Feuerwehrwache : Rundgang im „Gruselkabinett“

Rückwärts Einparken für Spezialisten: Feuerwehr-Chef Carsten Herzog mit CDU-Politikern Karsten Sörensen, Jan to Baben und Arne Rüstemeier (v.l.).
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Rückwärts Einparken für Spezialisten: Feuerwehr-Chef Carsten Herzog mit CDU-Politikern Karsten Sörensen, Jan to Baben und Arne Rüstemeier (v.l.).

Vor der Neubau-Abstimmung im Rat: CDU-Fraktion informierte sich vor Ort über die Zustände in der alten Feuerwehrwache.

shz.de von
05. Mai 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Am Mittwoch, 16 Uhr, haben zumindest die Mitglieder im Ausschuss Bürgerservice, Schutz und Ordnung die Gelegenheit, einen Notfall in Augenschein zu nehmen, der Flensburgs Berufsfeuerwehr schon seit Jahren zusetzt: Die mittlerweile viel zu kleine und auch in der Bausubstanz abbauende Feuerwache. In deren Sitzungsraum soll der Ausschuss über den Bau einer neuen Wache auf dem Gelände des Hallenbades beschließen, ehe tags darauf die Ratsversammlung das letzte Wort über das mit 13 Millionen Euro angesetzte Projekt hat. Vorab machten sich Mitglieder der CDU-Fraktion schon mal vor Ort schlau. Mit dem zu erwartenden Ergebnis: „Ein Gruselkabinett“, befand Karsten Sörensen, Bürgerschaftliches Mitglied der Fraktion.

Während einer Begehung der Wache führte Feuerwehr-Chef Carsten Herzog persönlich zu den hausgemachten Brennpunkten. Die 1954 als landesweites Vorzeigeprojekt in Betrieb genommene Wache wurde inzwischen von der Zeit überholt. Alles funktioniert noch irgendwie, aber nichts funktioniert richtig. Flensburgs professionelle Lebensretter und Brandschützer kämpfen zunehmend mit den Tücken des Objekts an der Munketoft. In einem 40-seitigen Katalog hatte Herzog eine Mängelliste zusammengestellt, die schiefe Stiegen, undichte Dächer, vor allem aber mangelhafte Platzverhältnisse für die Gewährleistung eines reibungslosen Betriebes auflistet.

Die Einsatzfahrzeuge, so Herzog in seinem Bericht an die Politik, sind größer und komplexer geworden. Zur Versorgung, Reinigung und Wartung stehen in der Halle nur winzige Laufwege zur Verfügung. Beim Ein- und Aussteigen ist äußerste Vorsicht geboten, um nicht die Außenspiegel zu beschädigen, unter einem Schleppdach im Freien geparkte Neufahrzeuge bekommen schon erste Rostprobleme, bei anderen muss im Winter Eis gekratzt werden, bevor sie einsatzklar sind, der Arbeitsschutz ist nur mit zwei zugekniffenen Augen zu tolerieren, wie Karsten Sörensen nach der Begehung sagte. Bislang sei es glücklicherweise zu nur einem Arbeitsunfall gekommen, als ein Mitarbeiter die schiefe Treppe heruntergefallen war.

Hinzu kommen Probleme mit der Materialversorgung im Keller des still gelegten Hallenbades. Hier werden teure und empfindliche Einsatzmittel untergebracht – unter ärmlichen Bedingungen. Zuerst war die Feuerwehr von der Stromversorgung abgeschnitten, musste sich mit Verlängerungskabeln behelfen. Weil die Heizung nicht funktioniert, müssen Radiatoren die Wärmeversorgung übernehmen. So soll das nicht bleiben – sagte die Politik einmütig schon im April, als das Thema im Planungsausschuss auftauchte. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass der Antrag, den Bau einer neuen Wache in Angriff zu nehmen, am Mittwoch und Donnerstag keine Mehrheit finden wird. Auf dem Hallenbadgelände soll nicht nur eine funktionale Zentralwache der Berufsfeuerwehr entstehen – dort soll auch die Freiwillige Feuerwehr Jürgensby mit einziehen, die ebenfalls unter der Unterbringung in desolaten Gebäuden leidet.

Am Ende muss die Stadt noch froh sein, dass sie das Hallenbad-Grundstück nicht meistbietend an den Mann gebracht hat. An diesem Standort waren schon großflächiger Einzelhandel und ein sehr großes Ärztezentrum im Gespräch. Pläne, die zum Leidwesen des Stadtkämmerers scheiterten. Zuletzt 2011, als der Rat den Verkauf für ein Ärztezentrum durchkreuzte. Statt aus dem Tafelsilberverkauf ein paar hunderttausend Euro einzunehmen, muss Bürgermeister Henning Brüggemann jetzt Millionen organisieren, um eine Feuerwache zu bauen. Kleiner Trost: Wäre das Gelände verkauft worden, hätte die Stadt zwei dezentrale Wachen planen müssen. Das wäre noch teurer geworden.

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