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Suizid-Prävention : Räume für lebensrettende Gespräche gesucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Verein Lichtblick erwartet bis zum Jahresende 1200 Beratungen. Er braucht Spenden und neue Räume.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Mit ihren 21 Jahren hat Lara mehrere Suizid-Versuche hinter sich. Starke Belastungen und Einschränkungen im Alltag sowie Klinikaufenthalte kamen zusammen. Vor anderthalb Jahren wandte sie sich an den Verein Lichtblick; seither kommt sie regelmäßig zu den Gesprächen vorbei. „Die Krankheitssymptomatik ist stark zurückgegangen, die Suizid-Gedanken sind weg, sie steht kurz vor ihrer Ausbildung“, fasst Soeren Hauke zusammen, was die Beratung mit der jungen Frau gemacht hat. „Lichtblick half beim Übergang zu einer Therapie“, ergänzt er.

Soeren Hauke ist Geschäftsführer von Lichtblick und stieß im Januar 2014 hinzu. Den Verein, der in Lebenskrisen hilft und bei Selbsttötungsgefahr, gibt es schon etwas länger: Am 2. November ist er 15 geworden. Noch bis Mai 2016 sorgt die Aktion Mensch für die Finanzierung des Projekts samt zweier Hauptamtlicher, von denen Soeren Hauke einer ist. Bis dahin wird an Konzepten gearbeitet, die die Professionalisierung und Professionalität von Lichtblick darüber hinaus erhalten sollen – jenseits der wichtigen Spenden, die immer gebraucht werden.

„Was sich gravierend geändert hat, ist, dass wir Menschen mit verschiedenen Störungsbildern haben“, beobachtet Soeren Hauke, den größten Anteil machten die Persönlichkeitsstörungen aus. Die Betroffenen müssten bei Lichtblick nicht Monate lang auf eine Therapie warten, sondern können kurzfristig, unbürokratisch, kostenlos in der Schloßstraße 4 vorbeischauen oder anrufen. Das zeichne den Verein aus – und die mindestens 15 (bis 20) Ehrenamtlichen, die sich als Krisenbegleiter haben schulen lassen. „Das sind Menschen, die im Leben stehen“, benennt Hauke eine Stärke seiner ehrenamtlichen Kollegen.

Der Beratungsbedarf sei enorm, sagt Soeren Hauke. Schon zu diesem Zeitpunkt des Jahres blickt der 34-jährige Diplom-Pädagoge auf über 1000 Gespräche zurück, von denen er selbst 980 geführt habe. Das könne nicht von Ehrenamtlichen geleistet werden. Bis zum Jahresende rechnet der gebürtige Oldenburger (Holstein) mit mehr als 1200 Beratungsgesprächen und schätzt die Zahl der Klienten auf bis zu 200 Menschen. Erfahrungsgemäß steige der Beratungsbedarf noch einmal in den Wintermonaten. Im Vorjahr, weiß Hauke, seien 145 Menschen in 612 Gesprächen beraten worden. In einer Radiosendung anlässlich des weltweiten Suizid-Präventionstages im September hieß es von Seiten der Welt-Gesundheitsorganisation, dass jeder zweite Suizid durch Beratung verhindert werden könnte. Die Erfolgsquote bei Lichtblick ist eindrucksvoll: „Uns ist niemand bekannt, der bei uns in der Beratung war und sich das Leben genommen hat“, sagt der Geschäftsführer.

Suizid sei immer noch ein Tabu-Thema. Das erschwere die Spendenakquise. Und ein weiteres Hindernis stellt sich ab dem neuen Jahr in den Weg der Krisenbegleiter: Die Adresse Schloßstraße gilt nur noch bis zum Jahresende, danach sucht der Verein Lichtblick neue Räume – am besten zwei für Beratung und Verwaltung, möglichst zentral, freundlich und günstig.


Wer Hilfe sucht: Lichtblick e.V., Schloßstraße 4, Telefon 0461-14684076, offene Sprechzeiten: Mo 14-16 Uhr, Di 10-13 Uhr, Mi 10-12 Uhr, Do 14-17 Uhr oder nach Vereinbarung, Email: info@lichtblick-flensburg.de, www.lichtblick-flensburg.de;

Wer helfen kann: Spendenkonto Lichtblick e.V.: Nospa, IBAN: DE53 2175 0000 0017 0409 06

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