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Flensburger Tageblatt

21. August 2017 | 18:33 Uhr

Citti-Park : Rettung in allerletzter Sekunde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der nach wenigen Minuten eingetroffene Notarztwagen wäre wohl zu spät gekommen: Wie eine Verkäuferin und eine Büroangestellte ihre Kenntnisse als Ersthelfer nutzten - und ein Mann dadurch überlebte.

Keine Atmung, kein Puls, kein Lebenszeichen mehr. Es ist der Moment, vor dem sich viele fürchten, die helfen könnten in akuter Not. Der Moment, in dem man Mut zeigt, besonnen und geistesgegenwärtig reagiert – oder aber versagt. Denise Reitenbach (25) und Maike Nissen (32) taten das Richtige im richtigen Moment: Sie retteten ein Menschenleben.

Es ist Freitag gegen 12 Uhr, als bei Maike Nissen, die als Bürokraft im Media-Markt arbeitet, das Telefon schrillt. Ein etwa 70-Jähriger sei in der Handy-Abteilung zusammengebrochen. Die ausgebildete Ersthelferin, die erst vor drei Wochen einen Auffrischungskursus absolviert hat, eilt nach unten, im Vorbeilaufen ruft sie ihrer Kollegin Denise zu: „Schnell, wir werden gebraucht.“

Der Kunde ist kurz vor dem Abschluss eines Handy-Vertrages apathisch geworden, sitzt zusammengesunken auf einem Drehstuhl, macht den Eindruck, als schlafe er. Noch funktioniert die Atmung, aber der Mann ist nicht ansprechbar. Ein Notarzt ist unterwegs.

Plötzlich setzt die Atmung aus, die Lippen laufen blau an. Die Situation wird dramatisch. Die Ersthelferinnen schicken die Gaffer weg, sie legen den schweren Körper mit vereinten Kräften rücklings auf den Boden. „Wir übernehmen das jetzt hier“, ruft Denise und beginnt sofort mit der Herzdruckmassage. „Mein eigenes Herz raste, aber ich wusste, was zu tun war.“ Dreißig Mal fest auf den Brustkorb drücken, dann kommt Maike zum Einsatz: Mund-zu-Mund-Beatmung. Todernste Mienen begleiten die Aktion. Dann die Erlösung: „Er atmet wieder“, schreit Denise förmlich.

Sie bringen den Mann in die stabile Seitenlage. Langsam kommt er zu sich. Währenddessen ruft die Rettungsleitstelle an, man will Näheres wissen, stellt Fragen. „Und ich war komplett durch den Wind“, sagt Maike Nissen. Dennoch schafft sie es, den Kunden zu beruhigen, der inzwischen die Augen aufgeschlagen hat, etwas zu trinken bekommt. Daran, was passiert ist, kann er sich nicht erinnern. „Jetzt halte ich euch alle von der Arbeit ab“, meint er fast entschuldigend.

Nach knapp zehn Minuten sind die Sanitäter da. „Für uns aber war es eine gefühlte Ewigkeit“, sagt Denise. Beiden wird vom Notarzt höchstes Lob zuteil. „Ihr habt ihm das Leben gerettet“, sagt er ohne Pathos, und ein Sanitäter fügt hinzu: „Ihr hattet 15 Sekunden, um zu entscheiden, was zu tun ist. Bravo!“

Die beiden Frauen haben vorbildlich gehandelt – gleichwohl möchten sie keinen großen Wirbel um ihre Person machen. „Was wir getan haben, ist doch selbstverständlich. Dennoch sind wir froh und auch ein bisschen stolz, dass wir helfen konnten“, sagt Denise. Für sie war es eine bedeutsame Erfahrung, im Ernstfall tatsächlich intuitiv zu wissen, was zu tun und zu lassen ist. „Und wir haben nicht diskutiert, sondern gehandelt.“

Anerkennung gab es bei Freunden und Familie, im Kollegenkreis und auch bei Marktleiter Achim Schulz. „Wir haben zehn Ersthelferinnen bei uns, doppelt so viele, wie vorgeschrieben sind“, betont er. „Und ich denke, dieser Vorfall sollte vielen Menschen zu denken geben, einmal über eine entsprechende Ausbildung nachzudenken.“

 

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erstellt am 26.Aug.2013 | 19:02 Uhr

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