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Rockmusiker aus Schleswig-Holstein : „Santiano“: Eine Erfolgsgeschichte made in Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit Seemanns-Pop aus Flensburg stürmten sie an die Spitze der Hitliste: Wie wurde die Band „Santiano“ so erfolgreich?

shz.de von
erstellt am 01.Jan.2016 | 19:12 Uhr

Flensburg | Der Ruhm ist ihnen nicht zu Kopfe gestiegen, denn sie wissen, dass er ganz schnell wieder vorbei sein kann. Doch noch kosten sie ihn aus, auch wenn er harte Arbeit bedeutet. Im Frühjahr 2012 rollte eine Welle kraftvoller maritimer Popsongs über Deutschland und spülte ihre Schöpfer nicht nur an die Spitze der Albumcharts, sondern auch in TV-Shows und populäre Talkrunden. „Santiano“ wurde zu einer Erfolgsgeschichte made in Flensburg, wie sie in diesem Ausmaß wohl niemand erwartet hatte.

Das Seemannsgarn der Entstehungsgeschichte soll hier nicht weiter gesponnen werden. Klar ist ist jedoch, dass der Erfolg dieser Band gestandener Rockmusiker aus dem Norden Schleswig-Holsteins nicht von ungefähr kam. Die Idee wurde in der Hitschmiede des Produzententeams Hartmut Krech und Mark Nissen (Elephant Music) ausgebrütet; die beiden, die zuvor schon Erfolge mit nicht unbedingt anspruchsvoller, aber stets chartstauglicher Musik hatten, stehen für den unverwechselbaren Sound von Santiano.

Die Mischung aus gut abgehangener Seefahrer-Romantik, aufgerocktem Irish-Folk, unwiderstehlichen Melodien und einem sehr guten Marketing sorgte im Frühjahr 2012 für den so wichtigen Rückenwind nach dem Stapellauf Anfang Februar.

Der Erfolg kam dann aber doch wie ein Orkan. Das Debüt-Album „Bis ans Ende der Welt“ segelte in Windeseile an die Spitze der Charts und erlangte schnell Gold- und Platinstatus. Auftritte zur Prime Time im Fernsehen, unter anderem bei der Volksmusik-Queen Carmen Nebel, ließen in der Heimat vielleicht manchen die Nase rümpfen, verbreiteten aber den noch jungen Ruhm der Oldboygroup auch in küstenfernen Regionen der Republik.

Die fünf Nordlichter mussten sich kein Image geben, sie konnten so bleiben, wie sie sind. Das kam nicht nur bei Bettina Tietjen gut an, sondern auch bei Helene Fischer, in deren Vorprogramm sie auftraten. So war es letztlich keine Überraschung, dass Santiano bei der Echo-Verleihung 2013 in der Kategorie Volksmusik nominiert wurden – und gewannen, wie auch ein Jahr später.

Natürlich ist Santiano nichts für musikalische Feingeister. Über die Aussagekraft der Texte lässt sich ebenso streiten wie über die stark auf Effekte und Emotionen setzende Musik. Doch schreibt ein Kritiker mal einen Verriss wie jüngst im Nordbayerischen Kurier, nachdem Santiano vor 3000 begeisterten Fans in der Opernstadt Bayreuth gespielt hatten, hagelt es hinterher bitterböse Kommentare in Richtung Kritiker.

Der Erfolg des Quintetts lässt sich ein Stück weit mit dem arg strapazierten Wort „authentisch“ erklären. Zunächst einmal sind alle Bandmitglieder echte Musiker. Geiger Pete Sage, der Engländer an Bord, kommt aus der Folkmusik und hat unter anderem bei Mike Oldfield und Achim Reichel gespielt. Ein Vollprofi. Andreas Fahnert war jahrelang Leadsänger der sehr erfolgreichen Regionalband „Rockwork“ und wechselte später ins Produzentenfach. Timm Hinrichsen kommt aus der Schleswiger Ecke und hatte mehrere Bands, die meisten davon mit plattdeutschen Texten (Timmsen un sien Lüüd).

Björn Both war viele Jahre lang die Seele der nordfriesischen Band „Late September Dogs“ und pflegt neben Santiano eine zweite musikalische Existenz als Sangit. Axel Stosberg war in erster Linie Schauspieler, hatte vor Santiano ein Engagement am Ohnsorg-Theater, doch hat immer auch Musik gemacht, zum Beispiel bei der legendären „Brecht-Weill-Revue“ des Orpheus-Theaters und bei der Band „Nighthawks at the Diner“.

Von Wacken bis Carmen Nebel – diesen Spagat schafften die fünf Musiker von Beginn an. In den Talkshows reden sie, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, geben sich geerdet und können mit ihrer Lebenserfahrung die Bedeutung ihres plötzlichen Ruhms sehr wohl einordnen und auch relativieren. Ganz nebenbei wurden sie zu hervorragenden Botschaftern der Fördestadt, auch wenn letztlich nur zwei der fünf Musiker richtige Flensburger sind. Entscheidend bleibt, dass die Geburtsstunde der Band hier in Flensburg schlug und der typische Santiano-Sound in einem unscheinbaren 60er-Jahre-Bungalow zwischen Hafen und Volkspark kreiert wurde.

 

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