Insolvenzantrag gestellt : Ringen um Zukunft für Druckzentrum Harry Jung

Insolvent: Das Druckzentrum am Sophienhof konnte seine Löhne zuletzt nicht mehr zahlen - jetzt sollen sie kurzfristig beglichen werden. Foto: Staudt
Insolvent: Das Druckzentrum am Sophienhof konnte seine Löhne zuletzt nicht mehr zahlen - jetzt sollen sie kurzfristig beglichen werden. Foto: Staudt

Wie geht es weiter im Flensburger Druckzentrum Harry Jung? Ein vorläufiger Insolvenzverwalter aus Kiel verspricht kurzfristige Nachzahlung der rückständigen Gehälter - und sieht Chancen für den Betrieb.

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17. August 2011, 11:37 Uhr

Flensburg | Die 63 fest angestellten Mitarbeiter des Druckzentrums Harry Jung sowie einige geringfügig Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz. Das Flensburger Druckzentrum am Sophienhof hat Insolvenzantrag gestellt, worauf das Flensburger Amtsgericht am Montagabend den Kieler Rechtsanwalt Wilhelm Salim Khan Durani zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte. Neben den insgesamt fast 70 Arbeitsplätzen in Flensburg geht es auch um die Kieler Traditionsdruckerei A. C. Ehlers mit etwa zehn weiteren Stellen, die nach der Fusion mit Harry Jung im vergangenen Jahr ebenfalls vom Sophienhof gesteuert werden.
"Den Geschäftsbetrieb werden wir zunächst fortführen", versicherte am Dienstagabend Khan Durani, Fachanwalt für Insolvenzrecht in der Kieler Sozietät Cornelius + Krage gegenüber dem sh:z. "Die rückständigen Gehälter werden kurzfristig nachgezahlt werden können", erklärte er weiter.
Fortführung des Betriebs aus eigener Kraft denkbar
Das vorläufige Insolvenzverfahren werde voraussichtlich bis Ende September dauern, schätzt der Kieler. Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalters sei es, bis dahin entweder einen Übernehmer zu finden oder Möglichkeiten zur Fortführung des Unternehmens aus eigener Kraft zu schaffen. Das 1979 gegründete Unternehmen bezeichnete er als im Bereich der kompletten Drucktechnologie renommiert, auch als Lieferant für namhafte Industriekunden. Die Leistungsbandbreite sei mit der Integration des Druckzentrums A. C. Ehlers in Kiel sowie des Mediendienstleisters FKAmedia GmbH in Flensburg (2002) konsequent ausgebaut worden.
Druckzentrums-Geschäftsführer Harry Gall, der nach dem Rückzug von Firmengründer und Namensgeber Harry Jung seit dem vergangenen Jahr auch alleiniger Gesellschafter des Unternehmens war, wollte sich erst am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Kieler Insolvenzverwalter gegenüber dem sh:z ausführlicher äußern. Allerorten wird indes gehofft, dass der Betrieb des seit mehr als 30 Jahre in Flensburg aktiven Druckzentrums weitergehen kann.
Viel investiert
Das Druckunternehmen hatte zuletzt immer wieder in neue Technik und die eigene Zukunft investiert und kann heute von der Visitenkarte bis zum großen Format 75 mal 105 Zentimeter alles anbieten, was die Kundschaft wünscht. Möglich macht dies unter anderem die vor zwei Jahren für 4,2 Millionen Euro erworbene "Speedmaster XL 105-10P" - eine großformatige Zehn-Farben-Wendemaschine.
Im Jahr davor hatte Harry Jung für seinen damals größten Kunden Motorola noch rund zwei Millionen Euro investiert. Wenig später zog sich der Großkunde mit den Handy-Handbuch-Aufträgen zurück. Seitdem läuft eine Klage der Drucker gegen den amerikanischen Technologiekonzern, der offenbar immer noch nicht entschieden ist.
(jol, shz)

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