Moscheen-Serie: Eyüp-Sultan : Religion wie im Sportverein

Domizil im Hinterhof: Links die Treppe hoch gehts in die Moschee. Foto: wal
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Domizil im Hinterhof: Links die Treppe hoch gehts in die Moschee. Foto: wal

Zweiter Teil der Serie Moscheen öffnen sich: "Eyüp-Sultan" in der Norderstraße ist mit fast 40 Jahren die älteste der drei in Flensburg, aber dennoch jung

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18. Oktober 2012, 03:59 Uhr

Flensburg | Die Worte "Cami" und "Mescid" stehen an der Tür im Hinterhof der Norderstraße 129. Beide bedeuten Moschee, weiß Ramazan Kapusuzoglu. Der 33-Jährige kümmert sich seit sieben Jahren um die Öffentlichkeitsarbeit der Eyüp-Sultan-Moschee, weil er es für an der Zeit hielt, "etwas zurückzugeben". Auch am Runden Tisch für Integration bringt er sich ein.

Türkisch sei die Eyüp-Sultan-Gemeinde, vor allem aber multikulturell und die erste in Flensburg, sagt Kapusuzoglu. Seit 1973/74 gebe es sie. Die Mitgliederzahl schätzt er auf rund 150, gibt aber zu bedenken, dass jeder willkommen sei - ob er Beitrag zahle oder nicht. Die Moschee gehöre dem Verband der islamischen Kulturzentren e.V. an. Ramazan Kapusuzoglu hält seine Gemeinde für "recht jung"; die Mehrheit sei deutlich jünger als 50. Das erklärt, warum vor allem Jugendbildung und Jugendarbeit angeboten würden.

Der Imam Mehmet Sabanci, der seit 35 Jahren in Europa unterwegs sei, steht seit Januar in Flensburg mit seinem Wissen zur Verfügung und leitet die Freitagsgebete. Diese Predigten werden auf Deutsch übersetzt, ansonsten werde auf Türkisch gepredigt. Zum Opferfest oder im Fastenmonat Ramadan platze die Moschee aus allen Nähten, beobachtet Kapusuzoglu. Jedoch sei es durchaus legitim, auch zu Hause oder unterwegs zu beten. Der dreifache Familienvater und Finanz- und Versicherungskaufmann bevorzugt das gemeinschaftliche Gebet und trifft bei seinem muslimischen Arbeitgeber auf Verständnis. "Gott sei Dank", so Kapusuzoglu, können viele Glaubensbrüder von sich sagen, sie seien in Arbeit.

Ramazan Kapusuzoglu ist in der Neustadt aufgewachsen und bezeichnet sich selbst als integriert. Der Islam war stets Thema für ihn. Diese Religion gebe Empfehlungen fürs Leben. In den Predigten gehe es keinesfalls immer um den Koran, sondern diverse Themen wie Erziehung oder Ernährung werden angesprochen. Der 33-Jährige vergleicht die Entscheidung für die Religion mit dem Eintritt in einen Sportverein: Auch dort gelten Regeln, die man akzeptiert, auch dort habe man Rechte und Pflichten. Konflikten, wie sie sich seit Karikaturen- und Filmstreit auswachsen, wollen die Flensburger Glaubensbrüder aus dem Weg gehen und lassen den Dachverband für ihre Gemeinde argumentieren. Doch Mehmet Sabanci, der vor allem zugehört und sich manches hat übersetzen lassen, möchte nun sprechen: "Wir bewegen uns im Rahmen der Gesetze. Wir würden keine Unruhe in die Gesellschaft bringen." Kapusuzoglu betont: "Der Islam ist für die Menschheit, nicht für Rasse oder Land." Bei Diskriminierungen durch Arbeitgeber oder Vermieter gebe es hilfreiche Anlaufstellen. "Ihr wollt, dass wir uns integrieren, aber ihr verschließt uns einige Bereiche", sagt er als Angehöriger einer Minderheit.

Von Flensburg können sich andere Städte "eine Scheibe abschneiden", lobt Kapusuzoglu und zählt zahlreiche Aktivitäten zum Beweis auf: Dolmetscherpool, mehrsprachiges Willkommens flugblatt, Integrationslotsen, "Friedensfühler". Denn: "Alle wollen Frieden." http://neu.flensburgernorden.de

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