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„Am laufenden Band“ : Schauspielerin Renate Delfs wird Flensburger Ehrenbürgerin

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach 85 Jahren verleiht die Stadt am Donnerstag wieder eine Ehrenbürgerschaft – zum ersten Mal an eine Frau.

Flensburg | „Es ist genauso eine Ehre für mich, dass ich Flensburgerin sein darf“, sagt Renate Delfs in ihrer bescheidenen Art. Die Schauspielerin weiß zu schätzen, dass sie „in der gleichen Stadt leben darf, wo ich geboren bin“. Sie empfindet nach, wie schwer es für Flüchtlinge sein muss, die Heimat zu verlieren.

Am Donnerstag entschied die Ratsversammlung, dass die 89-Jährige Flensburger Ehrenbürgerin wird. Es ist das erste Mal seit 85 Jahren, dass die Stadt die Ehrenbürgerwürde verleiht – abgesehen von Ehrungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Delfs ist die erste Frau, die eine Ehrenbürgerschaft erhält. Die Ratsversammlung der Stadt votierte am Donnerstag einstimmig für die Verleihung an die gebürtige Flensburgerin, deren Familie seit Generationen an der Förde ansässig ist.

Delfs war in der Sitzung am Nachmittag dabei und wurde mit stehenden Ovationen gewürdigt. „Ich war geplättet, als ich das erfuhr, dass ich Ehrenbürgerin werden soll“, sagte Delfs. „Es ist mir eine große Ehre.“ Im Antrag der Fraktionen war Delfs als „Aushängeschild für die Stadt Flensburg“ bezeichnet worden. Auch ihr Engagement für den Erhalt der Flensburger Mundart Petuh wurde gelobt. Zum bevorstehenden 90. Geburtstag Ende März sei die Ehrenbürgerwürde ein Zeichen der Anerkennung. Die Verleihung findet am 14. März statt.

Delfs ist als jüngste von vier Schwestern im Norden der Stadt aufgewachsen und hat im Krieg angefangen zu studieren. Theaterwissenschaften in Jena. Das sei ihren Eltern seriöser erschienen als die Schauspielerei, wovon das junge Mädchen tatsächlich träumte. Der Wunsch sollte später Wirklichkeit werden. Nach dem Krieg habe sie zunächst Buchhändlerin gelernt. „Das habe ich sehr gern gemacht“, sagt die leidenschaftliche Leserin, die sich seit Jahrzehnten mit Gleichgesinnten zum Winterclub bei Kerzen und Kamin trifft und sich Fritz-Reuter-Texten widmet.

Selbst hat sie zwei Petuh-Bücher geschrieben, liebt und liest das Plattdeutsche. Schon in den 60er Jahren hat Delfs bei der Niederdeutschen Bühne gespielt, auch weiterhin intensiv, als sie 1975 beim Verkehrsverein angefangen habe und dann zwölf Jahre lang die Flensburger Touristeninformation leitete. In jenem Jahr muss es gewesen sein, dass sie und ihr damals 16-jähriger Sohn Andreas in Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“ gewannen. Da erlangte ihr Gesicht überregionale Bekanntheit – erst recht in der Rolle der Oma Lisbeth in der Fernsehserie „Nicht von schlechten Eltern“ in den 90ern. Die sei sehr gut angekommen, und von da an habe sie immer etwas Schönes zu tun bekommen als Schauspielerin. Den Dreh zum Film „Ein Tick anders“ hebt sie heraus, der hat ihr gefallen, und zuletzt die Zusammenarbeit mit Bully Herbig für den Film „Buddy“ – „ein herrlicher Quatsch“.

Sie sei dankbar dafür, wie sich alles fügt. In diesen Tagen komme alles auf einmal, sagt Renate Delfs. Ehrenbürgerschaft. Runder Geburtstag. Und Anfang März werde auch noch ein Buch erscheinen, das sie „zur Hälfte geschrieben“ habe. Es handle sich um einen Briefwechsel zweier Generationen. Bei Dreharbeiten habe sie Rike Schmid kennen gelernt. Die heute 35-jährige Schauspielerin wollte wissen, „wie wir im Dritten Reich gelebt haben“, erklärt Delfs. „Wir haben uns dann weiter brieflich unterhalten über dieses Thema.“ Entstanden sei ein „sehr ehrliches Buch“ mit dem Titel „Briefe an Rike“ und einem Untertitel, der Renate Delfs besonders gut gefällt: „Nimm mich mit nach Gestern“. Sie sei sehr gespannt, wie das Buch aufgenommen werde und mahnt: „Wir dürfen nicht vergessen.“

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erstellt am 12.Feb.2015 | 07:15 Uhr

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