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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 12:44 Uhr

Stadtplanung : Rathaus ringt um Haus in Sonwik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Privater Bauherr will auf der freien Nordmole ein Wohnhaus statt der ursprünglich geplanten fünf Einheiten errichten. Das führt zu einem Dissens im Rathaus.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 08:05 Uhr

Es begann mit einer Vision. Der junge Architekt Henning Prey zeichnete einen kühnen Entwurf für das Nordende der Mole Sonwik, der die Mitglieder des Gestaltungsbeirates schlucken ließ. Keine Chance auf Zustimmung. Doch Prey nahm die Anregungen mit und modifizierte den Entwurf, nahm die Formensprache der Wasserhäuser auf. Rund zehn Jahre nach dem Bau der seinerzeit bundesweit beachteten Kuben auf Pfählen geht es um die Bebauung des letzten freien Stücks der Mole, das in Richtung Hafen der Marineschule führt.

Und hierüber gibt es jetzt einen tief gehenden Dissens innerhalb des Rathauses. Denn ursprünglich war geplant, auf dem Nordende fünf weitere Wasserhäuser zu errichten. Die Sonwik-Gesellschaft hat jedoch die Mole beziehungsweise die bebaubare Wasserfläche vor fünf Jahren verkauft und ist mithin nicht mehr Bauherr. Käuferin ist Anja Lassen, die mit ihrer Familie eine Doppelwohnung im Kapitänshaus im Norden Sonwiks bewohnt – mit Blick auf die freie Mole. Zusammen mit ihrem Mann, Nordschrott-Inhaber Michael Lassen, nahm sie Preys Vision zum Anlass, ernsthaft über eine Bebauung der Mole nachzudenken.

„Wir wohnen hier seit acht Jahren und fühlen uns mittlerweile sauwohl“, sagt sie. Die Familie habe vorher in Harrislee gelebt, man sei nicht sicher gewesen, ob Sonwik das Richtige sei, jetzt wisse man es. Befürchtete Konflikte mit allzu neugierigen Passanten seien ausgeblieben, es sei alles sehr harmonisch. „Wir sind keine Investoren“, betont sie, „wir sind eine Familie und wollen uns ein Haus zum Wohnen bauen.“ Gut, es ist mit 300 Quadratmeter Wohnfläche ein großes Haus, das gibt sie zu. Aber, so sagt Michael Lassen, „wir verlagern unsere heutige Wohnfläche auf die Mole und vergrößern uns nicht.“

Im Planungsausschuss ging es am Dienstag um die grundsätzliche Frage, ob man als Stadt auf dem ursprünglichen Plan einer Bebauung mit fünf Wasserhäusern bestehen oder ob man auch eine andere Art der Bebauung zulassen solle. Ein Antrag von WiF, Grünen und SPD, der dies verhindern will, wurde nach langer Debatte zurückgezogen. Peter Schroeders, Chef der Stadtplanung, gab zu denken, dass jegliche Planung vor dem Hintergrund des gesamten Szenarios zu bewerten sei – also Marineschule, Wasserhäuser, die alte Stützpunkt-Bebauung, die neuen Wohntürme Lee und Luv.

Das neue Lassen-Haus soll ebenso wie die bestehenden Wasserhäuser auf Bohrpfählen neben der Mole errichtet werden. Nach dem derzeitigen Plan wird es 60 Zentimeter höher als die farbenfrohen Nachbarn, nimmt aber nur knapp die Hälfte des nach dem Bebauungsplan möglichen Baufelds in Anspruch. Da es am Ende der Mole gebaut werden soll, bliebe eine Sichtachse vom Ufer auf die Förde erhalten.

Im Planungsausschuss sagte WiF-Ratsherr Ron Jeromin, dass man mit dem Antrag Rechtssicherheit herstellen wolle, weil der Bebauungsplan nicht eindeutig sei. Der städtebauliche Vertrag, den die Stadt mit der Sonwik-Gesellschaft geschlossen hatte, sieht fünf Wasserhäuser vor. Der Vertrag gelte aber nicht für den neuen Besitzer der Nordmole, stellt Justiziar Lars Jessen klar. „Ich kann mir auf der Mole etwas mehr vorstellen“, betonte Arne Rüstemeier (CDU) und regte eine städtebauliche Machbarkeitsstudie oder einen eingeschränkten Wettbewerb an. Noch deutlicher wurde Matthias Maul-Nielsen, FDP: „Wer hat einen Nachteil, wem nehmen wir etwas weg?“, fragte er. Pelle Pries (Grüne) hingegen befürchtete einen „Bruch mit der Kleinteiligkeit“ der Wasserhaus-Bebauung.

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