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Flugzeug nicht nach Flensburg : Schade! Die „Landshut“ kommt nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Enttäuschung im Rathaus: Die ehemalige Lufthansa-Maschine soll in Friedrichshafen ausgestellt werden.

Aus der Traum! Die „Landshut“, jenes geschichtsträchtige Flugzeug, das im Herbst 1977 für mehrere Tage die gesamte deutsche Öffentlichkeit in Atem hielt, kommt nicht nach Flensburg. Obwohl die Stadt ein deutliches Interesse bekundet und mit dem Luftfahrt-Enthusiasten Thomas Liebelt auch einen engagierten und vor allem finanzkräftigen Sponsor an seiner Seite hatte, zog sie gegenüber der Stadt Friedrichshafen am Bodensee mit dem dortigen Dornier-Museum den Kürzeren. „Sehr schade, aber überlebbar“, kommentierte Liebelt diese Entscheidung in einer Rundmail. „Gegen die Namen Friedrichshafen und Dornier kommen Flensburg und Liebelt nicht an.“

Als im Februar dieses Jahres das Schicksal der in Fortaleza/Brasilien vor sich hin rottenden „Landshut“ bekannt wurde, bot Thomas Liebelt sehr schnell an, auf dem Gelände des Flugplatzes Schäferhaus eine Art Ausstellungshalle zu bauen, in der das Flugzeug dauerhaft aufgestellt werden konnte; umfangreiche Informationen zu der dramatischen Entführung, der darauf folgenden Odyssee und der Befreiung durch die Sondereinheit GSG 9 sowie insgesamt zum Terrorismus und zum „Deutschen Herbst“ sollten dazu kommen und das Ganze zu einer neuen Attraktion für Flensburger und Besucher der Stadt werden lassen. Mit dieser Initiative hatte Liebelt auch sofort Oberbürgermeisterin Simone Lange an seiner Seite, die sich auf offiziellen Kanälen beim Auswärtigen Amt um eine Entscheidung für Flensburg bemühte – wie man heute weiß, leider vergeblich.

Lange erfuhr von der Entscheidung gegen Flensburg aus den Medien. Sie fragte sich, warum es nicht zu dem angekündigten Bewerbungsverfahren um die Stationierung gekommen ist; noch nicht einmal ein Interessenbekundungsverfahren oder eine Ausschreibung habe es gegeben. „Wir gehen bis heute davon aus, dass es ein Bundesmuseum wird“, so Lange.

„Das ist schon sehr, sehr schade“, fasste sie ihre Enttäuschung zusammen – und richtete ein großes Dankeschön an Thomas Liebelt für dessen „großartiges Engagement“. Gleichzeitig blickte sie nach vorn: „Wir bleiben dran – für den Fall, dass mal wieder was ist.“ Erst im Laufe des Tages erhielt sie am Telefon die Bestätigung des zuständigen Mitarbeiters des Auswärtigen Amtes, dass Flensburg „raus“ sei.

„Wir haben ganz tolle und gut durchdachte Vorschläge und Konzepte erhalten, auch aus Flensburg“, teilte auf Anfrage das Auswärtige Amt mit. „Das große Interesse hat uns sehr gefreut, denn die Landshut ist ja auch etwas ganz Besonderes. Deshalb verstehen wir auch die Enttäuschung, die jetzt vielleicht vorhanden ist.“

Thomas Liebelt hadert deutlich mit der Entscheidung Bodensee statt Flensburger Förde. „Für Orte wie Hamburg, Bonn, Berlin hätte ich mehr Verständnis gehabt, denn als einzig nachvollziehbares Argument für Friedrichshafen sehe ich die zu erwartende höhere Besucherzahl. Eine politische Erinnerungsstätte in einem Flugzeug- und Zeppelinmuseum als ein Ausstellungsstück unter mehreren zu präsentieren, halte ich der Bedeutung einer Gedenkstätte für nicht angemessen. Als Pilot würde ich sagen: Navigationsfehler.“

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erstellt am 28.Jul.2017 | 06:46 Uhr

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