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Lasse Matthiessen in Flensburg : Rock und Folk zwischen Regalen: Hofkultur auf neuen Pfaden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänischer Sänger mit Wohnsitz in Berlin zelebriert in der Zentralbibliothek seine komplexen Songs mit Leidenschaft und großer Stimme

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 07:52 Uhr

Vielleicht war es die Hand von Miles Davis, die den kleinen Lasse beseelte und ihn in Richtung Musik lenkte. Er war sieben Jahre alt, sein Vater war Jazz-Pianist in Kopenhagen und nahm Lasse hin und wieder mit ins Studio. Und da traf er eines Tages einen amerikanischen Musiker, der ihm einmal mit der Hand durch den Wuschelkopf fuhr. Es war Miles Davis.

Anfangs wollte Lasse Matthiessen Jazz-Gitarrist werden, doch als er später nach Berlin zog, merkte er, dass er einfach nur Melodien schreiben und singen wollte. Jetzt war er in Flensburg zu Gast bei der Hofkultur, und das Publikum in der Dänischen Zentralbibliothek sah einen außergewöhnlichen Künstler und hörte ein sehr besonderes Konzert.

Und das schon wegen des Orts. Trotz guten Wetters musste der Auftritt wohl oder übel nach drinnen verlegt werden, weil der Hof noch Baustelle war. Doch diesmal ging es nicht in den Saal, sondern eine Etage höher in die Ausleihe. Da saßen die Zuhörer dann zwischen Bücher- und Zeitschriften-Regalen.

Die Akustik war nicht ganz einfach, zumal Lasse Matthiessens Musik zwischen hauchzartem Pianissimo und donnerndem Rock-Getöse pendelt. Der ebenso schüchterne wie redselige Sänger schreibt Melodien, die sich einem schnellen Zugriff entziehen. Sie sind nicht vorherseh- oder gar mitsingbar, schmeicheln sich nicht ein, erinnern entfernt an John Martyn. Auf seiner Linkshänder-Gitarre (Gibson Les Paul, Baujahr 1978, eine Rarität) spielt er filigrane, flirrende Akkorde und steuert über Effektgeräte auf dem Fußboden elektronische Klangelemente dazu. Wenn Basser Niels Vilhelm Knudsen loslegt, wird die Musik treibend und pulsierend.

Nicht alle Besucher lassen sich auf die Musik ein, nach der Pause bleiben einige Stühle leer. Doch die, die bleiben, hören ein packendes zweites Set, mit feinen Solo-Songs zur Akustik-Gitarre und einem aufbrausenden Finale mit „Seven Ravens“.

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