Flensburger Werft : Sardinien sagt „Grazie FSG!“

In ihrem Element! Die „Alf Pollak“ gleitet nach der Taufe in die Förde. Links die „W.B Yeats“, die im Juni an Irish Ferries ausgeliefert werden soll.
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In ihrem Element! Die „Alf Pollak“ gleitet nach der Taufe in die Förde. Links die „W.B Yeats“, die im Juni an Irish Ferries ausgeliefert werden soll.

Taufe und Stapellauf für die „Alf Pollak“ / Schwesterschiff des RoRo wird der nächste Neubau auf der Flensburger Werft

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04. Mai 2018, 06:00 Uhr

Ein Stapellauf, zwei neue Aufträge – der Mai 2018 zeigte sich für die Flensburger Schiffbaugesellschaft früh als wahrer Wonnemonat. Gestern glitt – schlicht und edel in Schneeweiß auf Kirschrot – die „Alf Pollak“ in ihr Element. Der 210 Meter lange Neubau für die italienische Reederei Onorato Armatori (Mailand) trägt am Heck den Ausweis neuen Flensburger Selbstbewusstseins: „Made by FSG“ heißt das Qualitätslabel.

Verstecken braucht sich die Werft nicht – beziehungsweise nicht mehr. „Vor zwei Jahren war diese Halle leer“, erinnerte Geschäftsführer Rüdiger Fuchs an die dunklen Tage, als das Flensburger Traditionsunternehmen kurz vor dem Aus stand. Jetzt – nach zwei Jahren harter und schmerzhafter Umstrukturierung – steht das Unternehmen wieder gut da. Sieben Neubauten mit einem Bauvolumen von einer Milliarde Euro stehen im Auftragsbuch, das bedeutet Auslastung bis 2021. Dabei haben sich die Schwerpunkte im Flensburger Schiffbau grundlegend verschoben. Nach dem wirtschaftlichen Schiffbruch mit dem Bau von komplexen Spezialschiffen 2013/2014 hatte die FSG unter der Regie des neuen Eigentümers Siem Industries wieder auf ihr Kerngeschäft – Bau innovativer RoRo-Fähren – gesetzt, sich dazu aber mit dem Bau von Fährschiffen ein Marktsegment erschlossen, dass mittlerweile den größeren Teil des Umsatzes bringt. „Die Fähren sind unser Standbein geworden und die RoRo-Schiffe das Spielbein.“

Die „Alf Pollak“ ist ein reinblütiges RoRo-Schiff, das im Linienverkehr zwischen Sardinien und Sizilien eingesetzt werden wird. Zur Schiffstaufe war eine große familiär geprägte Delegation um Reedereichef Vincenzo Onorato nach Flensburg gekommen – darunter die Witwe des deutschen Firmengründers, die das neue Schiff auf dessen Namen taufte: Alf Pollak. Zuvor hatte ein sichtlich gerührter Vincenzo Onorato der gesamten Belegschaft ein schlichtes „Grazie!“ zugerufen. Auch die FSG hat zu danken. Denn heute schon wird ebenfalls für die Reederei vom Tyrrhenischen Meer das Schwesterschiff der „Alf Pollak“ auf Kiel gelegt.

Kurz vor dem Stapellauf hatte die FSG über einen neuen millionenschweren Auftrag informiert. Die australische TT-Line aus Devonport/Tasmanien will in Flensburg zwei moderne Passagierfähren mit modernster umweltfreundlicher Antriebstechnik bauen lassen. „Zwei komplette Fährschiffe – einen größeren Auftrag hatten wir noch nicht“, freute sich Fuchs. Die beiden 212 Meter langen RoPax für 438 Millionen Euro sind für den Transport von 1800 Passagieren und bis zu 600 Personenwagen ausgelegt und sollen ab 2021 in der rauen Bass-Strait das australische Festland mit der Insel Tasmanien verbinden. Als Antrieb hat der umweltbewusste Kunde LNG, verflüssigtes Erdgas, gewählt. Die beiden Neubauten werden zwei jetzt 20 Jahre alte konventionell angetriebene Schiffe ersetzen, die unter dem Namen „Spirit of Tasmania“ zwischen Devonport und Melbourne pendeln.

Gut möglich, dass sich TT-Lines von einem Schiff seines Mitbewerbers inspirieren ließ: einen Straßenzug weiter in Devonport unterhält dieReederei Sea-Road eine Niederlassung. Für sie fährt auf der gleichen Linie die RoRo-Fähre Sea Road Mersey II – 2015 in Flensburg gebaut, 2016 in Australien als „Ship of the Year“ ausgezeichnet, der ganze Stolz der Flotte. „Sie hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, lobte anlässlich des einjährigen Jubiläums Searoad-Geschäftsführer Chas Kelly die Flensburgerin. Was ihre Erbauer besonders interessieren dürfte: Die hervorragenden Erfahrungen mit dem FSG-Produkt haben laut Kelly Pläne der Reederei beschleunigt, in drei Jahren ein weiteres RoRo-Schiff für die Linie Melbourne-Devonport anzuschaffen.

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