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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 10:41 Uhr

Antiquariat : Rote Zelle sucht neue Heimat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Flensburger Künstler rettet das Jubiläumsgeschenk der Partnerstadt Carlisle vor dem Schrott. Kehrt die britische Telefonzelle nun ins Stadtbild zurück?

Flensburg | Als sie in Flensburg erschienen, waren sie echte Hingucker. Die beiden original britischen Telefonzellen in der Innenstadt waren 16 Jahre lang fester Bestandteil des Stadtbildes. Doch Vandalismus und, schlimmer noch, die digitale Revolution beendeten den Auftritt. Im Jahr 2000 wurden sie abgebaut. Jetzt ist eine der beiden roten Zellen wieder aufgetaucht. Der Flensburger Künstler Bernd Hansen hat sie saniert und möchte sie der Stadt, der Wirtschaft oder dem Verschönerungsverein gegen Kostenbeteiligung andienen. Bislang ohne Erfolg.

Einst waren sie die roten Ausrufezeichen einer seit 1961 bestehenden Partnerschaft. 1984 überraschte das britische Carlisle die Flensburger Partner mit zwei voll funktionsfähigen Telefonzellen samt Münzfernsprecher, wie man sie aus Edgar Wallace und Pater Brown-Verfilmungen kannte. Es war das 700-jährige Stadtjubiläum und die roten Zellen bekamen gleich ihre Ehrenplätze in der Fußgängerzone. Im Jahr 2000 war freilich Schluss mit „very british“. Die Wetter- und Vandalismus-geplagten Telefonhäuschen wurden abmontiert – angesichts mobiler digitaler Konkurrenz erschienen sie auch entbehrlich.

Drei Jahre rotteten sie auf dem Gelände des Technischen Betriebszentrums vor sich hin. Dann kam Hansen. „Das TBZ war glaube ich froh, sie loszuwerden“, sagt er. Bei Hansen standen sie danach auch noch fast zehn Jahre herum. Aber wenigstens trocken. Nicht wie beim TBZ. „Ich fand es schade, dass niemand mehr Verwendung für die Zellen hatte. In Großbritannien stehen sie immerhin unter Denkmalschutz.“

Vor etwa einem Jahr begann Künstler mit der Sanierung von Zelle 1. Zelle 2 war mit vernünftigem Aufwand nicht mehr zu retten, Hansen verkaufte sie an einen Liebhaber und finanzierte aus dem Erlös die ersten Arbeiten. Sandstrahlen zum Beispiel und Verglasen. Lackieren, Vergolden der Insignien der Royal Mail. Jetzt strahlt das gute Stück der Carron Comp. in der Grafschaft Stirlingshire im prächtigsten Rot. Bereit zum Einsatz.

Und zwar für die Kunst. Und nicht mehr im Fernmeldewesen. „Unter freiem Himmel kann man die nicht mehr ausstellen“, sagt Hansen, der in diesem Jahr eine ganze Reihe von Gesprächen führte. Mit dem ehemaligen Stadtpräsidenten Christian Dewanger, der angetan war. Mit Torge Korff, dem Leiter des Kulturbüros, der auch angetan war. Mit Cordelia Feuerhake vom Verschönerungsverein, die auch angetan war. Mit der Kunstkommission, die an die Ratsfraktionen verwies. Dann kam die Wahl. Dann wurde es Sommer. Jetzt steht Hansen mit seiner Zelle wieder bei Null.

Die Crux ist momentan wohl eine Zahl mit drei Nullen. Denn Hansen ist mit Arbeit und Material in Vorlage gegangen und setzt einen mittleren vierstelligen Betrag für die Rettung an. „Man könnte so tolle Sachen mit der Zelle machen!“ Ihm selbst schwebt unter dem Titel Red Box eine Aktion mit Flensburgern in der roten Zelle vor. Eine Installation mit einem digitalen Internet-Fotoalbum etwa. Grundsätzlich soll das Carlisle-Telefon für alle Art von kreativen Aktionen zur Verfügung stehen. Es muss nur jemand zuschlagen und die Zelle kaufen. Bernd Hansen steht wieder am Anfang. Der Marsch durch die Instanzen. Nächste Station ist der Kulturausschuss.

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erstellt am 07.Sep.2013 | 06:59 Uhr

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