Flensburger Weihnachtsmarkt : Rote Karte für Mini-Berliner

Umgestiegen: „Rocky“ Bohnstedt hat den Ärger um die Berliner satt und fertigt jetzt Fudge.
Umgestiegen: „Rocky“ Bohnstedt hat den Ärger um die Berliner satt und fertigt jetzt Fudge.

Keine Füllung und keine Glasur: Tourismus-Agentur zieht Fettgebäck aus dem Verkehr.

shz.de von
27. Dezember 2017, 07:30 Uhr

Flensburg | Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen – das Weihnachtsmotto gilt auf dem Flensburger Weihnachtsmarkt nicht durchgängig. Deutlich vor Markt-Ende hat der Berliner-Bäcker „Rocky“ Bohnstedt die Läden seiner Bude in der Großen Straße heruntergelassen und dem Geschehen den Rücken gekehrt. Weihnachtsmarkt – das war einmal. Das Gebäck brachte ihm nur Ärger ein.

Genauer geht es um die von ihm angebotenen Mini-Berliner. „Rocky“ Bohnstedt hatte mit der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff) abgemacht, Berliner anzubieten – bis zu 18 verschiedene Sorten, variiert nach Größe, Glasur und Füllung. Darunter ist auch der Mini-Berliner, aber der ist nur ein luftiger Klops, der seinen Geschmack durch das Fett erhält, in dem er gebacken ist – ohne Füllung und ohne Glasur.

Diese minimalistische Version des Fettgebäcks schien den Nerv der Kunden zu treffen, denn Bohnstedts Mini-Berliner gingen weg wie warme Semmeln. Weil ohne Zucker zubereitet, wurde das Gebäck gern von Diabetikern gekauft, die sich freuten, an einem der Weihnachtsmarkt-Genüsse teilhaben zu können, so der Produzent. Andere Kunden hätten sich darüber gefreut, dass die kleinen Teigbällchen mal eben in den Mund gesteckt werden konnten und daher unkompliziert beim Schlendern zu verzehren seien. Aber bekanntlich kann ja der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt – der Bäcker vermutet, dass der rasende Absatz den Kollegen ein Dorn im Auge gewesen sei. Jedenfalls verlangte die Taff von Bohnstedt, den Verkauf der Mini-Berliner einzustellen. Teigbällchen ohne Glasur und Füllung seien keine Berliner, und im Vertrag für den Weihnachtsmarkt sei ausdrücklich von Berlinern die Rede.

So sieht es Frederike Schmidt, Veranstaltungsleiterin bei der Taff für den Weihnachtsmarkt. Berliner im Sinne des Vertrages definierten sich durch Füllung und Glasur. Bohnstedt dagegen reiht sein Mini-Variante unter die im Vertrag benannten Versionen ein. Als in der weiteren Diskussion über die gebackenen Fettklöpse das Wort „Vertragsstrafe“ fiel, hatte der Bäcker den Kanal voll und machte in der Großen Straße die Klappe zu. Nun hilft er seinem Neffen bei der Produktion von Karamell-Bonbons in der Flensburg-Galerie.

Frederike Schmidt hält daran fest, dass die richtige Entscheidung getroffen worden sei. Sie verweist darauf, dass in den Verträgen zwischen Taff und Anbietern detailliert geregelt sei, welche Waren verkauft werden dürfen. So sei genau festgelegt, welcher Verkäufer den Becher Kakao mit welchem Schuss über den Tresen reiche.

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