zur Navigation springen

Medikamenten-Transport : Rettende Medizin aus dem Schrank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Flensburger Arzt und die Deutsch-Griechische Gesellschaft organisieren einen Medikamenten-Transport für Not leidende Griechen.

Flensburg | Die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme nach Mitteleuropa nehmen in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit eine dominante Rolle ein. Andere, ebenfalls massive Probleme geraten dabei leicht aus dem Fokus. Im krisengeplagten Griechenland leiden seit Jahren und zunehmend beträchtliche Teile der Bevölkerung unter dem Wegfall ihrer Krankenversicherung: Die gibt es zwar grundsätzlich – jedoch entfällt sie rigoros, sobald man ein Jahr lang arbeitslos war. Da andere Sozialsysteme dann nicht greifen, müssen Betroffene fortan die einfachsten Arzneimittel persönlich bezahlen, was bei teuren, schwere Krankheiten heilenden Medikamenten naturgemäß nicht in Frage kommt – mit oft fatalen Folgen.

Gesprächsweise hatte der Flensburger Arzt Gert Kotter von dieser schwer zu ertragenden Situation von einem griechischen Kollegen erfahren. „Dabei verfügen viele Mediziner bei uns über Medikamente aus Musterschränken, die noch Wirkgültigkeit haben, jedoch nicht benötigt werden“, sagt der Onkologe. Verfällt irgendwann das Haltbarkeitsdatum, müssen sie entsorgt werden. Damit solche Heilmittel noch Gutes tun, wandte er sich im August mit einem Spendenappell an seine Kollegen in der bundesweit erscheinenden Ärztezeitung sowie im Ärzteblatt Schleswig-Holstein: Die Resonanz war positiv, doch viele Mediziner engagieren sich in dieser Hinsicht auch für in Deutschland angekommene Flüchtlinge.

Gleichwohl wurden viele Medikamente gespendet, überwiegend aus der Region Flensburg sowie Schleswig-Holstein, insgesamt zehn große Umzugskartons, alle haltbar bis 2016 oder sogar bis 2020. Gestiftet wurden außerdem Gehhilfen, Inkontinenzeinlagen, Spritzen, Blutdruckmessgeräte, Verbandszeug und Diabetes-Tests – überaus wertvoll für nicht versicherte Griechen, für deren Behandlung es oft an den elementarsten Dingen fehlt.

Für den Transport wandte sich Kotter an die Deutsch-Griechische Gesellschaft DGG Flensburg, die sich mit Erlösen aus ihrem Frühlingsfest in der Bergmühle für diese große Not in Griechenland bereits mehrfach engagiert hat. Die Mitglieder entwickelten die Idee weiter – und jetzt bringen der Vorsitzende Günther Wahlen und Frau Carla-Maria die Medikamente im Schätzwert von etwa 20  000 Euro direkt nach Griechenland. Am Mittwoch ging es los nach Triest, mit der Fähre nach Igoumenitsa (Hafen „hinter“ der vorgelagerten Insel Korfu) und weiter zum Zielort nach Katerini (nahe der Ägäis, 85 000 Einwohner) südwestlich von Thessaloniki. „Damit wollen wir sehen, wo und sicherstellen, dass die Medikamente und Hilfsmittel dort ankommen, wo sie wirklich dringend gebraucht werden“, sagt das Ehepaar, das jeweils zweieinhalb anstrengende Tage Hin- und Rückfahrt auf sich nimmt. Ihre Initiative setzen sie ehrenamtlich um. Die Fahrt- und Fährkosten werden zum Teil von 800 Euro aus dem DGG-Frühlingsevent finanziert, das Ehepaar Wahlen und Gert Kotter übernehmen privat die weiteren Kosten.

„Der Spendenaufruf bleibt auch nach Abschluss dieses Transportes weiter bestehen, damit wir zumindest ansatzweise etwas gegen diese für uns kaum nachvollziehbare Notsituation unternehmen können“, sagen die Initiatoren. Details und Kontaktdaten unter www.dgg-flensburg.de – Antwort aber erst nach der Rückkehr.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen