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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 00:42 Uhr

Flensburger Hofkultur : Regen und Rekordbesuch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rund 4000 zahlende Zuschauer und 80 Prozent Auslastung: Ein ausverkauftes Konzert im Krusehof zum Abschluss des Sommerfestivals.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2015 | 12:23 Uhr

Selbst die sonst so zuverlässige Wetterprognose aus dem städtischen Kulturbüro versagte an diesem Abend: „Diesen Regen hat kein Wetterbericht vorausgesagt“, beschwerte sich Hofkultur-Gründer Thomas Frahm am Sonnabend. Kurz nach Beginn des Konzerts im Hof des Schifffahrtsmuseums begann es zu nieseln, und erst kurz vor Schluss hörte es wieder auf. Da hatten aber schon viele den Hof verlassen – und verpassten so ein umjubeltes Finale von „Maya Mo’s Loving Soul Session“ mit insgesamt neun tollen Musikern.

Einen neuen Besucherrekord vermeldete Frahm gestern Nachmittag, nachdem das letzte Konzert mit dem Berliner Akkordeon-Cello-Duo „Acuerdo“ im Krusehof wie erwartet auch ausverkauft war. Eine ganz genaue Zahl hatte er noch nicht, „aber wir hatten ca. 4000 zahlende Zuschauer“. Ein gutes Zehntel davon war am Freitagabend – ebenfalls im Hof des Schifffahrtsmuseums – zu einem Quartett norddeutscher Blues- und Boogie-Legenden gekommen.

Auch wenn er an diesem Abend nicht wirklich gut bei Stimme war: Abi Wallenstein sieht man das nach, weil er mit tief hängender Gitarre, lässig umgehängtem Schal und kessem Hut als charmantes Gesamtkunstwerk mit ewig juendlichem Habitus rüberkommt. Dabei macht der in Jerusalem geborene Wahl-Hamburger im Dezember die 70 voll.

Zusammen mit dem preisgekrönten Duo Schroeter und Breitfelder sowie dem Schlagzeuger Torsten Zwingenberger kam Wallenstein als Frontmann einer Allstar-Band nach Flensburg und hatte das Publikum sofort auf seiner Seite. Das Quartett bewegte sich erwartungsgemäß in einem sehr bodenständnigen Repertoire mit Klassikern wie „Let’s work together“ und „Honky Tonk Women“. Erst beim zweiten Hinhören erkannte man ganz am Anfang die CCR-Ballade „Long as I can see the Light“, die die Vier in einer sher gelungenen neuen Version präsentierten. Zwingenberger glänzte mit einem ausführlichen Schlagzeugsolo. Was Marc Breitfelder mit einem so kleinen Instrument wie der Mundharmonika anstellt, raubt einem schier den Atem, während sein kongenialer Duopartner Georg Schroeter entweder mit der Exaktheit einer Atomuhr den Boogie-Groove minutenlang durchspielt oder im Stil eines klassischen Klaviervirtuosen über die Tasten wirbelt. Die beiden sind echt eine Klasse für sich!

Nach dem Blues am Freitag folgte am Sonnabend der Soul: Angeführt von der in Flensburg gut verorteten Sängerin Maya Mo alias Mo Casal (früher „Mobago“), zauberten insgesamt fünf Vokalisten und vier Instrumentalisten eine sehr transparente, bisweilen filigrane Spielart des Soul, die man mit Fug und Recht „unplugged“ nennen könnte. Kontrabass und das Fehlen eines Schlagzeugs sind hierfür sichtbare Indizien, eine – selten genug – fast schon zu knappe Lautstärke die hörbare Auswirkung.

Doch beim Soul stehen ohnehin die Sänger im Vordergrund: Maya Mo hatte Lou Lettow und Momo Djender im Schlepptau, die sie bei der TV-Show „The Voice“ kennen gelernt hatte. Vor allem Djender wirbelte über die Bühne und präsentierte sich als professioneller Entertainer. „I left my home in Algeria“, sang er unter dem Jubel des Publikums in Otis Reddings unverwüstlichem Klassiker „The Dock of the Bay“. Auch aus „Bridge over troubled Water“ machte er eine amtliche Soulnummer.

Später bei Stevie Wonders „Superstition“ wogte das regennasse Publikum, während bei Seals „Crazy“ unter anderen Wetterbedingungen sicherlich die Feuerzeuge angegangen wären. „That’s what Friends are for“ drückte sicher etwas auf die Tränendrüsen, aber das fiel angesichts des Geniesels zum Glück nicht weiter auf.

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