Campus-Bad : Sauna-Frauen gehen auf die Barrikaden

101 Unterschriften: Gestern überreichte Akin Gülsen Stadtpräsident Dewanger die Liste mit ihren Forderungen; rechts Hella Gregersen Vorsitzende des Flensburger Frauenforums, die das Anliegen der Frauen unterstützt.  Foto: dommasch
101 Unterschriften: Gestern überreichte Akin Gülsen Stadtpräsident Dewanger die Liste mit ihren Forderungen; rechts Hella Gregersen Vorsitzende des Flensburger Frauenforums, die das Anliegen der Frauen unterstützt. Foto: dommasch

100 Frauen kämpfen um die Damen-Sauna auch im neuen Hallenbad. Der Stadtpräsident unterstützt ihr Anliegen. Abmachungen gibt es noch nicht.

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18. November 2009, 11:52 Uhr

flensburg | Sie ist klein, spricht leise und wirkt sympathisch bescheiden. Doch in ihren Forderungen ist sie unnachgiebig. "Für uns ist der Saunatag ein Stück Freiheit - das soll man uns nicht nehmen", sagt Akin Gülsen bestimmt. Sie ist eine von etwa 100 Frauen, die seit Jahren regelmäßig donnerstags die Sauna im städtischen Hallenbad nutzen. An diesen Tagen sind sie ganz unter sich. Männer müssen draußen bleiben. Mit der Fertigstellung des Campus-Bades im Frühjahr nächsten Jahres ist Schluss damit.

Doch so nahtlos, wie sich das die Sauna-Frauen vorstellen, wird der Übergang nicht funktionieren. Genauso wie die Sportschwimmer und die DLRG beklagen sie mangelnde Zeiten, die ihnen für die Nutzung eingeräumt werden. Badbetreiber Wolfgang Tober ließ sich lediglich dazu hinreißen, den Damen eine dreimonatige Testphase einzuräumen. Einmal im Monat wird die Sauna dann fest in Frauenhand sein. "Es muss sich aber rechnen", stellt Tober klar. Schließlich sei er ein wirtschaftlich denkender Mensch. Die Wellness-Oase sei überdies konzipiert als FKK-Bereich. "Und der sieht keine Geschlechtertrennung vor."
Sauna als eine Form der Integration

Die aber ist Akin Gülsen und ihren Mitstreiterinnen aus der Türkei, Griechenland, dem Iran und Irak, aus Polen oder Deutschland elementar wichtig. Viele meiden schon aufgrund ihrer Kultur und ihres Glaubens eine gemischte Sauna. Sie erleben ihre wöchentlichen Sauna-Freuden auch als eine Form der Integration. Das Argument, man könne schon von der Architektur her keine räumliche Abtrennung vornehmen, zieht nicht, findet Akin Gülsen. "Warum", wundert sie sich, "klärt man solche Fragen nicht vor Baubeginn?" Sie verweist zudem auf den Kostenfaktor. Zahlen die Frauen bislang für Sauna und Schwimmen zusammen nur fünf Euro, so könnte sich der Betrag allein für die Sauna im neuen Bad verdreifachen. "Das kann sich keiner von uns leisten", sagt die 47-Jährige, die partout auf einer wöchentlichen Nutzung besteht. "Notfalls würden wir dafür auch auf die Straße gehen", sagt sie resolut.

"Gut so - dann marschiere ich mit", sagte Stadtpräsident Christian Dewanger, als ihm gestern eine Liste mit 101 Unterschriften vorgelegt wurde. Das Anliegen, versicherte Dewanger, unterstütze er von ganzem Herzen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass die Tober-Pläne dem Integrationsgedanken, den die Stadt verfolge, völlig widerspreche und dass die Politik in mehreren Punkten mit den Angeboten des Badbetreibers nicht zufrieden sei. "Im Beirat wird hart gerungen", sagte Dewanger. Er versprach, die Unterschriftenliste an die Fraktionen zu übergeben und "auf diese einzuwirken".

Warum man die Testphase außerhalb der Wintersaison stattfinden lässt, in der naturgemäß nicht so fleißig sauniert wird, bleibt Tobers Geheimnis. "Ich mach mir da nicht so große Gedanken", sprach der Bauherr. Oh, oh! So dürfte der Zorn der Frauen ihm noch lange ein treuer Begleiter sein.

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