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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 20:32 Uhr

Flensburger Werft : Rettung in letzter Sekunde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erleichterte Werftarbeiter, ein unaufgeregter Technischer Direktor – und FSG-Beschäftigte in Kurzarbeit lesen die gute Nachricht in der Zeitung

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Die Erleichterung unter den Werftarbeitern war zum Greifen. Bereits Donnerstagmittag hatte die Nachricht von den Rettern aus Norwegen die Runde gemacht, nachdem die Betriebsräte um ihren Vorsitzenden Ralf Sasse informiert worden waren – doch die Anspannung zwischen Pförtnerhaus, Werfthalle und Konstruktionsbüros hatte sich noch nicht wirklich gelöst – die Bestätigung stand noch aus, dass das norwegische Unternehmen Siem Industries die Flensburger Werft übernimmt. Und die erreichte die Öffentlichkeit um 19.10 Uhr – nach der späten Unterschrift der Norweger. „Jetzt ist der Stress weg und die Diskussionen zu Hause auch “, sagt IG-Metall-Chef Michael Schmidt.

Wobei die Reaktionen draußen vor dem Werfttor ganz andere waren: „Wie gerettet? Ich wusste gar nicht, dass die Werft in Gefahr war“, sagt ein Beobachter. In der Tat war es der FSG gelungen, die großen Schlagzeilen zu vermeiden, nachdem sie durch umfangreiche Vorfinanzierungen von Großaufträgen in diesem Sommer in erhebliche Liquiditätsschwierigkeiten geraten war.

Zahlreiche Werftarbeiter lasen die gute Nachricht gestern auch erst in der Zeitung. Aufgrund der Kurzarbeit sind rund 200 der knapp 800 Beschäftigten derzeit gar nicht an der Batteriestraße. Siem Industries? War in Flensburg bislang lediglich dadurch bekannt, dass die FSG von dem norwegischen Konzern den Auftrag für zwei Offshore-Spezialschiffe hat.

Insgesamt sechs Schiffe konnte Technik-Geschäftsführer Frank Bywater gestern aufzählen, davon eines auf Probefahrt, und gab sich betont unaufgeregt: „Alles läuft ganz normal weiter.“ Dies gelte auch für die Kurzarbeit, die ab Oktober die nächste Gruppe Mitarbeiter erreiche und bis ins neue Jahr andauere. Immerhin soviel Emotion ließ er zu: „Erleichterung ist da.“

Siem Industries sei ein sehr kapitalstarkes Unternehmen, womit die Finanzierungssituation sich unmittelbar verbessere – und außerdem hält Bywater es für einen großen Vorteil, dass Siem selbst im maritimem Bereich tätig ist: „Die Reederei wird weiter Schiffe bei uns bestellen.“

IG-Metall-Chef Michael Schmidt hält es zunächst für ein „großartiges Signal, dass Schiffbau in Deutschland möglich ist“. In Dänemark gebe es überhaupt keine Neubauwerft mehr. Für ihn hätten drei Gründe den Ausschlag gegeben. „Erstens, eine tolle Belegschaft, die auch schwierige Schiffe bauen kann. Zweitens Siem, die wirklich Schiffe gebaut haben wollen – und drittens ein Technischer Direktor, der sagt, er braucht für diese schwierigen Abläufe diese Belegschaft.“

 

 

 

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