Rasmussens Vermächtnis

Im Mittelpunkt der Ausstellung: Mitarbeiterin Vanessa King vor dem großen Schärenkreuzer „Bremen“, 1927 bei Abeking  & Rasmussen gebaut.
Im Mittelpunkt der Ausstellung: Mitarbeiterin Vanessa King vor dem großen Schärenkreuzer „Bremen“, 1927 bei Abeking & Rasmussen gebaut.

Neue Ausstellung im Flensburger Yachting Heritage Centre: Schöne Boote treffen auf Zeitgeschichte

shz.de von
30. Mai 2018, 16:12 Uhr

Der Meister überblickt die Yachtgeschichte vier Meter hoch von seinem Stellplatz im Yachting Heritage Centre. Irgendwann sollen die breiten stählernen Konstruktionsstreben in der modernen Halle am Flensburger Industriehafen die Büsten aller bedeutenden Konstrukteure der legendären 12 mR Meterklasse-Yachten tragen. Wer aber wie Oliver Berking in Deutschland den noch bis in die 60er Jahre aus Holz gebauten schönen Rennyachten ein ganze Werft- und Ausstellungsgelände widmet, kommt an ihm nicht vorbei: Henry Rasmussen (1877-1957).

Der in Svendborg geborene dänische Konstrukteur und Schiffbauingenieur war Gründer und Inhaber der weltbekannten und -gerühmten Yachtwerft Abeking & Rasmussen. Für Berking und seine beiden Kuratoren Jacob Franze und Inga Fischer öffnete der Traditionsbetrieb an der Weser seinen Archivkeller. Die Flensburger kamen dankbar mit zwei 7,5-Tonnern zurück, beladen mit bislang ungezeigten Schätzen und Schätzchen aus der Geschichte einer Werft, die wie nur wenige im großen Stil den Yachtbau geprägt und beeinflusst hat.

Dem Flensburger Team ist es am Industriehafen gelungen, einen informativen und spannenden Pfad durch die Geschichte der Regatta- und der Tourensegelei zu schlagen. An beiden war Rasmussens Werft maßgeblich beteiligt, die sich unter Seglern über viele Jahrzehnte durch hohe Bauqualität, und tüchtige schnelle Schiffe einen legendären Ruf erworben hat – ganz gleich ob es sich um das kleine Volksboot Hansa-Jolle handelte oder um einen der imposanten Schärenkreuzer wie die in der Halle ausgestellte „Bremen“ aus dem Jahr 1927. Rasmussens original Schreibtisch steht gleich daneben. Dazu Modelle, Halbmodelle, Konstruktionszeichnungen, Fotos, Tagebuchnotizen, original Schriftstücke, Filmaufnahmen, maritime Bruchstücke – sie alle erzählen viel mehr als „nur“ die Geschichte dieses Kindes einer dänischen Bootsbauerfamilie, das in Lemwerder bei Bremen ein Unternehmen von Weltruf gründete. Sie rücken die Entwicklung des Bootsbaus und des Segelsports an vielen Stellen in den Kontext der Zeitgeschichte.

Über zwei Weltkriege hinweg unterhielt Henry Rassmussen hervorragende Beziehungen in die USA – was in den jeweiligen Wiederaufbauphasen für die Werft von großem Vorteil war. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Rasmussen übrigens auf der Flensburger Außenförde, er hatte Boote im Schlepp, die er vor den siegreichen Aliierten auf seiner Werft in Svendborg in Sicherheit bringen wollte. Er hatte das von seinem Großvater gegründete Familienunternehmen 1939 zurückgekauft und zu einem florierenden Betrieb entwickelt. Dänemark aber verzieh ihm seine „deutsche“ Geschichte nicht. Henry Rasmussen wurde bei Kriegsende enteignet, das Unternehmen verkauft.

Abeking & Rasmussen (Partner Georg Abeking stieg früh nach der Werftgründung aus) ist auch heute noch ein erfolgreiches Unternehmen im Familienbesitz von Rasmussens Enkeln. Hölzerne Yachten werden dort schon lange nicht mehr gebaut, die jüngeren der weit über 6000 Baunummern sind exklusive große Motoryachten und innovative Funktionsschiffe – die ebenfalls ihren Platz in dieser Ausstellung finden.

Oliver Berking, Mäzen und selbst ein Werftgründer, hat mit dieser Ausstellung einem der Größten in dieser Branche Referenz erwiesen – und einen Bogen geschlagen. Es war eine Yacht von Abeking & Rasmussen, die ursächlich für dieses Projekt am Flensburger Ostufer ist: die „Sphinx“. Berking hatte mit Gorm Gondesen und Jochen Franck diese als „Ostwind“ viele Jahre für die Marine fahrende Yacht 2004 gekauft, bis 2007 in einem Zelt am Industriehafen restauriert und wieder in Fahrt gebracht. Der Wunsch, das erworbene Know How zu erhalten und für schöne Boote aus Holz einzusetzen, führte vor zehn Jahren zur Gründung der Werft Robbe&Berking Classics und 2016 zur Eröffnung des Yachting Heritage Centres.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr; Eintrittspreise: 5 Euro für Einzelbesucher, 2,50 Euro für Gruppenbesucher ab 10 Personen, 2,50 Euro für Schüler, Berufsschüler, Studenten, Auszubildende, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, FSJ, Schwerbehinderte. Freier Eintritt für Kinder unter 6 Jahren, notwendige Begleitperson Schwerbehinderter. Führungen durch die Robbe & Berking Werft sonntags, 11 Uhr, mit Anmeldung, 10 Euro pro Person info@classic-yachts.de

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