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An der Grenze : Ruhestätte für schwach belastete Böden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Bodendeponie an der Ecke Ochsenweg und Harrisleer Umgehungsstraße nimmt Anfang Juni ihren Betrieb auf.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 18:04 Uhr

Harrislee | Die Abfallreste neben historischen Siedlungen sind für Archäologen heute eine exzellente Fundstätte mit Informationen über die kulturprägende Lebensweise unserer Vorfahren: Sie geben Aufschluss über Nahrungsmittel, Haushaltsgegenstände, Werkzeuge und vieles mehr. Diese Methodik dürfte es in Zukunft wesentlich schwerer haben – unsere Abfälle werden nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern systematisch bewirtschaftet und recycelt, der gesamte Prozess zudem stark kontrolliert.

Unter diesen Rahmenbedingungen entsteht derzeit eine neue Bodendeponie am Rande Harrislees: Der riesige Krater liegt an der Ecke Ochsenweg und Harrisleer Umgehungsstraße. Früher lieferte das Areal aufgrund seiner hochwertigen Tonvorkommen das Ausgangsmaterial für viele Egernsunder Ziegel; bis vor einigen Jahren diente es als Reservelager der Flensburger Stadtwerke, die hier Kohle für Krisenzeiten vorrätig zu halten hatten. Zukünftig werden hier schwach belastete Böden (ohne Asbest) aus den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg sowie der Stadt Flensburg ihre vermutlich letzte Ruhestätte finden.

Um dies zukunftssicher zu gestalten, ist ein erheblicher Aufwand erforderlich. Betreiber der Deponie ist der regionale Entsorgungsfachbetrieb Balzersen, dessen Hauptsitz am Anfang der Betonstraße liegt. „Wir bauen hier eine Deponie der Klasse Null, kurz DK Null genannt“, sagt Deponieleiter Holger Bratz. Aber wie kann eine Deponie gebaut werden? „Für eine fachgerechte Lagerung geht es um die Absicherung nach ‚unten’ sowie um eine abschließende Abdeckung, wie sie genau vorgeschrieben sind“, erläutert der Bau-Ingenieur. Basis sind zwei Lagen stark verdichteten Tons von je 25 Zentimeter Dicke, darauf kommt ein verrottungssicheres Schutzvlies aus Polyethylen; gefolgt von einer 30 Zentimeter starken Lage von Zwei-Achter Kieselsteinen zur Drainage. Entsprechende Rohre mit 30 Zentimeter Durchmesser drainieren anfallendes Wasser, das in Pumpenspeichern gesammelt und in ein separates Sammelbecken geleitet wird. Ergibt eine chemische Analyse, dass es unbelastet ist, kann es via Vorfluter in Abwasserleitungen oder Bäche entsorgt werden. Sind bedenkliche Stoffe enthalten, wird es aufwändig per Tankwagen zur Pumpstation Galwik gefahren, damit es in der Flensburger Kläranlage nachgeklärt werden kann. Auf die Drainageschicht kommt schließlich das belastete Bodenmaterial.

Und was hat sich der Laie darunter vorzustellen? „Das können vorgenutzte Bau- oder sonstige Materialien sein, beispielsweise aus der Angelburger Straße mit seinen Röstereien, Wäschereien oder anderen Betrieben. Wurde dort damals etwas abgerissen oder weggeschmissen, wurde es einfach verbuddelt“, erklärt Holger Bratz. Ergäben Bodenanalysen heute etwa erhöhte Kupferwerte, gelte der Boden als belastet und gehöre auf die neue Deponie. Das beträfe auch alte ‚Auffüllungen’ im Bereich der früheren Stadtwerke, früher der Südermarkt-Passage oder von alten Tankstellen oder aus dem Hafenbereich. Solche Materialien dürften nicht in eine Bauschuttdeponie gebracht werden, gehörten jedoch auch nicht auf eine für Sondermüll, weil sie eben nur schwach belastet seien.

Die neue Bodendeponie am Ochsenweg ist auf eine Betriebsdauer von 30 Jahren ausgelegt. „Im ersten Bauabschnitt erreichen wir eine Kapazität von etwa 450  000 Tonnen; am Ende werden etwa eine Million Tonnen auf vier Hektar gelagert werden“, erläutert Balzersen-Geschäftsführer Jörn Lassen. Sein Unternehmen müsse außerdem die Nachsorge für weitere drei Jahrzehnte sicherstellen. Ist die Deponie einmal gefüllt, kommt übrigens eine ‚Abdeckelung’ darauf, die als begrünter Hügel die Landschaft mitgestaltet. Damit dies auch garantiert geleistet wird, müssen Entsorgungsfachbetriebe wie Balzersen jeweils eine hohe Kaution in Form einer Bankbürgschaft hinterlegen. „Insgesamt werden wir in diese Deponie rund zwei Millionen Euro investieren“, sagt Jörn Lassen. Das Areal wird mit einem Knick eingezäunt, zudem werden etwa 100 Meter Teerstraße auf dem Gelände angelegt werden, damit kein Schmutz auf die umgebenden Straßen gelangt. Der Ochsenweg erhält außerdem eine separate Abbiegespur, damit der zu erwartende Lastverkehr den Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt. Das gesamte Zulassungsprocedere haben die Gemeinde Harrislee, Kreis, Land und auch die dänische Kommune Apenrade offen und konstruktiv miteinander gestaltet. Die neue Bodendeponie wird Anfang Juni eröffnet.



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