Robbe & Berking-Werft Flensburg : Retourkutsche nach Turku

10 Tonnen, wo vorher 1500 waren: Die „Airawata“ macht sich an Bord der großen Barge nach 95 Jahren auf den Heimweg, die „Kraft“ wird ziehen.
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10 Tonnen, wo vorher 1500 waren: Die „Airawata“ macht sich an Bord der großen Barge nach 95 Jahren auf den Heimweg, die „Kraft“ wird ziehen.

Wenn ein Großreeder in Flensburg fündig wird: Robbe & Berking-Werft überführt klassische Yacht auf einer FSG-Barge nach Finnland

shz.de von
15. Februar 2018, 06:32 Uhr

Mit einem massigen 1500 Tonnen schweren Decksaufbau für die FSG kam der Schleppzug an, mit einem filigranen klassischen Salonboot an Deck ging es gestern wieder zurück nach Turku. Zwei Wochen im Februar war der Flensburger Hafen Schauplatz der Gegensätze und der Zufälle. Hier fand der finnische Reeder des Schleppers „Kraft“ nicht nur sein Traumschiff, sondern auch gleich einen günstigen Transport nach Finnland.

„Airawata“ hat so gar nichts von ihrem namensgebenden weißen Elefanten aus dem Milchozean der hinduistischen Mythologie. Sie ist rank und schlank, eine echte Klassikerin mit dem vergleichsweise frischen Baujahr 1923 und einem antiquierten, aber immer noch kerngesunden Volvo-Diesel im Bauch. Etliche Jahre begleitete ihr bayrischer Eigner mit ihr die Regatten des klassischen Rennyachten-Zirkus auf der Flensburger Förde, Oliver Berking, der am Industriehafen nicht nur eine Werft für klassische Boote, ein Museum für klassische Boote, Hallen für klassische Boote und eine Maklerei für klassische Boote unterhält, ist manchmal mitgefahren. „Ein schöner kleiner Dampfer mit toller Ausstattung. Manchmal ein bisschen schaukelig“, erinnert er „Airawata“.

Joakim Håkans ist ein großer Reeder in Finnland, der mit kräftigen Schleppern größte Lasten bewegt. Wie das mittlere Deckshaus für den FSG-Neubau „W.B. Yeats“ zum Beispiel, der auf einer großen Håkans-Barge geliefert wurde. Davon noch nichts ahnend, war der Finne zuvor zu Gast in Flensburg gewesen, weil er im Internet über ein interessantes Angebot gestolpert war – die Airawata, genau. Håkans suchte ein Original für eine historische Werft, die er vor einigen Jahren erworben und zu einem sehr beliebten Zentrum für Finnlands maritime Kultur umgestaltet hatte. Was fehlte, war ein Produkt der alten Werft – und das fand er in Flensburg.

„Wir waren uns in allem einig, nur der Transport war noch offen“, erinnert sich Berking. Erst reiste der Kunde zurück nach Turku, dann erreichten die Bargen mit ihren schweren Lasten Flensburg, und schließlich machte Berking an einem dieser Tage Fotos am Hafen. Durch den Sucher fiel ihm der Reederei-Schriftzug an einer der Bargen ins Auge. Alfons Håkans.

Und dann ging alles sehr schnell. „Es war die Reederei unseres Kunden“, sagt Jakob Franze, der für Robbe & Berking auch die Yachtmaklerei betreut. Håkans wusste nicht, dass einer seiner Schleppzüge in Flensburg war – damit hatte sich die Frage des Transports preisgünstig erledigt. Die Barge, so Franze gestern, wurde mit dem bordeigenen Ballastsystem auf das Oberflächenniveau des Ballastkais empor geliftet, dann fuhr ein Lkw die 14,60 Meter lange „und im Vergleich winzige Salonyacht auf ihrem Trailer an Bord des fast 100 Meter langen Untersatzes.

Jakob Franze schätzt, dass „Airawata“ am Wochenende nach 95 Jahren wieder zu Hause ist und ihren neuen Job als Publikumsbarkasse in dem finnischen Museumshafen antreten kann.

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