Fahrensodde : Reise in die Planungs-Vergangenheit

Traumhafte Lage am Wasser: Fahrensodde an der Flensburger Förde hat einen eigenen Strandzugang.
Foto:
1 von 2
Traumhafte Lage am Wasser: Fahrensodde an der Flensburger Förde hat einen eigenen Strandzugang.

Eine gut besuchte Bürgerinformation in Fahrensodde mit 120 Teilnehmern: Auf dem Wunschzettel der Bürger stehen unter anderem mehr Parkplätze für Besucher des Strands und der Segelvereine und ein Fähranleger.

shz.de von
16. Juli 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Fahrensodde ist in Flensburg ein Thema, das in den vergangenen Jahren viele Leute recht verlässlich in Rage gebracht hat. Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Die frühzeitige Bürgerbeteiligung am Bauleitplanverfahren der Stadt für eines der schönsten Flensburger Strandstücke am Dienstagabend dieser Woche lässt kaum einen anderen Schluss zu. SSW-Ratsherr Edgar Möller leitete in der Bootshalle der Seglervereinigung eine Veranstaltung, die stark von zornigen Versuchen der Vergangenheitsbewältigung und wenig von neuen Erkenntnissen geprägt war.

Die waren auch nicht unbedingt zu erwarten. Möller schickte es voraus, die beiden Mitarbeiter der Fachbereiche Stadtplanung und Vermögen zogen sich verschiedentlich darauf zurück – in dieser Veranstaltung in diesem frühen Planungsstadium ging es vorrangig darum, den Rahmen für die künftige Nutzung des Geländes abzustecken und dazu Anregungen und Wünsche der Bürger aufzunehmen.

Die Bürger lieferten auch – jedenfalls teilweise. Mehr Bootslagerplätze außerhalb der Hallen, mehr Parkplätze für Besucher des Strands und der Segelvereine, Veranstaltungs- und Zeltflächen, direkter Zugang zum Strand, Verbesserung der Straßenzufahrt Strandfrieden, angemessene und günstige Unterkünfte für DLRG und Universität, Fähranleger, attraktivere Wander- und Radwege waren Stichworte, die geflissentlich zu Protokoll genommen wurden. Freilich geriet die Veranstaltung emotional immer wieder aus der Spur. Schuld daran waren die Unwuchten, die mit der Planungsgeschichte von Fahrensodde nun einmal eng verbunden sind.

Kennzeichnend die Grundsatzfrage, warum die Stadt dieses Wunschkonzert überhaupt veranstaltet. All diese Fragen seien doch auf Einladung der Stadt auf einem Workshop im Februar 2011 erschöpfend skizziert und diskutiert worden – einschließlich der klaren Kursbestimmung, Fahrensodde als öffentlich zugängliches maritimes Dienstleistungszentrum und Naherholungsparadies zu entwickeln und jede Wohnbebauung hier auszuschließen. Eigentlich ein Konzept, auch dieses Argument tauchte wiederholt auf, das im Rahmen eines Vorhaben-bezogenen Bauplans doch mit dem ehemaligen Generalpächter Mathias Hartmann umgesetzt werden sollte, ehe eine Ratsmehrheit aus CDU, SPD, Grünen und FDP im September vergangenen Jahres das Projekt nach zweijähriger Laufzeit platzen ließ. Passagen, bei denen Möller wiederholt darum bat, doch nach vorne zu blicken – um doch jedes Mal wieder in der Vergangenheit zu landen.

Immer wieder mussten er und seine Mitstreiter bohrenden Fragen nach den Rahmenbedingungen ausweichen, unter denen Fahrensodde im Bauplanverfahren entwickelt werden soll. Die Politik hatte dem gescheiterten Pächter Hartmann in der Tat eine ganze Reihe von Bedingungen (Straßenerschließung, Wiederherstellung der Uferpromenade, Bau von Parkplätzen, subventionierte Unterbringung von Universität und DLRG) zusätzlich zu Sanierung/Neubau und der zu zahlenden Pacht aufgeladen. Ein Paket, das auch Stadtplanungs-Chef Peter Schroeders als wirtschaftliches Risiko markierte. Die Rahmenbedingungen wurden jedoch nie geändert. Für Möller und seine Mitstreiter wäre es sicher hilfreich gewesen, wenn sie etwa auf eine bereits laufende politische Debatte oder gar Richtlinien über die künftig geltenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investoren auf diesem Grundstück hätten verweisen können. So aber mussten sie stellvertretend für die Ratsversammlung den Vorwurf schlucken, dass zehn Monate nach dem Mehrheitscoup und der vollmundigen Ankündigung, die Planung vom Kopf endlich auf die Füße stellen zu wollen, lediglich das schmale Pflichtprogramm der Verwaltung im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens gelaufen sei.

Immerhin: In diesem Verfahren sind neuere Erkenntnisse schon eingearbeitet. So die gesetzlich gebotene Abstandsgrenze von 30 Metern, die für Neubauten zum Hangwald einzuhalten ist. Diese Grenze gilt nicht für die vorhandenen Alt-Gebäude, die Bestandschutz genießen. Sollte also ein Investor die knappe Fläche optimal nutzen wollen, käme er an deren Erhalt nicht vorbei – was wegen schlechter Substanz teuer werden kann. Zum Pflegeaufwand, den die Stadt als Eigentümerin betreibt, konnten Möller und Mitstreiter nichts sagen. Nur so viel: Die Flugzeughalle ist wegen ihres maroden Bauzustands seit Sommer 2011 geschlossen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen