Stilllegung im Jahr 2013? : Raiffeisen geht: Hafen in der Krise

Stadtbildprägende Silos: Die Hafenwirtschaft verliert durch die Raiffeisen-Stilllegung etwa ein Drittel ihres Umschlags. Foto: Dewanger
Stadtbildprägende Silos: Die Hafenwirtschaft verliert durch die Raiffeisen-Stilllegung etwa ein Drittel ihres Umschlags. Foto: Dewanger

Für Flensburgs Hafen brechen düstere Zeiten an. Die Raiffeisen Hauptgenossenschaft wird im nächsten Jahr ihr Futtermittelwerk stilllegen.

shz.de von
03. September 2012, 07:00 Uhr

Flensburg | Die HaGe bestätigte den Beschluss im Grundsatz, gab aber keine näheren Erläuterungen. Der zuständige Vorstand Markus Grimm war am Donnerstag in Kiel trotz intensiven Bemühens für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Vor rund drei Wochen war nach Informationen des sh:z die Belegschaft informiert worden. Angeblich wurde auch ein Sozialplan aufgestellt, angeblich konnten nicht allen der 22 betroffenen Beschäftigten des Futtermittelwerks im Raiffeisenverbund eine Weiterbeschäftigung angeboten werden.
"Wir haben keine Zahlen"
Das Futtermittelwerk spielt für den traditionell defizitären Hafen eine zentrale Rolle. Nach Angaben des Hafenbetreibers Stadtwerke ist die HaGe mit 140.000 Tonnen maßgeblich am Umschlag beteiligt. Insgesamt wurden im Jahr 2011 etwas mehr als 500.000 Tonnen Güter bewegt. Ob die Hafenwirtschaft den Verlust von fast einem Drittel des Umschlags wegstecken oder halbwegs kompensieren kann, dürfte fraglich sein.
Und die Hafenwirtschaft wusste am Donnerstag noch nicht einmal, was die Rathausspitze schon länger weiß. Hans-Heinrich Callesen von der Schiffsmakler- und Umschlags-GmbH Christian Jürgensen, Brink und Wölffel ging gestern noch davon aus, dass der Umschlag lediglich zurückgefahren werde. "Wir haben keine Zahlen. Wir müssen sehen, was bleibt und versuchen das durch verstärkte Akquise aufzufangen." Nach Angaben von Verwaltungssprecher Thomas Kuchel aber wird in den Silos künftig nur noch gelagert und gar nicht mehr produziert. "90 Prozent der Schiffs- und Lkw-Bewegungen werden künftig entfallen." Die Reduzierung, so Kuchel, "hat massive Auswirkungen."
"Wir bedauern natürlich jeden Umschlag, der wegfällt"
Und das nicht nur auf den Betrieb von Callesen. In der Vergangenheit stand im Zusammenhang mit den Schwankungen im Umschlag auch immer wieder der Wirtschaftshafen als Ganzes in Frage. Im vergangenen Jahr sorgte ein von Verkehrsminister Ramsauer initiiertes Papier für Unruhe, das die Zukunft der Flensburger Förde als Bundeswasserstraße in Frage stellte. Die Hafenwirtschaft muss weitere Verschlimmerungen befürchten, wenn etwa aus Kostengründen die Befeuerung des Fahrwassers eingestellt wird und Flensburg nur noch bei Tage angelaufen werden darf. Schlussendlich dürften sinkende Einnahmen das chronische Defizit des Hafenbetriebs weiter verschärfen. Auch bei den Stadtwerken war man im Detail nicht über das Ausmaß des Einbruchs informiert. "Offiziell haben wir nichts gehört", so Stadtwerkesprecher Peer Holdensen. "Wir bedauern natürlich jeden Umschlag, der wegfällt."
Die Entwicklung am Harniskai wird Flensburg eine neue Diskussionsrunde zu einem alten Thema bescheren. Bis 2010 wurde - bisher ohne förmlichen Abschluss - der Masterplan Hafen diskutiert. Darin ging es auch um den Ausgleich der Interessenskonflikte zwischen traditioneller Hafenwirtschaft und den nicht maritimen Nutzern, die in attraktive Wassernähe drängen. Diese Diskussion wird fortgeführt - aber unter anderen Vorzeichen. In der Tat kündigte Kuchel an: "Ein Gespräch mit Raiffeisen ist geplant. Wir werden das Thema danach mit den Fachbereichen erörtern und im Herbst politisch diskutieren. Die angekündigte Reduzierung stellt die Gewichtung im Hafen auf den Prüfstand."

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