Sail 2016: Drei Tage maritimer Trubel

„De Treeneshipper” brachten den „Hamborger Veermaster” nach Flensburg.
„De Treeneshipper” brachten den „Hamborger Veermaster” nach Flensburg.

Bürgerfest lockte Tausende auf die Festmeile am Hafen / Kulturoasen, Riesenrad, Regatta, viel Musik und ein gelungener Weltrekordversuch

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11. Juli 2016, 08:37 Uhr

Wo segeln sie denn? Wo segeln sie denn hin? Nachdem die Auslaufparade der Schiffe bei der „Sail 2016“ am Freitag buchstäblich ins Wasser gefallen war und Schaulustige am Nordertorkai vergeblich gewartet hatten, vermissten viele Sehleute am Sonnabend die Traditionsschiffe am Flensburger Hafen. Des Rätsels Lösung: Elf Traditionsschiffe und Jollen waren um 11 Uhr vor den Ochseninseln zur Regatta gestartet, Kurs Richtung Tonne 12 vor Holnis.

Doch es gab Alternativen. Die Agentur „Volldampf“ hatte sich als Veranstalter nach Kräften bemüht, das vorgegebene Motto „Wasser, Sport, Kultur von allen für alle“ mit Leben zu füllen. „Das ist uns hervorragend gelungen. Es war ein Fest der Bürger – farbig und friedlich“, betonte Michael Reinhardt, als er gestern an Bord der „Providentia“ Bilanz zog. „Ein Amphitheater mit Aktionen und Attraktionen.“ Seine Kollegin Christiane Dingler hob besonders die Teilnahme und das Engagement des international anerkannten Delfinschützers Ric O’Barry hervor, dessen Filmvorführung mit anschließender Diskussion im Schifffahrtsmuseum großen Anklang fand. Der 76-Jährige schaffte es tatsächlich, bei einem Weltrekordversuch die Förde auf einer Kette schwankender Boads zu überqueren – zweifellos ein Höhepunkt der drei Tage (Bericht Seite 11).

Weiteres Highlight war das Musikprogramm. Der Flensburger Musiker-Stammtisch hatte alle Hände voll damit zu tun, drei Bühnen mit Bands aus der lokalen Szene zu besetzen. Das Ergebnis erwies sich als erfrischend vielfältig. Ob Neue Deutsche Welle, Blues oder Rock-Klassiker: Von der deutlich gereiften sh:z-Band „Engines“ bis hin zur „Rob Show“ bewiesen die Organisatoren ein glückliches Händchen. Besonders Robbie Williams alias Michael Nitschke mit seiner professionell aufspielenden Tribute Band plus so charmanter wie beweglicher Tänzerinnen brachte das Publikum zum Toben. „Die Region schafft es mühelos, mit qualitativer Güte 2500 Gäste an einem Platz zu vereinen“, zeigte sich auch Michael Reinhardt beeindruckt.

Befremdlich wirkte für einige Besucher der Auftritt der Bundeswehr in diesem maritimen Ambiente. Nicht unbedingt wegen der Nachwuchswerbung, sondern durch die Zurschaustellung etwa des Führungsfahrzeugs „Eagle V“ (vor dem das eine oder andere Selfie entstand), von Raketenwerfern oder Bergepanzern. Dafür wurde der kostenlose Shuttleboot-Service der Marine von West nach Ost dankbar in Anspruch genommen.

Damit zurück zum Wasser. Als ältestes und zugleich ältestes Boot in der Jollenklasse gewann der Marinekutter „Godereis“ die Regatta, bei den Kielbooten siegte die 45 Jahre alte „Ghost“ , im Bereich der Traditionsschiffe überquerte Roland Austs „Pirola“ als erstes die Ziellinie.

Ein ökumenischer Gottesdienst, Lesen und Philosophieren auf der „Gesine“ sowie das Schülersegeln bildeten gestern den Abschluss dreier toller Tage. So fällt auch das Fazit von Michael Reinhardt aus: „Unser Konzept ist aufgegangen.“

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