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Ehrenbürgerin Flensburgs : Schauspielerin Renate Delfs wird 90

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Ob „Der Landarzt“ oder „Commissario Brunetti“ - als liebenswerte alte Dame kennt man die Schauspielerin, die mit Leidenschaft Flensburgerin ist. Bald feiert sie ihren 90. Geburtstag.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2015 | 10:12 Uhr

Flensburg | Gerade erst hat Renate Delfs, Schauspielerin und Flensburger Urgestein, ihrer Heimatstadt eine Premiere beschert: Sie ist die erste Ehrenbürgerin. Die Vorgänger, darunter Luftschiffpionier Hugo Eckener und Reichskanzler Otto von Bismarck, waren alle Männer.

„Ich war geplättet, als ich das erfuhr, dass ich Ehrenbürgerin werden soll“, sagte Delfs in der Ratsversammlung, in der die Entscheidung vor gut einem Monat getroffen wurde. Anerkennung für ihr Lebenswerk sollte die Ehrung kurz vor ihrem 90. Geburtstag am 27. März sein.

Die zierliche weißhaarige Dame, für die das etwas fortgeschrittene Alter aber noch lange kein Grund für den Ruhestand ist, hat Anfang März ein Buch herausgebracht, gemeinsam mit Schauspielkollegin Rike Schmid (35). „Nimm mich mit nach Gestern...“ heißt es. Darin geht es um die Zeit des Nationalsozialismus, über die sich die beiden Frauen in Briefen ausgetauscht haben. Eine Lesung in Flensburg war ausverkauft, „ein Heimspiel“, sagt Delfs. Dass das Buch auch jüngere Generationen interessiert, „das will ich sehr hoffen“. Auch in der NDR Talkshow wollte sie das Buch am Freitag vorstellen.

Delfs ist mit ihrer Heimatstadt Flensburg tief verbunden. Hier stand sie erstmals auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuten sollten. Sie ging nie von Flensburg fort - nach dem Krieg verwehrte ihr die fehlende Zuzugsgenehmigung die Zukunft in Hamburg. Dann blieb sie dort, wo ihre Familie seit Generationen ansässig ist, und wurde dafür als Fernsehschauspielerin zum ständigen Gast in deutschen Wohnzimmern. Von „Jauche und Levkojen“ über „Nicht von schlechten Eltern“, „Adelheid und ihre Mörder“, „Großstadtrevier“ und „Der Landarzt“ bis zur Donna-Leon-Verfilmung „Reiches Erbe“ und der Komödie „Ein Tick anders“ reicht die Palette.

Begonnen hatte sie auf Flensburgs Niederdeutscher Bühne. Damals, als junge Witwe mit drei Kindern, habe sich das Schauspiel zur „Lebensrettung“ entwickelt, erzählte sie im Sommer 2014. Nach einem ihrer ersten Fernsehauftritte an der Seite von Manfred Krug startete sie mit Mitte 50 durch. Schon damals spielte sie die Oma. Später „bewarb ich mich bei einer Agentur“, erinnerte sich Delfs. „Ich musste denen ein Demoband schicken, und die sagten, die nehmen wir, so 'ne Alte haben wir noch nicht.“

 Auch wenn Delfs dann mit der Donna-Leon-Verfilmung bis Venedig kam, lag ihr immer die Heimatstadt am Herzen. Zwölf Jahre war sie Leiterin der örtlichen Tourismusorganisation, sie engagierte sich für eine Hilfsorganisation für junge Familien, und dann schrieb sie noch über die Sprache Petuh, deren Wurzeln im häufigen Nationalitätenwechsel im deutsch-dänischen Grenzland liegen. „Meine Großmutter hat vier Mal im Lauf ihres Lebens die Nationalität gewechselt. Zuhause sprach man plattdeutsch, deutsch, dänisch...“ Noch immer genießt die Schauspielerin das tägliche Bad in der Förde, die nur einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt ist. Neue Fernsehprojekte sind erst einmal nicht geplant - und der Geburtstag wird nur im Kreis der Familie gefeiert. Schließlich gab es zuletzt genug Rummel.

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