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Gammelwoche in Flensburg : Rote Karte für Schulschwänzer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn Schüler schon vor Beginn der Ferien den Abflug machen, muss ein Antrag gut begründet werden.

Ab in den Urlaub! In drei Tagen ist der letzte Schultag – dann lockt mit den Sommerferien die große Freiheit, die weite Welt. Doch für einige Schüler heißt es schon, bevor sie ihr Zeugnis in Händen halten: Nix wie weg. Die letzten Schulstunden, eingebettet in „Aktionstage“, summierten sich eh zu einer Woche des Müßiggangs, im Schülerjargon „Gammelwoche“ genannt.

„Es gibt immer mehr Fälle, in denen Eltern mit ihren Kindern vor Beginn der Ferien verreisen wollen“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Doch was im Grundschulalter weitgehend kulant gehandhabt wird, ist an weiterführenden Schulen kein Selbstgänger. Es bedarf schon einer stichhaltigen Begründung, wenn Eltern ihren Kindern vorgezogenen Ferien gönnen wollen. „In absoluten Ausnahmefällen genehmigen wird einen entsprechenden Antrag“, sagt etwa Thorge Arp, Leiter der Gemeinschaftsschule West. Allerdings gebe es sehr wenige Anfragen. Aktuell habe er nur einen Fall, in dem er einer Schülerin aus gegebenem Anlass freigegeben habe. „Absentismus kann sich aber zu einem Problem auswachsen“, sagt Arp. „Dann nämlich, wenn die Bereitschaft von Schülern, am Unterricht teilzunehmen, auf null gesunken ist und Eltern jede Kooperation ablehnen.“

Der Schulleiter weiß von einem ehemaligen Schüler zu berichten, der aufgrund permanenter Abwesenheit sogar mit einer Haftandrohung konfrontiert worden ist. „Die Sache wurde dann vor Gericht geklärt.“

Chronischer Absentismus hat jedoch Seltenheitswert. Clemens Teschendorf zählt etwa acht Fälle pro Jahr, in denen das Ordnungsamt ein Bußgeld verhängt oder angedroht hat – 150 Euro werden fällig. Mindestens. „Das ist durchaus steigerungsfähig“, sagt er. Es handele sich immerhin um einen Verstoß gegen das Schulgesetz.

Die Beachtung der Schulpflicht hat auch für Bernd Henkel, stellvertretender Leiter des Alten Gymnasiums, oberste Priorität. Um diese zu umgehen, „werden bisweilen die seltsamsten Gründe erfunden“. Oder Krankheit, wie ein Lehrer ergänzt. An der Schule gilt: Einmal im gesamten Schulzeitraum kann ein Schüler freigestellt werden, wenn dies nachvollziehbar begründet wird. Begehrt sei dafür oft die tote Zeit nach den Schulkonferenzen. „Die Zahlen sind allerdings nicht signifikant steigend.“

Diese Erfahrung hat auch Arnd Reinke, Chef der Goethe-Schule, gemacht. Er sieht keine Tendenz eines Anstiegs selbstverordneter Ferienverlängerungen, geschweige denn Missbrauch. Nicht einmal ein Prozent Schüler würden vor den Ferien beurlaubt. Bei berechtigter Begründung „gibt es mitunter ein paar Tage Ferien im Vorschuss“. Ganze fünf Anträge seien in diesem Sommer über seinen Schreibtisch gegangen.

Das Schulgesetz sieht laut Reinke vor, dass Beurlaubungsanträge in der Vorferienzeit der Zustimmung des Schulleiters bedürfen. Im laufenden Schuljahr seien die Lehrer allein befugt, über das Anliegen ihrer Schüler zu bestimmen. Die Zeugnisse können die Beurlaubten während der Ferien im Geschäftszimmer abholen – oder erst bei Beginn des neuen Schuljahres.

Medienberichte, nach denen die Bundespolizei an Flughäfen stichprobenartig Kontrollen unter Familien mit Kindern durchführe, um Schulschwänzer zu entlarven, entbehren jeder Grundlage. „So etwas machen wir nicht“, erklärt Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizei Flensburg. „Reisende dürfen wir aus diesem Grund nicht aufhalten.“

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erstellt am 18.Jul.2017 | 11:00 Uhr

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