Glücksburg : Räumungsklage: Streit am Strand von Holnis

Torsten Komnik wünscht sich als Betreiber einer nahe gelegenen Ferienanlage einen belebten Strand mit vielen Angeboten für seine Gäste. Wegen eines Rechtsstreits aber herrscht in Holnis Stillstand.
Torsten Komnik wünscht sich als Betreiber einer nahe gelegenen Ferienanlage einen belebten Strand mit vielen Angeboten für seine Gäste. Wegen eines Rechtsstreits aber herrscht in Holnis Stillstand.

Die Stadt Glücksburg hat Räumungsklage gegen den Strandbetreiber erhoben. Jetzt droht ein langer Stillstand.

shz.de von
08. April 2018, 11:57 Uhr

Holnis | Am Kurstrand von Holnis haben sich die ersten Feriengäste eingefunden: eine Patchwork-Familie aus Hamm in Nordrhein-Westfalen. Kinder und Erwachsene stehen einträchtig an einem Klettergerüst und beobachten einen Bagger, der die Überreste vom letzten Sturm wegschafft. Kein einziger Strandkorb steht auf dem Sand. Die Strandbude ist von einem Bauzaun umgeben. Auch hier hat der Sturm Schäden hinterlassen. Der Himmel ist grau, noch herrschen keine Frühlingstemperaturen. Ob ihnen etwas auffalle? „Den Kindern gefällt es hier“, sagt der Vater knapp.

Was der Feriengast nicht ahnt – in etlichen Wochen, zur Hauptsaison, könnte es am Strand von Holnis noch genauso aussehen. Aufgrund eines Rechtsstreits zwischen der Stadt Glücksburg und dem Strandbetreiber Jan Festersen droht der Betrieb des Kurstrands Holnis diesen Sommer zum Erliegen zu kommen. Die Stadt hat Räumungsklage erhoben, am 23. Mai ist Gerichtsverhandlung. Doch ob das Verfahren an diesem Tag auch wirklich endet, ist ungewiss.

Der Betreiber der Ferienanlage Strandhof Holnis, Torsten Komnik (9 Wohnungen, 50 Betten), schlägt Alarm: „Unsere Gäste können derzeit keine Strandkörbe vorbestellen. Wie ich hörte, werden die Körbe abverkauft. Wir Vermieter hier in Holnis werben aber mit dem Angebot am Strand.“ Komnik befürchtet einen Streit, der sich über Jahre hinziehen könnte. Auch Campingplatz-Nachbarin Wiebke Volquardsen, die an der Promenade Bistro und Strandhaus betreibt, ist nicht erfreut. „Das fällt auf uns zurück“, meint sie. Einer ihrer Ostergäste kommentierte bei Facebook: „Super, sauber, gemütlich. Nur der Strand eröffnet schnell Grenzen.“

„Mehr Pep an den Strand“

Dabei waren viele Jahre alle zufrieden. Festersen übernahm 2002 den Strandbetrieb, baute die Surfschule auf, führte Tretboote, Standup-Paddling und Rikscha-Fahrräder ein. Junges Personal bewirtschaftete die Imbissbuden. Mit ihnen kam mehr „Pep an den Strand“, so Festersen. Er habe auf der Grundlage eines langen, unkündbaren Pachtvertrages investiert, obwohl er nur zum Kassieren der Strandgebühren und zur Toilettenbewirtschaftung verpflichtet sei.

Die gute Entwicklung geriet vor zwei Jahren mit dem Bau des Strandbistros (40 Innenplätze, große Terrasse) von Wiebke Volquardsen ins Stocken. Festersen sah den Vertrag von Seiten der Stadt dadurch gebrochen. Der Vertrag sichert ihm Schutz vor Konkurrenz zu, argumentiert er. Wenn der Strandbesucher jedoch sein Eis direkt hinter dem von Festersen betriebenen Strand kaufen könne, sei das Konkurrenz, so der Strandbetreiber. Er verlangte Gespräche, Zugeständnisse von der Stadt. „Wir sind Partner. Wir hätten vernünftig miteinander reden müssen“, so Festersen. Bei den Gesprächen sei aber nichts herausgekommen.

Fronten völlig verhärtet

Inzwischen sind die Fronten völlig verhärtet. „Von meiner Seite kommen keine Vorschläge mehr“, sagt Festersen. „Freizeitpolitiker“ seien das in Glücksburg - „ein Trauerspiel. Die können mich auf den Arm nehmen, aber nicht auch noch schaukeln. Dazu bin ich zu schwer.“ Er habe einen guten Anwalt in Hamburg.

„Wir würden den Strandbetrieb gerne neu ausschreiben“, sagt Bürgermeisterin Kristina Franke, die Festersen grundsätzlich für kooperationsbereit hält. Doch letztendlich möchte die Stadt mehr Pacht einnehmen, den Strand „schicker gestalten“. Die Vorwürfe, vertragsbrüchig geworden zu sein, weist sie zurück: „Der Konkurrenzschutz bezieht sich auf den Bereich der Promenade, nicht auf das Grundstück von Volquardsen. Das fällt unter Eigentümer-Recht“, erklärt Kristina Franke. Sie reichte in Abstimmung mit der Stadtvertretung bereits vor einem Jahr Räumungsklage gegen Festersen ein. Doch der meint, dass er allein Recht auf Kündigung habe. „Der sitzt das aus“, vermuten die Vermieter aus Holnis.

„Fragen Sie drei Juristen und Sie erhalten drei Meinungen“, so Kristina Franke über die Aussichten auf einen Erfolg seitens der Stadt. Der Wunsch von Torsten Komnik, wonach alle Beteiligten sich an einen Tisch setzen und eine Lösung finden sollen, scheint im Augenblick schwer realisierbar.

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