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Raffelhüschen: „Wir haben die Schulden nicht mehr im Griff“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2014 | 11:34 Uhr

„Man denkt gar nicht, wie viel Schulden man hat“, sagt Dr. Bernd Raffelhüschen und fasst damit zusammen, was er den Gästen der Hypovereinsbank während des Jahresauftakts in Glücksburg erläuterte. Der Professor für Finanzwissenschaft an den Universitäten Freiburg und Bergen (Norwegen) sprach vor 160 Kunden der Bank über Demografie, Alterssicherung, Staatsverschuldung und führte aus, wie 25 000 Euro Pro-Kopf-Verschuldung zustande kommen. Zu dem Vortragsabend mit Empfang hatte Hans-Hermann Wilckens, Firmenkunden-Niederlassungsleiter für Schleswig-Holstein, in den Alten Meierhof eingeladen.

„Wir haben eine Staatsschulden-Krise“, sagte Bernd Raffelhüschen im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Wirtschaft boome, die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei so niedrig wie noch nie, doch die Staatsschulden seien wie ein Eisberg, von dem man nur die Spitze sehe. Deutschland weist gut 2 Billionen Euro Schulden aus, 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie Raffelhüschen sagt und von 25 000 Euro Last je Einwohner spricht.

Noch nicht dabei berücksichtigt sind die Ausgaben, die vor allem während der kommenden zehn Jahre den Staatshaushalt weiter und weiter in die Knie zwingen können. Der Professor (Jahrgang 1957) rechnet vor: Zu den 83 Prozent offensichtlicher Staatsschuld kommen 40 Prozent wegen Renten- und weitere 30 Prozent wegen Pensionsansprüchen hinzu. Raffelhüschen: „Als geburtenstarker Jahrgang ist man das Problem.“ Im Gesundheitsbereich weist Raffelhüschen mindestens 80 Prozent aus und addiert noch einmal 30 Prozent des BIP für den Pflegebereich hinzu: „Die Pflegebedürftigen sind die Einführungsgewinnler eines Schneeball-Systems. Sie haben nichts eingezahlt.“

Im Grunde müsse mit 5 Billionen Schulden mindestens gerechnet werden, was optimistisch sei. Für realistisch hält der gebürtige Niebüller 10 Billionen Euro an Staatsschulden. „Spätestens wenn die Mütterrente und die Rente mit 63 Jahren verteilt werden, haben wir die Schulden nicht mehr im Griff“, nennt der Freiburger Gründe für die Entwicklung und hält die längere Arbeitszeit für sinnvoll. „Das ist eines der letzten Instrumente.“

Wilckens und Raffelhüschen zu Schleswig-Holstein: Die vorherrschenden Themen bei den Unternehmern sind laut Wilckens die Nachfolgeregelung und der Fachkräftemangel. So werde in der Metallbranche bereits in Kroatien nach Facharbeitern gesucht – persönlich, sagt der Banker. Raffelhüschen, der das erste Mal beim Jahresauftakt der Hypovereinsbank im Norden spricht, weist auf den Grenzpendler-Verkehr hin, der im nördlichen Landesteil ins Gewicht falle. „Es sind nicht wenige, die nach Dänemark zur Arbeit fahren.“ Und in einer Sache sei der Schleswig-Holsteiner richtig gut: „Im Glücksatlas für die Deutsche Post stehe er auf der Skala ganz oben, hinter den Dänen.“ Für ein Glücksgefühl ist das Geld demnach nur drittrangig.

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