Kommunalwahl in Flensburg : Rekorde und Sensationen

Deutlich mehr Briefwähler als vor fünf Jahren / Historischer grüner Wahlkreisgewinn von Rasmus Andresen / SSW einmal bei 44 Prozent

shz.de von
04. Mai 2018, 12:11 Uhr

In zwei Tagen ist es soweit: Die Flensburger wählen eine neue Ratsversammlung. Die ist zwar nicht so groß wie der Landtag und schon gar nicht so bekannt wie der Bundestag, auch sitzen dort Freizeit- und keine Berufspolitiker. Aber dafür entscheiden sie Monat für Monat über viele wichtige Dinge, die die Menschen in der Stadt konkret betreffen wie die Kita-Gebühren, den Radwege-Ausbau, die Höhe der Grundsteuer und die Ausweisung von Baugebieten.

Bei der Kommunalwahl hat jeder Wähler eine Stimme. Damit bestimmt er sowohl den jeweiligen Anteil der Parteien im künftigen Rat als auch den Direktkandidaten seines Wahlkreises. Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise als ihr nach dem Gesamtergebnis zustehen, gibt es wie im Land- oder Bundestag Überhang- und entsprechende Ausgleichsmandate. „Das“, so Stadtsprecher Clemens Teschendorf, „ist in Flensburg allerdings noch nie vorgekommen.“

Bis gestern hatten 6783 der insgesamt 76 857 Wahlberechtigten Unterlagen für die Briefwahl angefordert. Das sind deutlich mehr als die 4600 bei der Kommunalwahl 2013. Das könnte ein Hinweis auf eine höhere Wahlbeteiligung in diesem Jahr sein, so Teschendorf, müsse es aber nicht. Denn es gebe allgemein bei den vergangenen Wahlen einen deutlich stärkeren Trend, vom Angebot der Briefwahl Gebrauch zu machen. Zu den Briefwählern zählen auch jene Wähler, die direkt im Rathaus wählen. Das ist heute noch bis 12 Uhr möglich (Raum E67).

Die Wahlkreise in Flensburg werden auf lange Sicht von Kandidaten der CDU, der SPD und des SSW gewonnen, so auch bei der letzten Kommunalwahl 2013. Da gab es zusätzlich einen Überraschungssieger: Rasmus Andresen, Landtagsabgeordneter der Grünen, gewann mit 23 Stimmen Vorsprung im Innenstadt-Wahlkreis 11, gab das Ratsmandat dann allerdings im September 2014 auf.

Eine weitere Ausnahme gab es 2008, als überraschend die WiF stärkste Fraktion im Rat wurde und fünf WiF-Vertreter ihre Wahlkreise direkt gewannen, 2013 dann aber keinen einzigen mehr.

Ein Blick auf die Karten der Ergebnisse von 2013 zeigt eine blaue Hochburg im Norden der Stadt. Die Wahlkreise 1 bis 5 sind seit jeher fest in SSW-Hand, hier ist der Anteil der dänischen Minderheit an der Bevölkerung besonders groß. Schwarze Hochburgen gibt es sowohl auf der Westlichen Höhe als auch in Mürwik, rote eher in der Innenstadt und in Weiche.

Durch die starke Rolle des SSW in Flensburg kommt selten eine Partei bei Kommunalwahlen über 40 Prozent. Das schaffte die SPD zuletzt 1970, die CDU 1974. Spätestens seit die Grünen mitmischen, bleiben die beiden großen Volksparteien unter der 40-Prozent-Marke. Die SPD kam 1990 noch einmal auf 39, die CDU 2003 auf 37 Prozent. Der SSW schaffte 1998 immerhin 26,1 Prozent und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, im Oktober 1946, sogar 44 Prozent. Die FDP spielt in Flensburg nur eine kleine Rolle: Ihr bestes Ergebnis erzielte sie 1974 mit 6,8 Prozent.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen