauchen die Touristen, Arbeitnehmer und Kunden.“

Vor allem stört die Wirtschaftsvertreter, dass im Masterplan Mobilität einseitig der Autoverkehr zurückgedrängt werden soll: „Eine Sanktionierung des Pkw-Verkehrs muss verhindert werden“, heißt es dazu in dem gestern vorgelegten Thesenpapier der Wirtschaft. Und: Das Ziel, bis 2050 Auto, Bus, Rad und Fußverkehr gleichstark zu gewichten sei willkürlich und planwirtschaftlich und werde deshalb abgelehnt.

Außerdem vermisst die Flensburger Wirtschaft neben den Klimaschutzzielen die bessere Erreichbarkeit aller relevanten wirtschaftlichen Standorte als Ziel. „Das wird gegen die Wirtschaft nicht funktionieren“, mahnt Fabian Geyer vom Arbeitgeberverband. Zudem verkenne der Masterplan die Bedeutung des Umlandes und der Berufspendler für ein effizientes Verkehrskonzept der Zukunft. Das sieht Udo Hansen von der Handwerkskammer ähnlich: „Wer vom Süden über die Schleswiger Straße in die Stadt kommt, steht an jeder Ampel.“ Dies betreffe im Übrigen auch Ost- und Westtangente.

Dabei geben sich die Vertreter von Handel, Handwerk, Gastronomie, Industrie- und Dienstleistungsfirmen konstruktiv und machen ihrerseits Vorschläge: Hans-Peter Hansen vom Dehoga warb für ein großes Parkhaus im Bereich des Nordertors als Ersatz für Plätze an der Wasserkante. Auch hofft er auf zusätzliches Potenzial durch mehr E-Ladestationen für Autos und E-Bikes: „Die Elektromobilität kann in kürzester Zeit erhöht werden“, glaubt der Vertreter der Hotels und Gaststätten.

Wer Kunden und Pendler vom Auto in den ÖPNV holen wolle, brauche auch bessere Busverbindungen in die Stadt. Dies betreffe zum Beispiel die späte und unzureichende Anbindung der Neubaugebiete in Kauslund, Tarup und Sünderup. Für den Radverkehr sollten zunächst die bestehenden Radwege verbessert werden.

Ulrich Spitzer von der IHK mahnte einen Pendlerparkplatz in Bahnhofsnähe an, um Autofahrern Umstiegsmöglichkeiten zu bieten. Er kann sich Lösungen im Bereich des ehemaligen Stellwerks Peelwatt auf der Südseite der Schienen vorstellen. Und: Der große Parkplatz Exe könne mit einer vernünftigen Ordnung, einer näheren Bushaltestelle, Fahrradständern und E-Ladestationen deutlich aufgewertet werden.

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