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Weibliche Kommunalpolitik : Rüstzeug für Politikerinnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum vierten Mal richtet sich eine vierteilige Seminarreihe an politisch interessierte Frauen

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2016 | 09:11 Uhr

Julia Döring ist eine Ratsfrau aus dem Bilderbuch. Aus ihrer Heimat Minsk hat sie einen Abschluss in Jura und einen in Mathematik und angewandter Informatik, sie ist wortgewandt, leitet an der Hochschule Flensburg das Campusmanagementsystem. Und sie hat zwei Kinder. Die 42-Jährige hat sich zunächst beim Runden Tisch für Integration engagiert, gehört auf den Tag genau seit einem Jahr der Flensburger Ratsversammlung an. Mit dem Schwung einer Seminarreihe für politisch interessierte Einsteigerinnen ist sie in der Kommunalpolitik angekommen. Das war 2013. „Ich durfte als Parteilose gleich bei den Grünen mitwirken“, erinnert sie sich und, dass sie mit Programminhalten befasst war. Aktuell ist Julia Döring stellvertretendes oder ordentliches Mitglied mehrerer Ausschüsse und stellvertretende Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses.

Sieben Frauen zählt Verena Balve, die in Folge des Seminarangebots tatsächlich in die Kommunalpolitik kamen. Nach 2007, 2008 und 2013 wird die Reihe zum vierten Mal aufgelegt. Eingebettet in eine landesweite Kampagne richte sich der Blick nicht auf das nächste Wahl-Jahr, sondern auf 2018, wenn Kommunalwahlen bevorstehen. „Da haben wir Einflussmöglichkeiten“, sagt Balve. Seit 20 Jahren betrage der Anteil an Frauen in der ersten Reihe im Rat rund 30 Prozent; der Schnitt in Verwaltungsräten und Gesellschafterversammlungen übertreffe dies sogar mit 38 Prozent. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt führt das auch auf den Flensburger Kodex (Leitlinien guter Unternehmensführung von 2014) zurück. Männer in politischen Ämtern, beobachtet Balve, seien zumeist „mutiger und überzeugter davon, dass sie das gut machen“. Frauen hingegen wollen vorbereitet sein und sich informieren, bevor sie ein Mandat übernehmen. Das Seminar reagiert darauf.

Karin Obermark-Stell wird zwei Module leiten, die sich kommunikativer Kompetenz widmen. Adressat eines Kommunalpolitikers mit seinem Auftreten, seiner Körpersprache sei vor allem die Bevölkerung, erklärt die Dozentin für Personalentwicklung und Gesundheitsmanagement und erkennt hier ein gesamtgesellschaftliches Problem angesichts politikverdrossener Menschen. Sie fragt deshalb: „Wie kommen wir wieder an die Menschen heran“, damit sie nicht den Eindruck haben, nur Floskeln zu hören. Obermark-Stell vermittelt Rüstzeug dafür.

Genau wie Ellen Eichmeier, die die Rechtsabteilung der Stadt Flensburg leitet. Das Werkzeug, das sie an die Hand gibt, helfe auch im täglichen Miteinander. Sie wird rechtliche Grundlagen mittels Beispielen erläutern. Wenn sie sich ansehe, was eine Ratsversammlung entscheiden kann, sei das spannend und lebhaft.

„Es ist ganz wichtig, dass ihr so etwas anbietet“, lobt Meike Bruhns, die seit 1998 in der Politik aktiv ist. Seinerzeit habe es keine Einführung für Neue gegeben. „Wir hatten von nichts eine Ahnung“, erinnert sich die Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses, man lernte ’by doing’.

Julia Döring hat die Module, als sie 2013 teilnahm, als „hilfreich und unterhaltsam“ empfunden. Die Frauen hätten einander motiviert. In einem Planspiel habe man sich zum Beispiel in Fraktionen aufgeteilt und über einen (fiktiven) Hotelneubau am Hafen debattiert. Sie habe Sicherheit und Informationen darüber bekommen, wie Kommunalpolitik als Ganzes funktioniere, sagt Julia Döring. Eine wichtige Erkenntnis, die sie gewonnen habe, sei: „Frauen können das wuppen.“

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