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Bauleit-Verfahren eröffnet : Rat bringt Alte Gärtnerei auf den Weg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Investor kann auf Gewerbe-Brache zwischen Kiefernweg und Mürwiker Straße 190 neue Wohnungen bauen, aber der Protest der benachbarten Bewohner reißt nicht ab

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 07:30 Uhr

Der Beschluss ist gefallen, aber ist das Thema damit auch schon durch? Spät am Donnerstagabend beschloss die Ratsversammlung den Vorhaben-bezogenen Bebauungsplan Fördestraße, der den Weg zum Bau von 190 Geschosswohnungen in sechs bis zu sechs Stockwerke hohen Baukörpern auf dem Gelände Alte Gärtnerei zwischen Kiefernweg und Fördestraße ermöglicht. Wie schon das vorausgegangene Thema B-Plan Fahrensodde ist auch die Nachverdichtung in direkter Nachbarschaft zu einem überwiegend mit Einfamilienhäusern bestandenen Baugebiet umstritten. Stadtplanungs-Chef Peter Schroeders wies auf eine möglicherweise bevorstehende Normenkontrollklage von betroffenen Bürgern hin, gab sich aber zuversichtlich in diesem Punkt. Der B-Plan sei nach bestem Wissen und Gewissen aufgestellt worden. Mit Blick auf Schattenbildung und Abstandsflächen seien sehr gute Lösungen erreicht worden.

Schroeders waren die vorausgegangenen vier Stunden deutlich anzusehen, in denen in der politischen Auseinandersetzung über die Zukunft von Fahrensodde schwerste Kaliber – auch gegen die Verwaltung – in Stellung gebracht worden waren. Es falle ihm schwer, unter diesen Voraussetzungen Kraft und Energie für eine konstruktive Zusammenarbeit aufzubringen, gestand er.

Im Vergleich zur Diskussion über Fahrensodde wehte in der wegen der fortgeschrittenen Zeit verkürzten Debatte lediglich ein laues Lüftchen. Freilich hatte die Alte Gärtnerei bei der Beratung im Planungsausschuss schon ihren Eklat gehabt, als Ausschussvorsitzender Axel Kohrt den Anwohner Albert Wegner des Beratungssaals verwiesen hatte, weil der sich ohne Rederecht über das Planungsprojekt echauffiert hatte.

Diesmal traten lediglich die Ratsherren Kay Richert (FDP) und Marc Paysen (WiF) für die Anwohner in die Bütt. Beide formulierten Bedenken, weil nach Überzeugung von FDP und WiF die massive Verdichtung den Rahmen der Verhältnismäßigkeit sprengt. Schroeders´ Argument, man habe die gesetzlich vorgeschriebene Abstandsfläche schließlich verdoppelt, begegnete Richert mit einer ganz praktischen Gegenüberstellung. Der Abstand zwischen Einfamilienhaus und dem nächsten fünfstöckigen Mehrfamilienhaus sei geringer als die Distanz von Wand zu Wand im Ratssaal. Richert sieht für das Normenkontrollverfahren der Bürger gute Chancen, zumal das Sammeln des Oberflächenwassers über der geplanten großen Tiefgarage einen Eingriff in der Schutzgut Wasser darstelle. „Das istWohnen auf Kosten der Nachbarn“, fasste Marc Paysen die Haltung der WiF zusammen. „Die Menschen im Einfamilienhausgebiet wohnen demnächst vor einer Wand“, meinte er.

Demgegenüber verwies Schroeders auf den sehr guten Dialog mit dem Vorhabenträger. Man habe gute Kompromisse aushandeln können; das Gebiet sei komplett frei von ruhendem Verkehr, die große Freifläche sei qualifiziert überplant worden. „Ein sehr guter Beitrag zur kompakten Stadt der kurzen Wege und neben dem Baugebiet Am Wasserturm aktuell das städtebauliche Vorzeigeprojekt.“

Wegen der lang andauernden Ratsdebatte über die Änderung des Verfahrens in Fahrensodde war auf Beschluss des Ältestenrats die Alte Gärtnerei der letzte Tagesordnungspunkt dieser 12. Ratsversammlung. Neben kleineren Regularien waren zuvor eine Entschließung zur Anbindung an den Bahnverkehr (wegen Wegfall einer Nachtzuverbindung), der Beitritt zur Kampagne Stadt ohne Plastiktüten, Verfahren zur Haushaltskonsolidierung und die Aufzeichnung von Ratsversammlungen beschlossen worden. Die weggefallenen Tagesordnungpunkte – u.a. Einzelhandelskonzept, Ansiedlung eine Einrichtungsmarktes auf dem ehemaligen Bahr-Gelände – sollen auf der Sitzung im Oktober behandelt werden.

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