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Flensburger Einzelhandel : Rat stellt Poco den Stuhl vor die Tür

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einrichtungshaus abgeblitzt: Ratsversammlung gibt kein grünes Licht für Ansiedlung / Kein weiterer Einzelhandel an der Schleswiger Straße

Das dürfte es gewesen sein. Die Bergkamener Poco-Gruppe hat sich auf der Bleiche mit ihrer Hau-Ruck-Strategie böse verspekuliert. Mit deutlicher Mehrheit der Stimmen von CDU, SPD, Grünen und Linkspartei beendete der Rat deren Pläne, auf dem Grundstück des ehemaligen Max-Bahr-Baumarktes ein Möbelhaus einzurichten. Poco hatte das Grundstück im Februar gekauft und wollte dort – auf die Kooperation der Stadt spekulierend – 2,5 Millionen Euro investieren und 70 Arbeitsplätze schaffen. Die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes fand am Donnerstag nach lebhafter Diskussion jedoch keine Mehrheit. Poco bleibt auf einem Grundstück sitzen, das in einem noch aufzustellen Bebauungsplan ausschließlich für Gewerbe und Wohnen genutzt werden darf.

Zuvor hatte eine fast deckungsgleiche Mehrheit für die südliche Schleswiger Straße eine ähnlich grundlegende Entscheidung getroffen. Im deren südlichem Bereich, wo große Gewerbegrundstücke brach liegen, wird es keinen Einzelhandel geben. Die Ratsversammlung billigte eine entsprechende Beschlussvorlage der Stadtplanung – deutliches Signal an Grundstückseigentümer, die seit Jahren auf die immobilientechnisch ergiebiger zu vermarkende Einzelhandelsnutzung spekulierten. Axel Kohrt (SPD), Vorsitzender im Planungsausschuss, hofft, dass es mit dem Zuwarten der Grundstückseigentümer bald ein Ende hat und warnte dringend davor, seitens der Politik noch Hoffnungen zu schüren, dass Einzelhandel doch denkbar sei.

Die Beschlüsse waren nicht unumstritten. Edgar Möller (SSW) hielt beide Entscheidungen für grundverkehrt. Er fürchtet Leerstand an der Bleiche und weiteren Stillstand an der Schleswiger Straße. „Wir schöpfen das Entwicklungspotenzial dort nicht aus“, warnte er. Man könne an dieser Flensburger Einfallstraße viel abschöpfen und ein Billigmarkt sei immer noch besser als mit Brettern vernagelte Scheiben.

Christian Koch (FDP) sah das Flensburger Einzelhandelskonzept gar im historischen Zusammenhang – wenn auch historisch nicht ganz korrekt. „Heute ist der 9. November“, meinte er wohl zeitlich verirrt. „Das erinnert mich an planwirtschaftliches Denken.“ Es sei nicht Aufgabe der Politik, den Markt zu regulieren. Ein Argument, dass er später zum Thema Poco erneuern sollte. Hier ergänzt um den Hinweis, das sich die Moral auf dem Markt herauszuhalten habe – Replik auf den Vortrag des Grünen Stefan Thomsen, der Poco als Global Player aus Südafrika gegeißelt hatte, der sich weder um gute Arbeitsplätze, noch um ökologische Nachhaltigkeit bemühe. Kochs Argumentationslinie wiederum brachte den Seniorenbeirat auf die Palme. Dr. Ekkehard Krüger kritisierte harsch das „neoliberale Konzept“ der FDP. Er – Krüger – stehe in dieser Versammlung für die Leute, die unter dem Markt zu leiden hätten, der Koch offenbar vorschwebe. Alte und Gehandicapte, für die der Weg zum nächsten Nahversorger eine Weltreise darstellt, weil der „Markt“ auf Konzentration geeicht sei – hervorragend abzulesen an der beginnenden Diskussion um den abgebrannten Sky-Markt an der Apenrader Straße. „Was alte Menschen sich wünschen, hat die FDP nicht im Programm“, sagte Krüger. Es gebe Dinge, die nicht der Markt, sondern sehr wohl die Gesellschaft regeln müsse.

 

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erstellt am 11.Okt.2014 | 07:45 Uhr

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