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Entsetzen in Flensburg : Rottweiler beißt zahmes Lamm tot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf einem Spielplatz auf dem Sandberg in Flensburg greift ein Rottweiler ein Lämmchen unvermittelt an – und beißt es in den Kopf. Der Halter ist noch nicht ermittelt, der Hund läuft frei herum. In Langballig kommt es zu einem ähnlichen Fall.

Flensburg | Es ist eine Geschichte, die vielen Menschen Tränen in die Augen treibt. Ein kleines, schwarzes Lämmchen wird nach der Geburt auf einer Weide bei Ladelund von seiner Mutter verstoßen. Zwei Flensburger päppeln das Tier unter großer Anteilnahme auf. Vier Wochen später lebt der Liebling der Kinder nicht mehr – ein Rottweiler tötet es mit einem einzigen Biss in den Kopf.

Lara Ingwersen steht die Trauer immer noch ins Gesicht geschrieben. Zusammen mit Kai Müller hat sie sich des Lamms am 29. März angenommen, nachdem das Muttertier nur einen ihrer Zwillinge akzeptiert hatte. „Bevor es stirbt, nehme ich es mit“, sagte sie sich, besorgte Biestmilch für die Erstversorgung, dazu ein Babyfläschchen. Der Sandberg wurde zur neuen Heimat von Pontus, wie es nach dem Bilderbuch „Die Kinder von Bullerbü“ getauft wurde. Auch bei Astrid Lindgren erobert ein Flaschenlamm die Herzen der Kleinen im Sturm.

In Flensburg ist das nicht anders. Rund um die Kanzleistraße und den Jungfernstieg ist Pontus der Star. Die Zieheltern sind umgehend als Mamas identifiziert, das Lamm folgt ihnen auf Schritt und Tritt, streicht ständig um deren Beine herum, stupst sie mit dem Kopf an, wenn es auf den Schoß will.

Das Nachtlager befindet sich im Badezimmer von Kai Müller – auf einem Schaffell, versteht sich, bettet es sich zur Ruhe. Und macht sich brav bemerkbar, wenn es mal austreten muss, indem es mit dem Bein an der Tür kratzt. „Okay, ab und zu ging es schief, aber eigentlich war Pontus stubenrein “, sagt Mama Kai, der mit seinem Schützling viel unterwegs ist. „Ein Schaf braucht Bewegung“, hat er sich schlau gemacht und zieht mit ihm durch Gärten, Wiesen und das kleine, nahe gelegene Wäldchen. Im Schlepptau die Kinder aus der Nachbarschaft, selbst die hartgesottenen Bauarbeiter aus der Kanzleistraße zeigen sich gerührt.

Doch auch sie können nicht verhindern, was am 25. April geschieht. Das Lamm ist immer weniger abhängig von der Milchflasche, schlägt sich den Bauch voll mit Blumen, Knospen und Schösslinge, wie sie rund um den Spielplatz reichlich sprießen. Gegen Mittag erscheint eine etwa 30-jährige Spaziergängerin auf der Bildfläche, an der Leine ein Rottweiler. Dann geht es ganz schnell, der Hund erblickt das Lamm, der Jagdtrieb erwacht, die Frau kann ihn nicht halten. Ein Biss in den Kopf verletzt eine Arterie, noch atmet das Opfer, doch es hat keine Reflexe mehr. Die Frau verspricht: „Ich hole Hilfe.“ Sie enteilt – und kommt nicht mehr wieder. Die Blutspur zieht sich hinunter bis zur Kanzleistraße, dort endlich findet Kai Müller eine Autofahrerin, die ihn mit dem tödlich verletzten Lamm auf dem Arm zum Tierarzt bringt. Pontus stirbt noch auf dem OP-Tisch.

Einen Tag später die Beerdigung. Die Bestürzung ist groß. „Nicht nur die Kinder haben geheult“, sagt Lara Ingwersen. Sie hängen dem leblosen Körper ein Glöckchen um den Hals. Damit man es hören kann, so sagen sie, wenn es im Himmel herumspringt.

Unterdessen wurde ein weiterer Fall aus dem Kreisgebiet bekannt. Jagdpächter Cord Petersen entdeckte am Sonnabend beim Spaziergang in Langballig zufällig einen wildernden Hund, der eine hochtragende Ricke hetzte. „Der Hund zeigte trotz scharfen Anrufs keine Reaktion, sondern hetzte das immer langsamer werdende Reh die Böschung zur Streuobstwiese empor, wo er es zuletzt an der Hinterkeule zu packen bekam und herunterzog“, schildert Petersen, der im Beisein seiner drei Kinder tatenlos zusehen musste – der Hund hatte das Reh bereits getötet. Der Halter konnte ermittelt werden. Er gab an, den Terriermischling vor wenigen Monaten aus einem Tierheim erhalten zu haben. Er sei ihm von zu Hause weggelaufen. . .

Im „Fall Pontus“ hat der Halter sich inzwischen gemeldet, nachdem die Sache im Internet hohe Wogen schlug. Er bedaure die Angelegenheit und wolle sie mit Kai Müller persönlich klären, teilt er via SMS mit. „Aber das geht natürlich nicht.“ Bei einem Anruf mit unterdrückter Nummer stellte er sich als „Mike“ vor. Sein Rottweiler läuft nach wie vor frei herum. Und die Eltern auf dem Sandberg sind in Sorge. Lara Ingwersen: „Sie haben Angst um ihre Kinder.“

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erstellt am 08.Mai.2014 | 06:58 Uhr

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