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Kfz-Zulassung von Kreis und Stadt Flensburg : Reizklima im Wartesaal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Haarsträubende Personalnot in der Zulassungsstelle / Kreisverwaltung als Betreiberin gibt Sachstandsbericht und gelobt Besserung

Jan Wiese kam mit einem schönen Batzen Geld und einer schonungslosen Bestandsaufnahme. Wiese, für die gemeinsame Zulassungsstelle des Kreises und der Stadt in der Gutenbergstraße zuständig, erstattete am Mittwoch dem Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung Bericht über das letzte Geschäftsjahr. 335  000 Euro wurden 2015 für den Partner Flensburg mit Dienstleistungen rund ums Auto erwirtschaftet. Eigentlich ein Wunder, wenn man die Arbeitsbedingungen zu Grunde legt, die Wiese vor dem Ausschuss ausbreitete.

Seit 2009 läuft die Zulassung von den Kraftfahrzeugen der Flensburger ausschließlich in Regie des Kreises, der damals die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernahm. Stadt und Kreis verabredeten damals in einem Kooperationsvertrag die Leistungen – und auch die Wartezeiten. Im Jahresdurchschnitt sollen 50 Prozent der Kunden maximal 30 Minuten warten, 30 Prozent bis zu 60 Minuten und nur 20 Prozent noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Von diesem Ziel hat sich der Kreis – zumindest in diesem Jahr – verabschiedet. Wiese war nämlich auch gekommen, um den Flensburger Partnern zu erklären, warum 11  000 Kunden in der Hochsaison – März bis Mai, wenn die Motorräder und Wohnmobile das Tagesgeschäft beleben – teilweise über sechs Stunden warten mussten und die meiste Zeit damit verbrachten, nur nicht die Contenance zu verlieren. Tiefstpunkt der Talfahrt: Freitag, der 6. Mai, der Brückentag nach Himmelfahrt. Da wurde die Zulassungsstelle gleich wieder geschlossen. Nur vier Mitarbeiter waren zum Dienst erschienen – mission impossible. Die Leute wurden nach Schleswig beordert, um dort zu helfen.

Das Problem ist ein Personalproblem. Für den reibungslosen Betrieb der Zulassungsstelle wurden einst 19 Mitarbeiter veranschlagt, als Untergrenze für einen noch halbwegs funktionieren Betrieb gilt eine Besatzung von elf Leuten. Im Mai 2016 aber stemmten sich statistisch ermittelte 7,5 Mitarbeiter gegen die Anmeldeflut, eine Sollbruchstelle als Gemeinschaftsproduktion von hohem Krankenstand, hoher Fluktuation und schlechter Bezahlung.

Die Verwaltungslaufbahn beginnt meist in der Entgeltgruppe 5 mit einer Verdienstspanne von 2100 bis 2700 Euro brutto. Weil das Besoldungsprofil der Zulassungsstellen mehr als diese EG5 nicht hergibt, entsteht eine Konstellation, die die meisten Verwaltungsleute schnell weiterziehen lässt. In den letzten zwölf Monaten wurden vor diesem Hintergrund neun Planstellen umgesetzt. „So verschwindet auch Erfahrung aus der hoch belasteten Abteilung“, räumte Wiese ein.

Jetzt hat die Verwaltung als Sofortmaßnahme den Zugang von Nicht-Verwaltungskräften – für Bürokaufleute und Notargehilfinnen zum Beispiel – geöffnet. Zwei Krankheitsvertretungen, fünf Neu-Einstellungen, zwei „Feuerwehrleute“ aus anderen Abteilungen sollen die taumelnde Dienststelle wieder stabilisieren.

Der Flensburger Ausschuss quittierte die Schleswiger Selbstauskunft mit vernehmlichem Grummeln, aber auch grundsätzlichem Verständnis für die Nöte. Karsten Sörensen, bürgerschaftliches Mitglied der CDU, konnte dennoch nicht verstehen, warum im Zeitalter digitaler Kommunikation keine Online-Auskunft über die aktuellen Wartezeiten in Schleswig und Flensburg möglich sei. Leicht verblüfft vernahm er Wieses Antwort, dass diese Zulassungs-App schon diskutiert wurde. Dagegen spreche aber die befürchtete Wanderbewegung von der hoch belasteten Flensburger in die weniger belastete Schleswiger Zulassungsstelle, die den Ansturm dann womöglich nicht verkraften könne. Bevor sich hier Widerspruch erhob, sicherte Wiese den Flensburgern aber zu: „Ich nehme das als Anregung mit.“

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erstellt am 03.Jun.2016 | 11:00 Uhr

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