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Historischer Dampfer aus Flensburg : Rostfraß: Sanierung der „Alexandra“ wird teurer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während der Schönheitskur des Dampfer-Denkmals stießen die Arbeiter auf Rostnester. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Flensburg | Es war ein schmerzhaft tiefer Schnitt, der seit vorletzter Woche den Liebhabern der „Alexandra“ schlaflose Nächte bereitet. Ihnen wurde schlagartig klar, dass die Schönheitskur des Flensburger Dampfer-Denkmals auf der Kieler Werft der Gebrüder Friedrich deutlich teurer werden dürfte als erwartet. Ein langer Schnitt mit dem Schweißbrenner die Außenhaut runter legte eine ganze Reihe hässlicher Rostnester frei, mit denen niemand gerechnet hatte. Oder, die man lieber nicht vorgefunden hätte.

Seit 1982 ist die Alexandra als Kulturdenkmal anerkannt. Viele kennen das Flensburger Wahrzeichen - und dürften sich freuen, dass es zu Saisonbeginn am 7. Mai wieder an den Start geht.

Vor genau einem Monat hatte sich die 108 Jahre alte Dame auf den Weg nach Kiel gemacht, um auf der Werft in Friedrichsort den ersten Teil einer 650.000 Euro teuren Kur zu absolvieren. Die Stahlhaut der „Alex“ sollte fein gerastert wie nie geschallt, die so festgestellten faulen Stellen erneuert werden. Nach dem Ultraschall herrschte beim Förderverein noch eitel Sonnenschein. Einzig die Vorschiff-Sektion wies drei angegriffene Stellen aus, wo der Schiffsstahl dünner als die als Mindestmaß vorgeschriebenen fünf Millimeter war. „Wir hatten uns das erheblich schlimmer vorgestellt“, atmete „Alex-Kapitän“ und -Pressesprecher Günter Hermann noch auf. Doch das dicke Ende sollte noch kommen.

Nach Austausch der ersten betroffenen Stahlplatte führte die zweite befallene Stelle den Mann mit dem Schneidbrenner tief ins Unterwasserschiff bis an die Bodenwrangen. Diese Konstruktionsteile verbinden die Außenhaut, den Kiel und die Spanten eines Schiffes und verhindern so, dass sich der Schiffskörper verwinden kann. Um es kurz zu machen: Auf fast der Hälfte ihrer 37 Meter Schiffslänge waren die Bodenwrangen vom Rost zerfressen und nur der Beton, mit dem dieser Schiffsbereich vor 108 Jahren ausgegossen worden war, hielt die Sache noch zusammen.

Klar. Zu erklären ist das. „Irgendwann in den 108 Jahren ist der Beton geschrumpft und der Stahl der Wrangen bekam Luft. Der Rest ist Chemie“, sagt Hermann. „Durch die Wrangen kann man jetzt die Faust durchstecken.“

Glücklicher macht diese Erkenntnis keinen. Notgedrungen mussten alle schadhaften Wrangen identifiziert und ausgetauscht werden und natürlich musste dazu das Schiff bis etwa zur Hälfte aufgeschnitten werden. Ob der Kostenplan so noch zu halten ist? Hermann ist skeptisch. „Ich werde mich hüten, jetzt eine Einschätzung abzugeben. Darüber sprechen wir erst, wenn das Schiff wieder schwimmt.“

Das wird nach dem aktualisierten Zeitplan am 26. April der Fall sein. Dann sind noch etliche Restarbeiten fällig, die Werftmannschaft ist aber zuversichtlich, das reparierte Schiff am 3. Mai offiziell zu übergeben. Dann bleibt den Freiwilligen nur ganz wenig Zeit, die „Alexandra“ für den Saisonbetrieb aufzuräumen und auszurüsten. Am 7. Mai nämlich ist in diesem Jahr für die „Alex“ schon der erste Arbeitstag. Begleitfahrt zur Rum-Regatta, der sanierte, aber noch total ausgeräumte Restaurationsbereich unten im Schiff kann dann nicht genutzt werden. Dafür lockt der Museumsdampfer mit einem Blick, der sich – das hofft der Förderverein innigst – die nächsten 50 Jahre nicht mehr bieten wird: die „Alexandra“ ganz nackt.

Anfang April hat shz.de die Werft in Kiel besucht - und ein Video über die Reparatur des Dampfers gedreht. Hier kann man es sich ansehen.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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