Glücksburg : Reeder-Villa wird umgebaut

Die Variante der Petersen-Villa mit Souterrain und einem Geschoss weniger.
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Die Variante der Petersen-Villa mit Souterrain und einem Geschoss weniger.

Im ehemaligen Haus der Familie Petersen in Glücksburg sollen auf vier Geschossen Eigentumswohnungen entstehen

shz.de von
06. Juni 2018, 13:51 Uhr

An der Paulinenallee 14 steht, seit zehn Jahren verlassen und ein wenig heruntergekommen, auf parkähnlichem Grundstück die Villa der 1918 verstorbenen Reeder-Witwe Dora Petersen. Nachdem die Diako das Anwesen vor etwa 15 Jahren veräußerte, war es Spekulationsobjekt. Es gab Pläne für einen Abriss und den Bau von Eigentumswohnungen. Vor acht Monaten erwarb es die Immobilienfirma Impeko mit Sitz in Glücksburg an der Rathausstraße. Geschäftsführer Lars-Peter Koch stellte dem Bauausschuss jetzt seine Pläne vor.

Die alte Villa, für die eine Erhaltungssatzung gilt, soll im alten Charme mit drei Eigentumswohnungen wieder hergerichtet werden. „Der Quadratmeterpreis wird bei 3500 Euro oder darüber liegen“, sagte Koch. Ein nach außen farblich abgesetztes Treppenhaus und ein Balkonanbau sind die einzigen neuen Zutaten. Für den Balkonanbau gab der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung die Zustimmung. Das Amt für Denkmalschutz wird auch auf die Pläne sehen. Das Haus sei in der Prüfung, sagte Ausschuss-Mitglied Werner Kiwitt.

Die ursprüngliche Bauherrin Dora Petersen, geborene Rickertsen, Mutter von fünf Töchtern, war in Glücksburg eine Institution. Nach dem Tod ihres Mannes leitete sie die Geschäfte. Ihr Mann war der Flensburger Reeder Heinrich-Adolph Petersen (1843 bis 1899), der Handel mit China betrieb. Er engagierte sich ehrenamtlich in Glücksburg. Nach ihm ist die Petersenallee benannt. Dort baute die Familie ihr erstes Wohnhaus (Nr. 7). Später kam ein weiterer Neubau hinzu, ein prächtiges Haus mit einer Arztpraxis für den Schwiegersohn in der Rathausstraße 8. Es diente der Stadt eine Zeit lang als Rathaus.

Um die kostspielige Sanierung der Petersen-Villa wettzumachen – rund 1,5 Millionen werden investiert – möchte der neue Bauherr links und rechts davon viergeschossige Neubauten mit Eigentumswohnungen setzen. Die Villa hat nur drei Geschosse, allerdings bei großer Deckenhöhe und einem Sockelgeschoss. Vier Geschosse in den Neubauten gegenüber drei im Altbau seien vertretbar, meinte Architekt Martin Keil aus Flensburg. Er legte dem Gremium drei Stil-Varianten vor, von kastig-modern bis historisierend mit Erkern, Rücksprüngen und Stuckelementen an der Fassade. Die Frage für ihn ist, ob man den alten Stil aufgreifen oder ihm Contra geben möchte. Die Frage ganz allgemein ist allerdings auch, ob überhaupt Neubauten gestattet werden sollen. Eine alte Baugenehmigung von vor 15 Jahren ist verjährt. Eine neue muss die Stadt beschließen.

Mit den Arbeiten an der Villa soll schon in diesem Jahr begonnen werden. Das Grundstück an der Paulinenallee hat eine Gesamtgröße von 8625 Quadratmetern mit Wald, Hang und einer Quelle. 2500 Quadratmeter stehen als Baufläche zur Verfügung. Für ein anderes Projekt derselben Firma, am Ruhetaler Weg 1f-g, gab es jetzt grünes Licht. Das Gelände darf um einen Meter aufgeschüttet werden. Das eine Haus wird damit eine Höhe von 19,76 Metern erreichen. Das andere, dichter an zahlreichen Einfamilienhäusern gelegen, wird auf 16,92 Meter reduziert. Es entstehen, wie berichtet, 14 Eigentumswohnungen. Mancher kritische Anwohner, der der Sitzung beiwohnte, murrte, doch Bauausschuss-Leiter Svend Colmorn sprach von einem Kompromiss.

Und auch für die seit einigen Jahren still gelegte und verkaufte „Autowerkstatt Max Wabbel“, Holnisstraße 29, gibt es Neubaupläne. Der Abriss der Werkstatt und der Spatenstich für 17 Eigentumswohnungen könnten im nächsten Jahr sein. Die jungen Investoren aus Flensburg, Lars Borchardt und Jan Lehmann, erhielten nach mehreren Anläufen jetzt positive Antwort auf ihre Bauvoranfrage. Sie hatten zunächst Ferienwohnungen geplant. Doch die Stadt wollte lieber Wohnraum.

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