Rat einig: Der Löwe kommt zurück

  <strong>Soll im Sommer eintreffen: </strong>Der Idstedt-Löwe in Kopenhagen kommt zurück nach Flensburg.
Soll im Sommer eintreffen: Der Idstedt-Löwe in Kopenhagen kommt zurück nach Flensburg.

shz.de von
19. Februar 2010, 04:59 Uhr

Flensburg | Für ein Symbol ist er ganz schön herumgekommen, der Idstedt-Löwe. Und auch das hat eine gewisse Symbolkraft. Die Plastik des dänischen Bildhauers Herman Wilhelm Bissen kehrt 148 Jahre nach ihrer Enthüllung wieder auf ihren Stammplatz auf dem Alten Friedhof zurück. Die Ratsversammlung gab gestern fast geschlossen grünes Licht für die Rückführung von Kopenhagen nach Flensburg. Am Sonntag, 12. September 2010, dem "Europäischen Tag des offenen Denkmals", soll Bissens Löwe wieder hoheitsvoll nach Süden blicken, von wo aus im Juli 1850 die aufständischen Schleswig-Holsteiner gegen die dänische Armee anrückten und bei Idstedt eine entscheidende Niederlage erlitten.

Als hoheitliches Symbol hat der Löwe freilich ausgedient. War er bislang im Zuge wechselnder Machtverhältnisse unterwegs, soll er nach dem Willen der Ratsversammlung ein friedlicher Löwe werden. Eine neue Plakette vorn an seinem Sandsteinsockel trägt die Aufschrift: "Istedt den 25. Juli 1850 Rejst (errichtet) 1862 - 2010 wieder errichtet als Zeichen von Freundschaft und Vertrauen zwischen Dänen und Deutschen."

Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner musste gestern bei der Einbringung des Antrags niemanden überzeugen. Schließlich war die Verwaltung auf Grund eines Beschlusses aller Fraktionen aufgefordert worden, mit Kopenhagen über eine Rückführung zu verhandeln. Tscheuschner präsentierte gestern lediglich das Ergebnis einer deutsch-dänischen Koordinierungsgruppe. Vertreter des Kultusministeriums, der Behörde dänisches Kulturerbe, der dänische Generalkonsul, Stadtpräsident, Oberbürgermeister, Landeskonservator und der Direktor des Flensburger Museumsberges hätten sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Unterschiedliche Auffassungen habe es beispielsweise in der Frage der Sockelgestaltung gegeben, berichtete Tscheuschner. Die dänische Seite habe aktuellen dunklen Ziegel favorisiert, doch am Ende habe man sich auf eine Wiederherstellung des Ur-Zustandes geeinigt: Der Sockel wird wie 1862 in hellem Sandstein ausgeführt. Einmütigkeit habe es wegen der historischen Authentizität auch über den Original-Standort gegeben.

Die CDU-Fraktion hatte ihren Abgeordneten das Abstimmungsverhalten freigestellt - wegen der Emotionalität, so Fraktionsvorsitzender Gernot Nikolai. Ebenso die Linke. Gerd Christophersen erneuerte seine Ablehnung des Löwen als aggressives Machtsymbol, Heinz-Werner Jezewski hingegen folgte Tscheuschners Interpretation, dass sich die Symbolkraft des Löwen in fast 150 Jahren grundlegend gewandelt habe.

Eine Ausstellung auf dem Museumsberg soll flankierend den Wandel des deutsch-dänischen Verhältnisses von nationalistischer Prägung hin zu einem freundschaftlich vertrauten Umgang dokumentieren. Der SSW benötigte für die Abstimmung keine Aufhebung der Fraktions-Geschlossenheit. Ratsfrau Wilma Nissen machte nur auf einen Rechtschreibfehler aufmerksam. Auf der in deutsch und dänisch gehaltenen Plakette müsse es natürlich Isted heißen, nicht Istedt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen