Genossenschaften : SBV will Flüchtlingsdorf bauen

Campus im Grünen: Universität und Fachhochschule sowie die gemeinsamen Einrichtungen bilden ein lockeres Ensemble am Stadtrand, nicht weit vom Zentrum entfernt.
Campus im Grünen: Universität und Hochschule sowie die gemeinsamen Einrichtungen bilden ein lockeres Ensemble am Stadtrand, nicht weit vom Zentrum entfernt.

Vier Genossenschaften wollen dem Land bei der Erstaufnahme helfen. Im SBV haben bislang 40 Familien aus den aktuellen Flüchtlingsländern eine neue Heimat gefunden.

shz.de von
08. Mai 2015, 11:00 Uhr

Flensburg | Das Credo passt wieder in die Zeit. „Wir sind eine Flüchtlingsgenossenschaft“, sagt Raimund Dankowski auf der Bilanzpressekonferenz des Selbsthilfe-Bauvereins (SBV) Flensburg. Fast 66 Jahre nach dessen Gründung durch 36 Kriegsflüchtlinge ist dieses Genossenschaftsmodell so stark, dass der SBV-Vorstandsvorsitzende dem Land Schleswig-Holstein, namens des Flensburger Arbeiter-Bauvereins, der Gewoba Nord und der Woge Kiel anbietet, die für Flensburg geplante Erstaufnahme-Einrichtungen auf dem Campus zu bauen und zu betreiben. „Wir können das“, so Dankowski. „Wenn nicht wir, wer sonst?“

Das Selbstbewusstsein passt zu den – wieder einmal – guten Zahlen, die Dankowski gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Peer Oberg und Finanzvorstand Jürgen Möller gestern Abend der Vertreterversammlung präsentierte. Mit einem Bestand von aktuell 6927 Wohnungen ist der SBV der größte Akteur am Markt, und für Flensburger Verhältnisse mit einer Bilanzsumme von reichlich 270 Millionen Euro auch ein großer Flensburger Betrieb. Von diesem Betrieb gingen und gehen für die Flensburger Wirtschaft im abgelaufenen Jahr starke Impulse aus. Der SBV investierte im vergangenen Jahr 5,6 Millionen Euro in Neubauten und 5,2 Millionen Euro in die Bestandserhaltung. Für die nächsten fünf Jahre kündigte Dankowski weitere Investitionen mit einem Volumen von 130 Millionen Euro an. Ein Großteil geht in die Bestandspflege und in die energetische Sanierung. Hier sei seit 2009 eine erfreuliche Entwicklung zu beobachten. Beispielhaft nannte Dankowski die Gebäude Marienallee 46-52, bei denen der Gesamtenergieverbrauch um über 50 Prozent gesenkt werden konnte. Mit dieser Maßgabe hatte sich der Klimapakt-Partner SBV im vergangenen Jahr auch dem Hochhaus Travestraße 28 genährt. „Wir mussten feststellen, dass eine Sanierung weniger effektiv, aber fast so teuer wie Abriss und Neubau gewesen wäre“, meinte der SBV-Vorstand. Jetzt soll das im Zuge der Stadtteilsanierung Fruerlundholz zentrale achtstöckige Gebäude abgerissen und bis 2017 durch einen Neubau ersetzt werden. Den finanziellen Spielraum für Projekte wie diese verschafft sich der SBV durch die Spareinrichtung, die zur Freude des Vorstands seit ihrer Gründung 2011 eine ungebremst erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Mit einer Einlage von 5,4 Millionen Euro gestartet, liegen dort jetzt 70,8 Millionen Euro auf der hohen Kante. Bei vierprozentiger Verzinsung kann der SBV dieses Jahr 1,8 Millionen Euro an 6400 Sparverträge ausschütten.

Das Projekt Erstaufnahme-Einrichtung wird möglicherweise sehr schnell auf die Tagesordnung drängen, so Dankowski. Es gebe zuvor eine ganze Reihe planungs- und EU-rechtlicher Probleme zu klären, grundsätzlich aber seien die in Flensburg aktiven Genossenschaften dazu in der Lage. „Unsere Kraft reicht für so etwas.“ Auch in den anderen Standorten hätten die dort agierenden Genossenschaften ihre Bereitschaft signalisiert. Er sieht die im Markt erfahrenen genossenschaftlichen Akteure am ehesten in der Lage, die ehrgeizigen Vorgaben des Landes zu erfüllen. „Wir verfügen zudem über gute Voraussetzungen, die Menschen, die hier bleiben, auch zu integrieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende weiterhin. Im SBV haben laut Dankowski bislang 40 Familien aus den aktuellen Flüchtlingsländern eine neue Heimat gefunden.

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