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Traditionsbetrieb : Rätselraten um Verkauf der Flensburger Werft FSG

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FSG-Führung, Betriebsräte, Metaller und Fondsmanager: Keiner will einen baldigen Verkauf der Werft in Flensburg bestätigen.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 11:44 Uhr

Flensburg | Steht die Flensburger Werft kurz vor der Übernahme? Entsprechende Medienberichte sorgen derzeit für Wirbel in der Branche. Demnach sollen sich die Verhandlungen über den Verkauf der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) in einem "weit fortgeschrittenen" Stadium befinden.
Unter den 700 Mitarbeitern an der Batteriestraße lösten die Spekulationen allerdings nur wenig Unruhe aus. "Dass wir vor dem Verkauf stehen, wissen wir doch schon lange", meinte Betriebsratsvorsitzender Ralf Sasse gelassen. Nachdem die Oldendorff-Gruppe 2008 die FSG an die Münchner Orlando Management AG veräußert und in diesem Zuge auch Geschäftsführer Peter Sierk Anteile übernommen hatte, sei klar gewesen, dass es nur eine Schonfrist von fünf Jahren geben würde. Die ist nahezu vorbei. Inzwischen, so Sasse, hätten sich bereits mehrere Interessenten auf dem Gelände des Flensburger Traditionsunternehmens umgesehen - aus Asien beispielsweise. Ob es es sich dabei um Investmentgesellschaften oder andere Schiffbauunternehmen gehandelt habe, sei ihm nicht bekannt.

Volle Auftragsbücher

IG-Metall-Vorsitzender Michael Schmidt bestätigte auf Anfrage, dass Private-Equity-Gesellschaften wie die Orlando-Gruppe Unternehmensanteile meist nur für einen begrenzten Zeitraum erwerben, um eine bestimmte Rendite zu erwirtschaften. "Dieser Zeitraum beträgt in der Regel fünf Jahre", sagte Schmidt. Er betrachte diese Entwicklung keineswegs mit Sorge. "Das Interesse zeigt doch, dass auf der Werft tolle Arbeit geleistet wird." Es handele sich um einen funktionierenden, gut strukturierten Betrieb. Die Auftragsbücher des Unternehmens sind bis zum vierten Quartal 2014 gefüllt: Derzeit liegt die ConRo-Fähre "Oceanix Connaigra" an der Pier, Aufträge gibt es zudem für zwei Schwergut-Schiffe an die niederländische Reederei Rolldock, zwei Seismik-Schiffe für die Western Geco, England, und eine Passagierfähre für die schottische Reederei CMAL.
Michael Schmidt erwartet, dass nach einem möglichen Eigentümerwechsel die tariflichen Bindungen eingehalten werden. "Angst, dass ein neuer Investor nicht vernünftig mit Arbeitern und Angestellten umgehe, ist hier völlig unbegründet", sagte er. Allerdings sei ihm nicht bekannt, dass ein Verkauf unmittelbar bevorstehe.

Geschäftsführung hüllt sich in Schweigen

Das sieht auch Ralf Sasse so. "Das Interesse freut und ehrt uns." Der Betriebsrat sehe es als positives Signal und Bestätigung der guten Arbeit, die auf der Werft geleistet werde. "Wir bauen eben gute Produkte", stellte er fest. Mahnte zugleich, jetzt nicht Panik zu verbreiten. Bevor die Werft in neue Hände gelange, werde es gewiss noch dauern. "Sollte es anders sein", so Sasse, "hätte es uns die Geschäftsführung längst mitgeteilt."
Die hüllt sich derweil in Schweigen. Pressesprecher Thomas Ritte sagte, es sei gute Sitte bei der FSG, mit internen Dingen genau wie mit Neubau-Aufträgen erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, "wenn sie spruchreif sind". Ritte wollte einen möglichen bevorstehenden Verkauf offiziell nicht bestätigen.
Gleiches gilt für die Beteiligungsgesellschaft aus München. "Wir geben dazu keine Auskunft", sagte eine Sprecherin der Orlando-Gruppe lapidar. "Kein Kommentar."

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