zur Navigation springen

Museumsverbund Nordfriesland : Rungholt-Sage: Wie der Schädel eines Rungholters im 3-D-Drucker entsteht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1362 wurde die Stadt Rungholt zerstört. Über ihre Bewohner ist nicht viel bekannt - doch das soll sich ändern.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Die Stadt Rungholt, 1362 von der großen Sturmflut („Große Mandränke“) zerstört, fasziniert Menschen und Forscher gleichermaßen. Über die damalige Handelsstadt und ihre Bewohner ist aber nicht viel bekannt. Der Museumsverbund Nordfriesland widmet der sagenumwobenen Stadt ab Ende Mai eine Ausstellung, um die bisherigen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei soll ein Einwohner Rungholts ein Gesicht bekommen.

Rungholt war eine Stadt der ehemaligen Insel Strand vor der nordfriesischen Festlandsküste. Viele Legenden ranken sich um die versunkene Stadt - auch die, dass bei ruhigem Wetter seine  Glocken unter der Wasseroberfläche zu hören seien.

Um dies möglich zu machen, hat Cord Johannsen, Labortechniker für Fahrzeugtechnik/Metalltechnik im Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (Biat) der Europa-Universität Flensburg, den Original-Schädel mit einem 3-D-Drucker rekonstruiert. Dieser stammt aus dem ehemaligen Rungholt-Gebiet in Nordfriesland. Es ist der erste Schritt zur Entstehung eines „Fleischmodells“.

Über den Rungholter weiß man Johannsen zufolge nicht viel: „Er war zwischen 30 und 35 Jahre alt und hat gehungert.“ Das habe eine DNA-Analyse ergeben, als der Schädel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel untersucht wurde. Johannsen hat drei Tage lang an dem dreidimensionalen Modell gearbeitet. Dafür waren mehrere Arbeitsschritte nötig. Zuerst musste der originale archäologische Fund mit einer Kamera und einem Projektor gescannt werden. Auf einer schwarzen Unterlage mit weißen Orientierungspunkten für die Kamera, die einem flachen Zylinder-Hut gleicht, liegt der Schädel und wird mit einem blauen Gittermuster angestrahlt. „Die Kamera erfasst so die Krümmung des Schädels“, erklärt Johannsen. Insgesamt fünf Scans hat der Labortechniker gemacht, die er mittels seines Computers zu einem Bild zusammenfügt. Dies ist die Grundlage für den Druck.

Innerhalb von 45 Stunden entstand im Labor des Biats ein blauer Schädel aus Kunststoff. Kopfüber wurde er gedruckt, beginnend mit der Schädeldecke. Schicht für Schicht trägt der Druckkopf präzise das Pulvermaterial auf, bis der komplette Schädel fertig ist. Schwarzes Stützmaterial verhindert, dass er zusammenbricht. Sobald das Werk aus dem Drucker kommt, wird das schwarze Material „abgewaschen“, wie es im Fachjargon heißt. „Das Abwaschen dauert fast so lange wie der Druck“, stellt Johannsen den Arbeitsaufwand dar. Ist er sauber, treten der Original-Schädel und dessen Rekonstruktion die Reise nach Nordfriesland an, wo sie bald ausgestellt werden.

Der 3-D-Drucker wird sonst aber nicht für Aufträge, sondern ausschließlich von den Studierenden des Biats benutzt, die angehende Berufsschullehrer sind. Vor sieben Jahren hat die Universität das Gerät angeschafft. „Das war damals sehr teuer“, sagt Reiner Schlausch, Professor am Biat in der Fachrichtung Metalltechnik. Seine Studierenden arbeiten an verschiedenen Projekten mit dem Drucker. Sie stellen verschiedene Ersatzteile her, zum Beispiel einen Windmesser für das Physikinstitut. Oder Teile für Fahrräder oder Autos. Aber auch ihren eigenen Kopf haben die Studierenden gescannt und anschließend im blauen oder gelben Miniformat gedruckt.

Schlausch bedauert, dass nur wenige junge Leute diesen Berufsweg wählen. „Im technischen Bereich gibt es einen Mangel an Lehrkräften, denn viele Ingenieure kommen nicht auf die Idee, an eine Berufsschule zu gehen“, sagt er. 20 Studierende werden in den Fachrichtungen Metalltechnik, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik und Informationstechnik ausgebildet – zu wenige, findet Schlausch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen