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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 17:41 Uhr

Bahnstreik : Reisende hängen am Bahnhof fest

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bahnstreik und ausbleibende Ersatzbusse der Bahn haben gestern Nachmittag die Geduld Dutzender Fahrgäste in Flensburg strapaziert

Von gespenstischer Stille im Flensburger Bahnhof kann keine Rede sein, obwohl seit 14 Uhr fast alle Züge wegen des Bahnstreiks ausfallen. In der Bahnhofshalle und auf dem Vorplatz haben sich gestern um kurz nach 16.30 Uhr rund 30 gestrandete Reisende getummelt. Viele von ihnen haben Taschen und Koffer dabei – und warten.

Einer von ihnen ist Hans-Werner Schlömer. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er. Zusammen mit vier Angehörigen sitzt er auf der Bahnhofstreppe. „Wir wollen nach Süderbrarup und da im Internet stand, dass einige Züge fahren, sind wir auf Gut Glück hierhergekommen“, berichtet eine Frau aus der Gruppe. Ihr Risiko wird nicht belohnt. „Seit über einer Stunde warten wir jetzt schon, weil uns am Kundenschalter gesagt wurde, dass um 16.01 Uhr ein Bus der Bahn fährt.“ Mittlerweile ist es 16.40 Uhr, doch von dem Bus fehlt weiter jede Spur. Und die Ungeduld steigt.

So auch bei Pauline Brückner. „Ich will nach Rendsburg und warte seit über zwei Stunden auf einen Ersatzbus der Bahn.“ Wann der kommt, wissen nicht einmal die Mitarbeiter des Bahn-Kundencenters in der Bahnhofshalle. „Dort heißt es, dass um 17 Uhr ein Bus hier abfährt, aber sicher ist das nicht“, sagt eine sichtlich genervte Frau.

Sicher sei dagegen, dass bis 19 Uhr keiner von der Deutschen Bahn betriebenen Züge Flensburg erreiche oder dort abfahre. „Wie es danach weitergeht, müssen wir selbst alle paar Minuten in unserem System nachschauen.“ Für die wartenden Reisenden eine wenig befriedigende Aussage.

Entsprechend verärgert sind sie. „Ich habe erst hier von dem Streik erfahren, nachdem ich mir am Automaten ein Ticket gelöst hatte“, berichtet Andre Andresen. Er will nach Kolding reisen. „Ich gehe gleich zum Kundenschalter in der Hoffnung, dass mir die Kosten für eine Taxifahrt erstattet werden.“ Seine Erfolgsaussichten dürften gering sein. „Taxifahrten übernehmen wir nur, wenn die Tickets im Vorfeld des Streiks gekauft wurden“, heißt es am Schalter.

Dort herrscht reger Betrieb: Mehr als ein halbes Dutzend Reisender wartet in der Schlange, um sich von einem der beiden Bahn-Mitarbeiter über Reisemöglichkeiten und Kostenerstattungen zu informieren. Hans-Werner Schlömer dagegen gehört nicht dazu. Er sitzt weiter seelenruhig auf der Bahnhofstreppe. „Für den Streik habe ich vollstes Verständnis“, sagt der Flensburger. „Ich verstehe nicht, warum die Bahn die Forderungen der Gewerkschaft nicht einfach erfüllt, dann ist das Thema vom Tisch.“

Auf ein baldiges Ende des Streiks hofft auch Jens Jensen. „Ich bin mit meinem Begleiter extra eher nach Flensburg angereist, nachdem ich im Fernsehen von dem Streik erfahren habe.“ Ausgezahlt hat sich dieser Schritt jedoch nicht, nun hängen sie am Flensburger Bahnhof fest. Ihr Reiseziel: Dänemark.

Dorthin will auch ein dänisches Ehepaar fahren. Sie haben mit ihren zwei Enkelinnen einige Tage in Flensburg verbracht. Von dem Streik haben sie gewusst, daher bleibt das dänische Paar völlig gelassen. „Wir haben gehofft, dass doch ein Zug fährt.“

Doch statt eines Zuges rollen kurz vor 17 Uhr zwei Reisebusse auf den Bahnhofsvorplatz. Aufatmen bei den Reisenden. Und im Bahnhofsgebäude kehrt langsam tatsächlich gespenstische Stille ein.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 16.Okt.2014 | 07:46 Uhr

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