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70 Fahrzeuge beschädigt : Reifenstecher ziehen durch Flensburg - Jugendliche gefasst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zerstochene Reifen und zerschlagene Scheiben: 70 Fahrzeuge wurden in nur einer Nacht beschädigt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Die „Blutmondnacht“ vor genau einer Woche – ein spektakuläres Ereignis. Doch nicht nur das Naturschauspiel trieb die Menschen an diesem Montag in aller Frühe aus wärmenden Federn auf die Straße. In Flensburg-Weiche, Fruerlund, Adelby und Engelsby wartete auf viele Anwohner eine böse Überraschung. An etwa 70 Fahrzeugen waren die Reifen aufgeschlitzt worden – und die Fahrzeughalter in heller Aufregung. Scheiben waren eingeschlagen, Fahrzeuge zerkratzt, Dinge aus den Wagen gestohlen.

Am selben Montagmorgen gegen 6.15 Uhr stellte die Polizei zwei 15-Jährige, bei denen Diebesgut und das Tatwerkzeug gefunden wurden. Im Verhör räumten sie die Taten ein und gaben Hinweise auf drei weitere Jugendliche. Alle fünf seien 15- und 16-jährige Flensburger, teilte die Polizei am Montag mit. Nicht nur die 70 Autos gehen demnach auf ihr Konto: Sie zerstörten das Glas einer Bushaltestelle im Lornsendamm und warfen ein Fenster der Friedenskirche Weiche ein.

Monika Zollinger* schreckte um 5.40 Uhr aus dem Schlaf. Sie wohnt im Ludwigstal, einer kleinen Gasse, die von der Glücksburger Straße abzweigt. Durch das offene Schlafzimmerfenster drang ein beängstigendes Geräusch: „Es hat fürchterlich laut gezischt“, sagt die 59-Jährige. Sie eilte ans Fenster. Niemand zu sehen. Doch deutlich wahrnehmbar das Malheur: Fast alle zur Straßenseite hin zeigenden Reifen der dort parkenden Autos waren platt. Monika Zollinger ebenso. „Ich bin immer noch fassungslos.“

Das Bild wird sie nicht vergessen: „Plötzlich standen mehrere Nachbarn leicht bekleidet oder im Schlafanzug auf der Straße, begutachteten die Schäden und warteten auf die Polizei.“ Die war in fünf Minuten zur Stelle. Acht Abschleppwagen, schätzt Monika Zollinger, waren schließlich den ganzen Vormittag lang damit beschäftigt, die Fahrzeuge in umliegende Werkstätten zu transportieren.

Sie hatte das Unheil geahnt: Denn fünf Wochen zuvor war die Haustürscheibe ihres Mehrfamilienhauses mit einem Stein eingeschlagen worden. „Es knallte wie ein China-Böller“, sagt Monika Zollinger. Wenig später hörte sie, wie einige Auto-Alarmanlagen anschlugen. „Damals also schon waren Reifenstecher in unserer Gegend unterwegs“, sagt sie. „Die hatten in ihrer blinden Zerstörungswut auch noch einige Außenspiegel abgebrochen.“

Monika Zollinger hat in der fraglichen Nacht mit Polizeibeamten gesprochen. Diese hätten bestätigt, dass es bereits am Wochenende vor der „Blutmondnacht“ Übergriffe auf der Exe gegeben habe, etwa 35 Fahrzeuge seien betroffen gewesen. Angeblich soll es sogar zu Schmierereien mit Nazi-Symbolen gekommen sein. Sie berichtete von Gerüchten, dass zwei Jugendliche vernommen und tatverdächtig seien. „Aber warum gibt es dazu keine offiziellen Mitteilungen?“, wunderte sich die Flensburgerin am Wochenende. „Wir haben alle Angst, dass so etwas wieder passieren wird.“ Insofern sei es ihrer Überzeugung nach umso wichtiger, die Fälle an die Öffentlichkeit zu bringen. „Ich habe überall nachgeforscht“, sagte sie kopfschüttelnd, „aber es macht den Anschein, als wäre das alles gar nicht geschehen.“

Die Polizei in Flensburg hat sich inzwischen zu den Vorfällen geäußert. Es gebe weder Hinweise darauf, dass es Nazi-Schmierereien gegeben haben soll, noch Erkenntnisse über eine entsprechende Gesinnung der jungen Verdächtigen, heißt es in einer Pressemitteilung vom Montag. Die Ermittlungen dauern noch an, da bei den vielen Taten eine wechselnde Tatbeteiligung vorliget. Ein Motiv gaben die Jugendlichen gegenüber der Polizei nicht an.

*Name geändert

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