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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 08:32 Uhr

Tarp : Rege Debatte mit den Kandidaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei der Tageblatt-Podiumsdiskussion in Tarp stellten sich die Direktbewerber im Wahlkreis 4 für den Landtag den Fragen der Bürger.

von
erstellt am 27.Apr.2017 | 17:44 Uhr

So bunt der Strauß an Themen, so lebhaft war die Diskussion, die rund 80 Bürger bei der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl erlebten, zu der das Flensburger Tageblatt am Dienstagabend in den Landgasthof Tarp eingeladen hatte. Dazu trugen die Besucher nicht unerheblich selbst bei. Sie hielten sich mit Fragen nicht zurück und fühlten den acht Direktkandidaten im Wahlkreis 4 (Flensburg-Land) gehörig auf den Zahn.

Dabei waren die Vorgaben der Moderatoren Carlo Jolly (Redaktionsleiter) und Alf Clasen (Kreisredaktion) für die Veranstaltung strikt. Petra Nicolaisen (CDU), André Hense (SPD), Udo Hansen (Grüne), Wilhelm Krumbügel (FDP), Peter Matthiesen (Piraten), Flemming Meyer (SSW), Andreas Zech (Linke) und Frank Hansen (AfD) hatten exakt fünf Minuten Zeit, um im Kurzinterview persönlich Stellung zu beziehen. Anschließend war das Publikum am Zug. Und wie sich herausstellte, standen für die Bürger Themen im Vordergrund, die die im Landtag vertretenen Parteien im Vorfeld der Wahl am 7. Mai großteils zu Schwerpunkten ihres Wahlkampfes auserkoren hatten. Die Kandidaten mussten sich unter anderem zu den Themen Infrastruktur, Bildung, Flüchtlingspolitik und Energiewende positionieren.

Schnell deutlich wurde, wie unterschiedlich die Startvoraussetzungen der Kandidaten sind und mit welchem Selbstverständnis sie in die Wahl gehen. Petra Nicolaisen will ihr Direktmandat, das sie seit 2009 inne hat, erneut verteidigen. Dabei setzt die ehemalige Wanderuper Bürgermeisterin auf ihre kommunal- und innenpolitische Erfahrung. „Ich weiß, welche Konsequenzen Landespolitik in Kreis- und Kommunalpolitik hat“, sagte die CDU-Politikerin.

André Hense muss ebenfalls auf das Direktmandat hoffen. Er steht auf Platz 35 der SPD-Landesliste. „Das ist eine echte Herausforderung, aber dafür trete ich an“, betonte der gelernte Diplom-Sozialarbeiter und SPD-Ortsvorsitzende aus Handewitt. Für den von der Fünf-Prozent-Hürde befreiten SSW geht Flemming Meyer dank Listenplatz 3 mit guten Chancen ins Rennen. Aus dieser Position heraus konnte er neben der Verteidigung der kulturellen Vielfalt auch problemlos den ansonsten unpopulären Vorstoß zu einer kommunalen Gebietsreform auf die Agenda nehmen. „Das wird unheimlich schwer durchsetzbar, aber zur Zeit schwächen wir die Demokratie auf kommunaler Ebene eher als sie zu stärken“, so der Mann aus Schafflund, der seit 2009 im Landtag sitzt.

Wie schwer das durchsetzbar sein könnte, machte Hense auf Anfrage aus dem Publikum deutlich: „Mit der SPD wird es keine Zwangsfusion in einem möglichen Koalitionsvertrag geben.“ Auch FDP-Kandidat Krumbügel hielt Meyer entgegen: „Man kann Landespolitik nicht gegen die Gemeinden gestalten.“

Der Betreiber einer Jugendhilfeeinrichtung aus Lindewitt ist wie andere Kandidaten auf der Liste seiner Partei so weit hinten platziert, dass er nach derzeitigen Prognosen kaum Chancen auf einen Einzug in den Landtag hat. Ganz ohne Listenplatz stehen Matthiesen und Zech da. Umso mehr bemühten sie sich darum, den Wahlkampfthemen ihrer Parteien Gehör zu verschaffen. Das versuchte auch Frank Hansen, der für die AfD in Anspruch nahm, seine Partei regiere schon jetzt quasi mit, weil sie unbequeme Themen setze.

Bis auf Frank Hansen bezweifelte niemand die Notwendigkeit der Energiewende. Allerdings forderte Nicolaisen (CDU) mehr Augenmaß. „Der Netzausbau muss vorangehen, bevor wir weiter in Windkraft investieren.“ Hense (SPD), Krumbügel (FDP) und Zech (Linke) waren sich darin einig, dass die Zukunft in der regionalen Nutzung der im Norden erzeugten Energie und im Ausbau alternativer Speicherformen liege, etwa in der Umwandlung von Windstrom zu Gas (Power to Gas). Udo Hansen (Grüne) sprach sich für gesetzliche Änderungen aus, die etwa den Einsatz von Windstrom in industriellen Zentren im Land – wie Brunsbüttel – erleichtere. Meyer (SSW) betonte die Chance, regional erzeugten Strom und E-Mobilität zusammenzubringen. Er und Petra Nicolaisen stärkten zudem Umweltminister Robert Habeck den Rücken bei dessen Vorstoß in Berlin, die Netzentgelte, die im Norden besonders hoch sind, über alle Bundesländer zu harmonisieren. Matthiesen (Piraten) betonte, ihm gehe es nicht um die Höhe der Stromrechnung, sondern um mehr Bürgerbeteiligung beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Wie sich die christliche Nächstenliebe mit der christdemokratischen Forderung nach Aufhebung des Abschiebestopps für afghanische Flüchtlinge vertrage, wollte ein 13-Jähriger von Petra Nicolaisen wissen. Die antwortete ausweichend und betonte, bei der Beurteilung der Sicherheitslage am Hindukusch vertraue man auf das Auswärtige Amt. 

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