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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 10:47 Uhr

Rebellion in der Pension

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne „Pension Sünnenschien“ überzeugt bewährtes Ensemble zwar, nicht jedoch die Geschichte

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Als selbstbewusst strahlende Elfie Wohlsen mit ordentlich burschikosem Auftreten und frecher Schnauze ist Anja Berger die Hauptfigur des Stückes. Ihre frische Art, die dem hartherzigen Pensionsbetreiber-Paar Ida und Otto Salm (Sonja Weber, Jörg Frey) Paroli bietet, transportiert die tiefere Botschaft der Komödie „Pension Sünnenschien“ von Karl Wittlinger, mit der die Niederdeutsche Bühne Flensburg am Sonntag im Stadttheater Premiere feierte.

„Nicht alles bieten lassen! Nimm dein Schicksal selbst in die Hand“, könnte die Überschrift lauten, unter der Neuankömmling Elfie die älteren Herrschaften in der Pension aufmischt. Die niederdeutsche Übersetzung des Schwanks schrieben Hartmut Cyriacks und Peter Nissen. Erstmals für die hiesige Bühne führt Ulrich Herold die Regie. Liebevoll durchdacht zeigt sich Katja de Vries’ Bühnenbild der heruntergekommenen Gründerzeitvilla, inklusive angejahrter Tapete und Wackelkontakt-Lampe. Unter der harten Hand der Salms bewohnen dieses lieblose Ambiente das ehemalige Bankierspaar Henriette und Kurt, mit viel Witz dargestellt von Heide Bachmann und Wolf-Dieter Pencik, der mit diesem Stück sein 50-jähriges Bühnenjubiläum begeht. Seit 1964 ist er ein beliebtes, geschätztes Mitglied des Ensembles und bei Regisseuren oft „erste Wahl“ für eine Rolle, so das große Lob von Bühnenleiter Rolf Petersen. Weitere Pensionsmieter sind „Regisseur“ René (Werner Hoffmann-Limburg), der eigentlich nur sein eigenes Leben inszeniert, und Fast-Pianistin Bella (Anke Henningsen).

Auch wenn fröhliche Hingucker-Szenen wie Elfies Modenschau auf dem Tisch als Laufsteg die Komödie würzen und die bewährten erstklassigen Schauspieler Spielleidenschaft und -freude ausstrahlen: Die Konstellation – fiese Betreiber gegen rebellierende Senioren – bleibt irgendwie immer auf gleichem Niveau. Ob das Stück mehr hergegeben hätte? Mehr echte, aus der Situation entstehende Komik, mehr überraschende Wendungen? Mehr Wärme, berührende Emotion? Eins jedenfalls bietet das Stück: Die diebische Freude der Älteren, sich doch behauptet zu haben. So kann das Stück Ermunterung sein an Ältere und Mahnung für Junge, das Alter mit Würde zu behandeln.

Nächste Aufführungen: 5., 6., 9., 15. Februar und 2. März, 20 Uhr, Stadttheater Flensburg.


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