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Schädlinge in Flensburg : Rattenplage? Am Tempelhof raschelt’s unheilvoll im Efeu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bewohner schlagen Alarm, SBV winkt ab: „Wir stehen im Dialog und haben Schädlingsbekämpfer engagiert“

„Du machst den Container auf, und drei Ratten laufen über deine Schulter“, empört sich Bernhold Faust und fügt entsetzt hinzu: „Am helllichten Tag!“ Seit 13 Jahren wohnt der gelernte Kunstschmied in zweiter Reihe der Apenrader Straße, in einem Quartier, das die Flensburger auch „Tempelhof“ nennen. „Ich wohne seit 27 Jahren hier, aber das habe ich noch nie gehabt“, sagt sein Nachbar Bernd Schulz. „Das Loch war gestern noch nicht da“, glaubt er und zeigt auf eine Grabung kurz vor der Kiesumrandung („Traufenpflaster“) vor der Hauswand. Dauert nicht mehr lange, und die Ratten haben es in die Kellerräume geschafft, spekulieren die Tempelhöfer. Bei einem Loch in der Wand ist das Plastikgitter angenagt, meinen die Männer, und schwarzer Schmutz an der Wandöffnung sei kein Ruß, sondern Rattendreck. Allein beim Ortstermin am Nachmittag wagt sich keines der Tiere aus der Deckung. Morgens um fünf sei das anders, versichert Schulz, der früh aufstehen muss und in der Flensburger Drageefabrik arbeitet. Oder später am Tag und am Abend. Da raschelt es dann unheilvoll in der Efeuverkleidung rund um die Müllcontainer. „Ich haue immer erst mal dagegen, bevor ich den Deckel aufmache“, erklärt Bernhold Faust seine Sicherheitsstrategie. Er würde hier kein Kind die Mülltüten hineinwerfen lassen.

Bernd Schulz wohnt Parterre und lässt zu keiner Zeit des Tages die Haustür offen stehen. Seit einem Jahr beobachten die beiden Anwohner die „Rattenplage“ in ihrem Hinterhof und haben auch eine Erklärung dafür. Bei der Sanierung des zweiten Hauses im idyllischen Ensemble aus den 20er Jahren seien „Rattennester“ zerstört worden, sagen sie und freuen sich, dass alles ordentlich aussehe und der Hof aufgehübscht wurde. Doch die Nager hätten nun gegenüber bei ihnen Zuflucht gefunden. „Niemand kümmert sich drum“, klagt Schulz; der Protest beim zuständigen Selbsthilfe-Bauverein (SBV) blieb ohne Folge.

SBV-Sprecher Matthias Weiß bestreitet einen Zusammenhang zur Modernisierung, in die von 2014 bis jetzt insgesamt rund 2,5 Millionen Euro investiert wurden (Fertigstellung im Herbst). Weiß sieht eine andere Ursache für das Rattenaufkommen. „Hier haben wir die Problematik, dass Essensreste zum Teil nicht in den dafür vorgesehenen Mülltonnen entsorgt werden“, stellt er fest und meint zum Beispiel für „die Vogelwelt gut gemeinte Brotreste“. Die würden „unerwünschte Nagetiere“ anlocken. Man sei aber mit den Mietern im Dialog und habe einen Schädlingsbekämpfer engagiert.

Bernd Schulz kennt auch ein Gegenmittel. Bei seiner Arbeitsstelle würde der süße Geruch sicher Ratten anziehen. Doch dank der Köderboxen vor der Tür gebe es keine Nager. „Wegen einer Ratte sagt keiner etwas, aber man sieht hier schon mal 15 bis 20“, unterstreicht Schulz die Dringlichkeit im Tempelhof. „Das sind keine Kaninchen“, ergänzt Nachbar Faust. Und: „Es ist nicht normal, mit der Ratte zu leben, nicht im 20. Jahrhundert.“

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erstellt am 24.Apr.2017 | 07:30 Uhr

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