Am Lautrupsbach : Renn-Enten im Praxistest

Erfinder der Enten-Regatta von 1993 plädiert für den Lautrupsbach als Revier für die Neuauflage am 4. Juni

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30. April 2011, 09:12 Uhr

Flensburg | Besseres Wetter für einen Praxistest gibt es nicht: Strahlender Sonnenschein, kein Wind, Wasser über 10 Grad Celsius (gefühlt). Thomas Friedrich krempelt sich die Hosenbeine hoch, zieht Socken und Sandalen aus und stakst ins flache Wasser des Lautrupsbaches, kurz oberhalb der Teufelsbrücke. Er hat zwei gelbe Badeenten dabei, eine große und eine kleine. Vorsichtig setzt er sie in die leichte Strömung des Fließgewässers und verfolgt die Bewegung der Plastiktiere: "Die große ist schneller", stellt er mit nicht zu übersehender Befriedigung fest.

Für Friedrich, seines Zeichens Dozent für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Flensburg, kommen in diesen Tagen Erinnerungen hoch. Am 4. Juni planen die Lions ein Badeenten-Rennen in der Hafenspitze. Am 2. Oktober 1993 hatte Friedrich unter bundesweiter Medienbeachtung ein spektakuläres unterirdisches Entenrennen im Mühlenstrom veranstaltet, das Tausende von Zuschauern zur Zielarena in der Hafenspitze gelockt hatte. Jetzt sieht er die Chance gekommen, einen Traum, den er seinerzeit beerdigen musste, doch noch zu erleben: ein Enten-Rennen im Lautrupsbach.

"Das Gitter ist kein Problem", sagt er mit dem Brustton der Überzeugung. Das Wehr unterhalb der Teufelsbrücke wird durch ein Edelstahlgitter vor Verschmutzung und Verstopfung geschützt. Doch die Ente passt durch den etwa 15 Zentimeter breiten Spalt neben dem Gitter. Das zu beweisen, kostet Friedrich fünf Euro. Denn er hat schon ein Exemplar für das Rennen am 4. Juni erworben, und das flutscht locker durch den Spalt, kann das anschließende Wehr aber nicht überwinden: Die kleine gelbe Quietscheente ist gefangen!

Friedrich nimmt es mit Humor. Der finanzielle und körperliche Einsatz ist es ihm wert, wenn er beweisen kann, dass der Lautrupsbach das ideale Revier für das Enten-Rennen ist. Der Bach läuft seit Jahren weitgehend unverrohrt, die Menschen können also an seinen Gestaden sitzen, stehen und von dort ihre Ente anfeuern. "Das ist wie bei der Tour de France!", schwärmt Friedrich. Sollte der Bach auf Grund anhaltender Trockenheit zu wenig Wasser führen, müsste man ihn einige Tage zuvor aufstauen oder die Feuerwehr um Hilfe und Wasser bitten.

Die Lions, deren Rennenten seit Wochen im Verkauf sind und die einen guten Zweck fördern wollen, planen einen deutlich reduzierten Rennverlauf: Die Enten werden direkt über der Mündung des Mühlenstroms in die Hafenspitze geworfen und sollen von dort ein paar Dutzend Meter mit Hilfe der erhofften Strömung des Baches im Hafen zurücklegen. Friedrichs Kommentar zu dieser Idee: "Kein Kommentar". Kurze Pause. "Das ist kein Rennen, das ist eine Lotterie." Weitere kurze Pause: "Na gut, letzten Endes war unser Rennen damals auch eine Lotterie."

Die Enten waren seinerzeit bei der "Stora Feldmühle" in den Mühlenstrom gesetzt worden und etwas später in den Untergrund abgetaucht. Das Wasserrad an der Holmpassage gab es noch nicht; dennoch gab es im kanalisierten Verlauf unter den Hofenden Hindernisse. Vor TV-Kameras kletterte Friedrich mitten im Verkehrsgetümmel durch einen Schacht in den Untergrund, um dort für fließenden Enten-Verkehr zu sorgen. Schließlich tauchten alle Viecher wohlbehalten in der Hafenspitze auf, die Gaudi war grenzenlos.

1993 gab es bei der Mühle ein unüberwindbares Hindernis, das ihn die Idee des Lautrupsbach-Rennens aufgeben ließ. Doch heute, da ist "Enten-Friedrich" sich sicher, müsste mit kleineren Eingriffen im Bachbett und etwas Personalaufwand ein Rennen im Lautrupsbach möglich sein. Natürlich wird der Erfinder des Enten-Rennens mit eigenem Exemplar am Start sein. "Das ist Enten-, pardon: Ehrensache!"

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