Hans-Christiansen-Haus : Schädling nagt am Flensburger Museumsberg

Rot-weißes Flatterband vor der Eingangsrampe:  Das  Hans-Christiansen-Haus bleibt wegen der Sturmfolgen bis Mitte nächster Woche geschlossen.
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Rot-weißes Flatterband vor der Eingangsrampe: Das Hans-Christiansen-Haus bleibt wegen der Sturmfolgen bis Mitte nächster Woche geschlossen.

Auch das noch: Erst setzt Orkan „Christian“ dem Hans-Christiansen-Haus stark zu. Und jetzt wird bekannt, dass ein Pilz im Dachgebälk nistet. Der Finanzausschuss bewilligt 600.000 Euro für die Sanierung.

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02. November 2013, 07:07 Uhr

Flensburg | Das Hans-Christiansen-Haus ist ein beklagenswerter Patient. Zunächst setzte Orkantief „Christian“ dem musealen Gebäude arg zu – und zwang es zur Schließung. Kräftige Windböen hatten serienweise Dachziegel abgerissen, Dachboden und „Pariser Zimmer“ standen binnen Minuten unter Wasser. Jetzt wurde auch noch bekannt, dass sich dort der Hausschwamm eingenistet hat.

Nicht erst seit gestern. Seit Jahrzehnten schon dürfte der zerstörerische Pilz im Dachstuhl sein Unwesen treiben. Eine Hiobsbotschaft für Direktor Michael Fuhr. Doch der nimmt es inzwischen relativ gelassen. „Es wäre ja nicht das erste Gebäude, das mit diesem Problem zu kämpfen hat.“

Bereits im Frühjahr hatte sich das Malheur offenbart, wurde seitdem jedoch nur intern kommuniziert. Heftige Regenfälle machten es seinerzeit erforderlich, dass das Dach geöffnet werden musste. Der Wassereinbruch brachte es an den Tag: Das Gebälk war befallen. Und da die Balken teilweise im Mauerwerk eingeschlossen sind, ist das Ausmaß des Schadens noch nicht endgültig abzusehen.

Fuhr lässt keinen Zweifel daran, dass der Aufwand, den Schädling auszutreiben, erheblich sein wird. „Es ist mit Sicherheit eine langwierige Angelegenheit.“ Die Beseitigung sei schon länger angedacht gewesen, allein es fehlte das Geld. Das hat sich seit Donnerstag geändert. Der Finanzausschuss bewilligte 600.000 Euro für die investive Sanierung des Museumsgebäudes, das erst jüngst mit einem Fahrstuhl ausgestattet worden ist.

Im Ausschuss ließ man sich darüber informieren, dass „Serpula lacrymans“ sich naturgemäß über Holzbauteile rasch ausbreitet und regelmäßig zu gravierenden Schädigungen führt. Um eine Ausbreitung des Schwamms in die unteren Geschosse zu verhindern und die bereits befallenen Bauteile schnellstmöglich entfernen und austauschen zu können, fiel die positive Entscheidung ohne lange Diskussion. Das bewilligte Geld wird ab 2014 zur Verfügung gestellt. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagte Fuhr. „Der derzeitige Zustand stellt ein Sicherheitsrisiko dar.“

Die Arbeiten im nächsten Jahr werden voraussichtlich nicht zur erneuten Schließung führen, da die unteren Räume nicht betroffen sind. Es wird allerdings erforderlich sein, das Bilderdepot unterm Dach komplett zu räumen und auszulagern. Doch zunächst steht die Restaurierung des Pariser Zimmers, dessen Fußboden aufgequollen ist, auf der Agenda. Das Dach ist seit Mittwochabend wieder geschlossen.

Ein großes Lob richtet der Museumsdirektor in diesem Zusammenhang an den Fachbereich Vermögen, der an einem Tag gleich zwei Dachdecker habe akquirieren können. Doch immer noch gibt es Probleme mit der Elektrik, die Brandschutzanlage läuft nicht zuverlässig. Und einige Ziegel haben sich in der Dachrinne verfangen. Um sie beseitigen zukönnen, muss ein Gerüst her. „So etwas“, hat Fuhr festgestellt, „ist momentan aber Mangelware.“ Er rechnet damit, dass das Museum Mitte der Woche wieder öffnen kann.

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